Juni (Doris), August (Hans) bis Oktober 2016: Heimaturlaub in der Schweiz

Zurück in der Heimat erleben wir Wunderschönes aber auch Trauriges. Meine Mutter Friedel hatte wohl noch auf meine Rückkehr gewartet. Doris und ich konnten nochmals mit ihr sprechen und Abschied nehmen. Sie durfte ihren jüngsten Urenkel Nico in die Arme nehmen und er zauberte nochmals ein Strahlen in ihr Gesicht. Am 6. September ist Friedel im Alter von 92 Jahren zuhause friedlich eingeschlafen – nach zweieinhalb Jahren liebevoller Pflege durch meine Geschwister, Spitex, Rotkreuz und einer privaten Pflegefrau.

Die Zeit in der Heimat ist ebenso intensiv wie schön. Familie und Freunde machen es uns leicht. Wir fühlen uns sofort wie zu Hause, so als wären wir gar nicht so lange weg gewesen. Dank glücklicher Fügung dürfen wir bei Remo Holzherr in Breitenbach eine schöne Dreizimmerwohnung beziehen und ein E-Auto benützen. Dafür nochmals vielen herzlichen Dank. Doris ist bei «ihrer» Tennisschule Haugraben herzlich willkommen und kann ihrem geliebten Beruf als Tennislehrerin nachgehen. Sie macht mit ihrer Freundin Barbara einige Tage Urlaub in Grindelwald inkl. eine ganztätige Mega-Wanderung rund ums Schwarzhorn. Und mit Freund Hendrik unternimmt Doris eine steile Klettertour in Engelberg. Ich kann mit den SC Binningen Oldies «quatschen» und den Tennisschläger .schwingen. Und mit meinem «Karli none Gool»-Trüppli drei FCB-Spiele besuchen. Wir treffen viele (aber leider längst nicht alle) Freunde und werden kulinarisch richtig verwöhnt. Wir feiern unseren Hochzeitstag mit unseren Kindern und Partnern bei schönstem Wetter im Schloss Bottmingen. Wir feiern die Geburtstage von Doris, Anja und Bianca. Wir verbringen ein grosses Familien-Wochenende mit allen Ramps und Küllings  in der Lenk. Wir sind an der Hochzeit von Doris’ Stiefschwester Nicole eingeladen und beim 50-Jahre Jubiläum des CCS Basel – beide auf dem Rhein.

Das allergrösste Glück ist natürlich unser Grosskind Nico. Endlich dürfen wir es in die Arme nehmen und viele schöne Stunden mit ihm verbringen. Der kleine Nico ist ein richtiger Sonnenschein und der grosse Stolz unserer ganzen Familie.

Es gäbe noch viel mehr zu erzählen. Aber der Abschied rückt näher und er fällt uns gar nicht leicht. So steigen wir am 8.Oktober mit einem lachenden und einem stark tränenden Auge in den Flieger nach Panama. Eines steht fest: Nächstes Jahr während der Hurrikansaison kommen wir wieder auf Heimatbesuch! Oder steuern wir vielleicht schon mit dem Schiff zurück nach Europa? Wer weiss!

5.6. – 8.10.16 Bocas del Toro – Schweiz – Bocas del Toro

Reparaturen = Zwangspause = Sommerpause = Hurrikanpause

Mein Pc ist Anfang Juli ausgestiegen. Deshalb konnte ich meinen Blog im Juli und August nicht weiterführen. Das ist weiter nicht schlimm, denn wir konnten wegen des Andauerns der Reparaturen auch keine Reisen unternehmen. Seit dem 10. August ist die Riocaja endlich wieder voll einsatzbereit. Wir machen aber „Pause“ wegen der Hurrikansaison und nutzen diese Zeit für einen Heimatbesuch zu Familie und Freunden und zu unserem ersten Grosskind Nico. Doris ist seit dem 1. Juni in der Schweiz. Hans ist seit dem 13. August in der Schweiz.

Am 8. Oktober kehren wir zurück nach Bocas del Toro und setzen unsere Reise fort.
Am 12. Oktober kommen unsere Freunde Monika und Markus Mayer zu Besuch.

 

 

 

26.4.16 – 10.6.16 Bocas del Toro – (Providencia) – Bocas del Toro

Zuallererst natürlich das wichtigste Ereignis in unserer Familie !

Nico ist am 23. April zur Welt gekommen, kerngesund und putzmunter. Unsere Tochter Bianca und ihr Partner David sind überglücklich. Und wir sind Grosseltern geworden. Was für ein wunderbares Gefühl! Am 27. April fliegt Doris nach Hause. Sie will ihr Enkelkind in die Arme nehmen. Sie bleibt 14 Tage bei ihren Lieben und kommt am 14. Mai zurück aufs Schiff.

Auf zu neuen Zielen!

Wir sind topmotiviert und voller Tatendrang. Denn nach fünf Monaten in Bocas del Toro möchten wir endlich wieder die Segel setzen und neue Trauminseln entdecken: Providencia, Guanaja, Roatan, Utila, Rio Dulce. Das sind die exotischen Ziele, die wir uns für die nächsten fünf Wochen gesteckt haben, als wir am 21. Mai aufbrechen. Adios Bocas!

Umkehren!

Doch unsere Glücksgefühle halten nicht lange an. Nach 20 Stunden und 100 Seemeilen (185km) Fahrt unter Motor in Richtung Nordnordwest nach Providencia, gegen Wind, Wellen und starke Strömung, stellt unser Motor einfach ab. Wir bringen ihn nicht mehr zum Laufen. Was tun? Providencia liegt noch 30 Stunden voraus und ist unter Segeln gar nicht zu erreichen. Es bleibt uns nichts anderes übrig…..als umzukehren.
Jetzt haben wir die Strömung mit uns und wir speeden mit vollen Segeln schnell über die Wellen. 50 Seemeilen geht das gut. Die halbe Strecke wäre geschafft. Doch dann schläft der Wind praktisch ein und wir kommen nur noch ganz langsam voran. Via Iridium Satphon rufen wir unseren Nachbarn und Freund Philippe an. Er organisiert Hilfe. Und es kommt alles gut.

Abschleppen!

16 Seemeilen vor Bocas kommen uns Philippe und ein Indio mit seinem kleinen offenen Motorboot entgegen und nehmen uns in Schlepp. Zum Glück herrscht ruhiges Wetter und es hat auch keine hohen Wellen. Das Motorboot zieht uns sicher durch die recht enge Einfahrt mit einigen Untiefen und Riffen. So kommen wir knapp drei Stunden später wohlbehalten an unserem „alten“ Liegeplatz in der Marina Carenero bei Bocas an.

Turboschaden!

Mechaniker Jeff kommt und schon nach kurzer Suche entdeckt er den Schaden. Das ganze Turbocharger-System ist total verstopft und verrusst. Es muss komplett ersetzt werden. Wie konnte das passieren? Wir haben den Motor sorgfältig gewartet und gepflegt. Er sieht blitzsauber aus.

Wir erzählen Jeff, dass wir im März, als wir das Rudersystem reparierten, auch den MaxProp Propeller neu eingestellt hatten. Bis dahin hatte der Motor nur bis 2100 Touren gedreht und das Schiff unter Motor maximal 6 Knoten Fahrt gemacht. Warum der Vorbesitzer das so wollte, bleibt ein Rätsel. Es ist aber ganz eindeutig der Grund für den Turboschaden. Er wurde gar nie richtig gebraucht, denn er wirkt erst ab ca. 2500 Touren und bringt dann auch eine Mehrleistung von gut 20PS. So hat sich im Laufe der Jahre die Verstopfung zwangsläufig angebahnt. Wir konnten das neue Gefühl mit der höheren Drehzahl nur noch 20 Stunden „geniessen“, dann war Ende Feuer! Der Motor hätte früher oder später auf jeden Fall abgestellt. So haben wir doch auch wieder etwas Glück im Unglück gehabt. Was wäre passiert, wenn der Motor mitten in einem Riffgebiet abgestorben wäre? Das hätte dramatische Folgen haben können!

Lieferfrist!

Für die Reparatur brauchen wir einen neuen Turbolader plus weitere acht Ersatzteile. In Panama ist da nichts zu holen. Aus den USA dauerts mindestens vier Wochen und der Turbolader ist gar nicht lieferbar (!!). Ich suche im Internet und werde in Deutschland fündig. Die Firma STK Turbotechnik hat den Originalturbolader am Lager und die weiteren Teile organisiert mir der nette Verkäufer auch noch bei Drittfirmen.. Und das ganze ist dann eh noch viel weniger teuer,als aus den USA, inkl. Lieferung. Ich eröffne ein Postfach bei Mailboxes etc. Und so sollte die Ware via Miami nach Bocas kommen. Lieferfrist ca. 15 Tage. Wegen eines fehlenden Teils verzögert sich dann das nochmals um ca. eine Woche. Jetzt ist der 9.Juni und wir hoffen, dass die Ware in den nächsten Tagen eintrifft.

Hurrikan-Saison

Die lange Reparaturzeit haben wir natürlich vorausgesehen. Wir müssen drastisch umplanen. Ende Juni beginnt die Hurrikansaison, die bis Ende Oktober dauert. Diese Zeit wollten wir im Rio Dulce/Guatemala verbringen, einem vor Hurrikans sicheren und wunderschönen Binnenwassergebiet. Im Guatemala-Reiseführer hatten wir schon abwechslungsreiche Touren herausgesucht. Das fällt jetzt flach. Hier in Panama sind wir zwar hurrikansicher, aber wir haben wirklich alles schon gesehen. Inklusiv Costa Rica. Was tun?

Sommerpause

Wir entscheiden uns: Das Schiff bleibt hier in Bocas. Doris fliegt am 31. Mai für viereinhalb Monate zurück in die Schweiz. Ich bleibe hier und schaue zum Schiff und den Reparaturen. Mitte/Ende August komme ich auch noch für ca. 6 Wochen in die Heimat. Im Oktober kehren wir zurück und setzen unsere Segelreise fort. Wohin es uns zieht, das werden wir im Herbst entscheiden.

Damit es mir allein auf dem Schiff nicht allzu langweilig wird, fängt ja jetzt gerade die Fussball-EM an. Da kann ich schon mal einen Monat in die Röhre gucken. In Bocas hats ein schönes gemütliches Pub mit grossen Screens.

Hopp Schwyyz! (Ich melde mich dann wieder, wenn wir Europameister sind….)

3.3. – 30.4.16 Bocas del Toro – Almirante – Bocas del Toro – Costa Rica – Bocas del Toro

Das schönste und wichtigste Ereignis vorweg!

Für alle, die es noch nicht wissen: Wir sind erstmals Grosseltern geworden. Unser Enkelkind Nico kam am 23. April zur Welt. Mutter Bianca und ihr Partner David sind stolz und glücklich über ihren gesunden und munteren Sohn. Damit sie ihr Grosskind selbst geniessen und in die Arme nehmen kann, fliegt Doris vom 27. April bis zum 13. Mai nach Hause.

Der Alltag in den „Ferien“

Das Leben auf dem Segelboot ist nicht einfach Ferien ohne Ende – es ist auch Alltag genau wie zuhause. Wir müssen putzen, einkaufen, reparieren, neue Ausrüstungs- und Ersatzteile beschaffen, uns mit den Immigrations- und Zollbehörden “herumschlagen“ etc. etc. Gerade hier in Panama ist es ganz schwierig, Ersatzteile zu bekommen. Obwohl jedes Jahr zig tausend Schiffe den Panamakanal durchqueren, hat es keinen einzigen grossen Ship-Chandler im ganzen Land! Das heisst, man muss alles in den USA bestellen. Das ist erstens sauteuer und die Lieferzeit beträgt mindestens drei bis vier Wochen. So geschehen bei uns z.B. mit einer neuen Toilette. Da wir eh wochenlang auf der Werft lagen, war die Lieferfrist kein Problem. Der Einbau ist auch kein grosses Problem. Die Montageschrauben am Boden passen genau in die vorhandenen Bohrlöcher. Aber als wir die zwei Schläuche für Zu- und Abwasser andocken wollen, passen beide….natürlich nicht. So heisst es, entweder passende Adapterstücke aus Kunststoff oder Messing zu finden oder neue passende Schlauchrohre zu beschaffen. Wir wandern von Ferreteria zu Ferreteria, in drei Städten. Aber nirgendwo gibt’s das eine und auch nicht das andere. Was jetzt? Zum Glück fliegt Doris am 27. April für 14 Tage in die Schweiz. Da kann sie die Adapterstücke (hoffentlich) beschaffen. So wird aus einer relativ einfachen Sache ein kleines Abenteuer für sich.

Die grosse lange Reparatur

Eine ganz harte Zeit machen wir vom 26.2. bis zum 22.3. auf der Werft in Almirante durch. Sie liegt total in der Mangrovenpampa. Das Dorf liegt zehn Motorbootminuten entfernt. Die mikroskopisch kleinen Chitras plagen uns jeden Morgen und Abend. Und die Reparaturarbeiten gehen nur langsam voran. Unser amerikanischer Ingenieur sagte bei der Auftragsbesprechung mit dem Werftmanager, dass die Arbeiten in 8 -10 Tagen ausgeführt werden können. Daraus wurden dann beinahe fünf Wochen. Aber wir waren darauf vorbereitet und machten uns keine falschen Hoffnungen. Hier geht die Arbeit nach Panamazeit voran, mit viel Warten und den Werftarbeitern hinterherrennen etc. Zum Glück kam uns unser Freund und Bootsbaumeister Holger aus Deutschland zu Hilfe. Er hat dann die meisten Arbeiten ausgeführt. Und die Antifoulingfarbe gegen den Muschel- und Algenbewuchs haben wir schliesslich auch selbst aufgetragen. Genauso wie die Politur, die unsere Riocaja wieder wie neu samtmattglänzend aussehen lässt.

Ende gut – fast alles gut!

Endlich sind wir fertig. Der Ruderschaft ist abgedichtet mit Epoxy. Kein Tropfen Wasser dringt mehr ein. Das riesige Ruder passt millimetergenau, dank einem neuen Lager gibt’s keine Rumpelgeräusche mehr. Der Skegbereich um den Ruderschaft wurde aussen und innen mit mehreren Glasfaserlagen verstärkt, ebenso der Kiel im vorderen Bereich. Der Rumpf der Riocaja ist damit stärker denn je.

Vorwärts? Rückwärts!

Wir lassen das Schiff ins Wasser absenken, prüfen die Dichtigkeit. Drehen am Ruder. Alles picobello! Die Traggurte werden gelöst. Wir können losfahren. Doris legt den Vorwärtsgang ein…und….das Schiff fährt rückwärts!! Doris reagiert blitzschnell und stoppt das Schiff sofort ab. Sonst wären wir in den Betonsteg gefahren.

Was ist passiert? Die Riocaja hat einen Max-Prop. Das ist ein sogenannter Verstell-Propeller. Der optimiert (bei richtiger Einstellung) den Wirkungsgrad der drei Flügel für die Vorwärts- und die Rückwärtsfahrt. Und beim Segeln in der Neutral-Stellung (Leerlauf) bieten diese keinen Widerstand gegen die Wasserdruck. Das bringt ein Plus an Geschwindigkeit (Im Seglerdeutsch heisst das „Fahrt durchs Wasser“) von etwa einem halben Knoten (je nach Windstärke etwa + 7 bis 10 Prozent).

Weil der Motor in Fahrt nur bis ca. 2100 Touren pro Minute und 6 Knoten Tempo kam, waren wohl die Flügel des Max-Prop falsch eingestellt. Ein Mechaniker kam und hat das korrigiert. Entsprechend der Tabelle auf der Bedienungsanleitung für (im Vorwärtsgang) Motoren mit rechtsdrehender Kurbelwelle. Dies hatte der Mech gar nicht geprüft, weil praktisch alle Segelyachten so ausgestattet sind. Unser Schiff ist aber eines der seltenen Exemplare mit linksdrehender Welle!

So heisst es also: Schiff wieder angurten, hochheben und einige Meter zurückfahren, bis der Propeller über festem Grund ist. Mechaniker Richard kommt mit seinem Motorboot angedüst, stellt die Flügel auf linksdrehend um, und nach einer guten Stunde sind wir zurück im Wasser. Und Vorwärts ist wieder Vorwärts. Wir verholen uns zu einer Ankerboje direkt vor der Marina. Die Testfahrt muss bis morgen warten.

Wir sind natürlich sehr gespannt auf die Leistungssteigerung unseres Motors. Und das Resultat ist sensationell: Der Motor dreht bis über 3500 Touren und wir speeden mit fast 8 Knoten Fahrt durchs Wasser! In der sogenannten Marschfahrt, (wirtschaftslichste Dauerfahrt ) bei 2800 – 3000 Touren sind es beachtliche 7 – 7,5 Knoten. Das ist eine Leistungsoptimierung von 15 – 20 Prozent. Notabene bei einer Korrektur des Stellwinkels von nur 2°. Fast ebenso wichtig: Der Schub bei Vor- und Rückwärtsfahrt ist ebenfalls markant direkter und besser wie vorher. Wir sind begeistert! So macht das Manövrieren unter Motor wieder richtig Spass.

Die Riocaja ist bereit – wir aber gar nicht

Die Riocaja ist jetzt wieder voll fahrtüchtig und eigentlich bereit für die nächste grössere Reise. Die muss aber warten, denn Doris fliegt ja zur Geburt unseres Enkelkinds nach Hause (27.4. – 13.5.).

So machen wir erst kleine Ausfahrten mit Holger, der noch einige Tage bei uns bleibt.

Es kommt aber keine Freude auf. Wir sind gar nicht gut drauf! Auch als uns Holger verlassen hat, wird es nicht besser. Im Gegenteil. Die harte Zeit in der Werft hat ihre Spuren hinterlassen. Den Spannungen und Missstimmungen auf dem kleinen Schiff kann man nicht einfach entfliehen. Wir sitzen ja mittlerweile fast zwei Jahre ununterbrochen „aufeinander“. Und wir sitzen jetzt schon fünf Monate in Bocas del Toro fest. Wir stecken in einer Sackgasse. Das macht alles nur noch schwieriger. Nach zermürbenden Disputen finden wir uns wieder. Auch mit Hilfe unserer Kinder. Wir halten Friedensrat und beschliessen, dass wir sofort Ferien benötigen – eine Auszeit von unserem engen Seglerleben. Ferien vom Alltag.

Ferien vom Segelalltag

So planen wir kurzerhand eine Reise ins Nachbarland Costa Rica. Unsere Riocaja liegt wohlbehütet in der Marina Carenero. Seglerfreunde empfehlen uns ein schönes Hotel. So fahren wir am 8. April mit dem Wassertaxi nach Almirante, weiter mit dem Minivantaxi bis zur Grenze bei Sixaola. Dann mit dem öffentlichen Bus bis San Jose, umsteigen nach Cartago, nochmals umsteigen bis Orosi. Nach gut elf Stunden sind wir am Ziel. Wir sind in einer wunderschönen Lodge (www.orosilodge.com) in einem wunderschönen Tal. Die ganze Last fällt von uns ab.

In der von einem deutschen Paar geführten Lodge schnappen wir uns in der Bibliothek einen deutschen Reiseführer und lassen uns auch von Hotelmanager Sebastian beraten. Wir sprechen mit anderen Hotelgästen aus der Schweiz und Deutschland. So entsteht innert zwei Tagen aus unserem Adhoc-Trip eine schöne und spannende 13-Tage-Reise durch Costa Rica.

13 Tage Costa Rica

Ja, von dieser Reise könnten wir stundenlang berichten. Aber ich möchte mich möglichst kurz halten und das Geschehene im Zeitraffer vorüberziehen lassen:

Mietwagen gebucht, 1600 Kilometer stressfrei abgespult, zumeist bei wenig Verkehr, vielfach auf unwegsamen steinigen Feldstrassen (ein 4×4 wäre die bessere Wahl gewesen). Aber immer angekommen, auch Flussdurchquerungen haben wir geschafft. Mehrere Nationalparks besucht. Einer so schön wie der andere. Vulkan-Tour auf 3500 müM. Mountain Bike Tour. Botanischer Garten mit tausend Orchideen. Birdwatching am frühen Morgen. Den seltenen Quetzal gesehen mit seinem langen Federschwanz. Die grossen blau roten Ara Papageien. Grossschnabelige Tukans, viele weitere Vögel (die Lieblingsmotive von Fotografin Doris). Spider-Monkeys, die wohl gelenkigsten Affen der Welt, turnen in den Bäumen herum. Eine Familiengruppe Kuatis (ähnlich einem Ameisenbär, aber zählt zu den Primaten) wühlt nach Krebsen, ihrer bevorzugten Nahrung. Riesige Krokodile. Kleine Kaimane, Leguane. Schlangen. Winzige Frösche (inkl. giftiger Red Frog) Schmetterlinge in allen Farben. Mit dem Sesselilift (Air-Tram) durch und über den Baumwipfeln des Regenwalds. Zip-Lining. Die längste Line war 1000 Meter. Senkrechtes Abseilen (80 Meter) neben einem Wasserfall. Und wieder hochsteigen an einer Himmelsleiter. Fantastisches River-Rafting im Rio Balsa. Ritt auf einem Wildwestpferd. Erdbeeren pflücken auf 2600müM. Indio Siedlungs-Ruinen im Dschungel…

PURA VIDA!

Costa Rica heisst ja auch die Schweiz Südamerikas. Das trifft in manchen Punkten wirklich zu. Das Land ist sehr sauber (Abfalltrennung), vielseitig und abwechslungsreich (Karibik, Pazifik, Regenwald, frühlingshaftesBergklima, gewisse Berg/Hügel-Landschaften sehen voralpmässig aus) und touristisch sehr gut entwickelt ( inkl. viele schöne und teure Eco-Lodges und Resorts), aber alles ist auch sehr teuer. Viel teurer wie in den den Nachbarländern (das kennen wir doch…?)

Aber: Es ist einfach atemberaubend und begeisternd. Natur pur. Getreu dem Landes- und Lebensmotto PURA VIDA.

NICO ist da!

Uns hat diese Reise quasi „gerettet“. Wir kehren voller Freude und Tatendrang auf die Riocaja zurück. Feiern Wiedersehen mit unseren belgischen Segelfreunden und Nachbarn in der Marina.

Unser nächstes Highlight steht kurz bevor: Am 23. April bringt unsere Tochter Bianca Nico zur Welt. Omi und Opi – was für ein schönes Gefühl! Grossmutter Doris steigt in den nächsten Flieger. Sie will ihren Enkel unbedingt in die Arme nehmen. Ich bleibe zurück, aber dank Intgernet und Whats App kann ich am grossen Glück auch teilhaben. Und im Sommer, während der Hurrikan-Saison, kommen wir dann gemeinsam auf Heimaturlaub.

Wie weiter?

Nach der Rückkehr von Doris (13.5.) wollen wir dann endlich wieder die Segel hissen und nordwärts reisen. Erstes Ziel wird die schöne kleine Insel Providencia sein. Es wird unsere erste grössere Reise nach fast einem halben Jahr Aufenthalt in Panama.

 

 

18.1.16 – 2.3.16 Bocas del Toro – Panama City – Volcàn/Cerro Punta – Finca La Suiza – Bocas del Toro – Red Frog Bay – Dolphin Bay – Porras Lagoon – Bocas del Toro – Almirante

Probleme? Probleme!

18.1.16. Der Besuch von Bianca und David, das waren für uns auch wunderbare Ferien. Wir konnten es in vollen Zügen geniessen. Aber jetzt ist wieder Alltag auf der Riocaja. Wir besprechen und begutachten die Probleme mit dem Ruder mit zwei erfahrenen Langzeit-Seglern, Philippe und Bryan. Beide raten uns dringend ab, mit dem Leck und dem unsichtbaren, aber gut hörbaren Ruderschaden weiterzusegeln. In schwerer See könnte das fatale Folgen haben. So entscheiden wir uns, weiter in Panama zu bleiben, und den Schaden in der nahe gelegenen Werft bei Almirante zu prüfen und zu beheben. Doch darüber berichte ich weiter unten in diesem Blog.

Ferien? Ferien!

Denn vorher machen wir gleich nochmals Urlaub! Sohn Dario kommt für drei Wochen zu Besuch. Am 26. Januar fliegen wir ihm nach Panama City entgegen, empfangen und umarmen ihn kurz nach Mitternacht im Hotel Hilton GardenInn. Wir verbringen zuerst zwei Tage in der City, besuchen die Ruinen von Panama Viejo, die Miraflores-Schleuse, die Altstadt und den Fischerhafen.

Klimawandel im Stundentakt

Dann steigen wir in den auf gefühlte 3 Grad gekühlten Nachtbus und düsen auf der Panamericana nach David. Wir steigen aus um 04 Uhr 30, bei tropisch-feuchten 28 Grad. Von dort geht’s gleich weiter mit dem nächsten Kühlschrankbus in die Berge. Kurz vor Sieben Uhr erreichen wir Cerro Punta auf 1600 Metern Höhe. Da laufen die Leute mit Schal, Pullover und Jacke herum. Es ist so frisch wie bei uns in der Schweiz. Als die Sonne kommt, wird es dann ein angenehmer Frühlingstag. Aber den Pullover ziehen wir nicht ab. Wir bestaunen und bewandern die fruchtbare Natur im ewigen Frühling der Panama-Berge. Hier werden sämtliche Gemüse angepflanzt, aber auch tropische Fruchtbäume gedeihen prächtig. Genauso hochwertiger Panama-Kaffee. Die Kühe weiden im saftiggrünen Gras. Es hat Bergflüsse mit kristallklarem Wasser.

Rennpferde aus Panama

Mitten in dieser Hochebene steht ein riesiges Pferdegestüt. Die hier gezüchteten Pferde zählen zu den besten Rennpferden, die für teures Geld nach Amerika verkauft werden und dort auf den Turfs für Furore sorgen. Leider können wir keine geführte Tour machen, weil die heutige Führung gerade eben vorbei ist.

Wir übernachten in einem kleinen Hotel, mit liebenswerten Gastgebern. Sie sprechen zwar kein einziges Wort Englisch, aber sie kochen für uns ein einfaches schmackhaftes Menü und am Morgen ein sehr gutes Frühstück, natürlich mit frischem Fruchtsaft.

Finca La Suiza!

Dann geht’s wieder mit dem öffentlichen Bus via David in die Berge zur kontinentalen Wasserscheide Atlantik/Pazifik. Wir besuchen für zwei Tage nochmals die herrliche Finca La Suiza auf 1300 müM, mit tollem Panorama-Blick in die Berge und bis zum Pazifik. Wir werden von Gastgeberin Monika herzlich begrüsst. Sie hat hier mit ihrem (leider verstorbenen) Mann ein einzigartiges Wandergebiet erschlossen. Die drei Gästezimmer sind wunderbar gepflegt und sauber. Zum Nachtessen und zum Frühstück sitzen alle Gäste am grossen massiven Familientisch. Man wird richtig verwöhnt mit wunderbarem Essen. Einmal mit einem saftigen Rindsfilet, am zweiten Abend mit Bergforelle. Zum Frühstück gibt’s verschiedene Früchte, Käse und die herrlich duftenden panamaischen „hogaldres“. Dieses fritierte Weizenbrot schmeckt frisch aus der Pfanne einfach wunderbar. Die vielen Kalorien wandern wir dann einfach weg auf den gut markierten Wanderwegen inmitten unberührter Bergnatur. Also, wenn Ihr mal nach Panama reist: Die Finca La Suiza ist ein Muss!  > www.fincalasuizapanama.com

Watertaxi = Speedtaxi

Nach den zwei erholsamen Tagen bei Monika, verlassen wir den Frühling wieder und steigen in den überfüllten Kleinbus. Der bringt uns in in knapp drei Stunden zurück in die Tropen, mit Regenwald und Feuchtigkeit. Wir steigen in Almirante um aufs Wassertaxi. Mit 50 kmh speeden wir übers flache Wasser zurück nach Bocas del Toro und zurück auf die Riocaja, die uns schon sehnsüchtig erwartet.

Mit Segeln ist vorerst auch noch nichts, es regnet mal wieder. Wir kaufen ein, machen es uns abends gemütlich und spielen mit unseren belgischen Freunden Philippe und Diana Brändy Dog, oder wir machen zu dritt den Coiffeur-Jass.

Red Frog Bay

Am 5. Februar stimmt dann das Wetter. Wir segeln los. Und schon nach eineinhalb Stunden fällt der Anker in der Red Frog Bay auf der Insel Bastimentos. Ein Zehn-Minuten Walk und schon sind wir an einem klassisch schönen Karibik-Strand mit goldgelbem Sand und schöner Brandung. Und einer gemütlichen Beach-Bar. Im Dschungel heulen einige Brüll-Affen. Die kleinen Red Frogs, die es nur hier gibt, bekommen wir leider nicht zu Gesicht. Hier gibt’s keine Autos, nur Elektro-Golf Caddies für die Gäste des Luxus-Eco-Resorts, das gut versteckt im Dschungel liegt.

Am nächsten Morgen kurz vor sieben Uhr gibt’s den schönsten Sonnenaufgang, seit wir unterwegs sind. Endlich wieder mal “Another Day in Paradise“.

Dolphin Bay

Der nächste Halt heisst Dolphin Bay. Das schaffen wir in knapp vier Stunden. Nach 17 Uhr merken wir, dass diese Bucht ihren Namen zurecht bekommen hat. Eine Schar Delfine tummelt sich während gut zwei Stunden in der Bucht. Sie gehen ganz ruhig und geschmeidig auf Fischfang.

Wandernde Palmen auf der Chocolate Farm

Am nächsten Morgen sind die Delfine schon wieder da. Wir lassen sie in Ruhe fischen und machen einen Besuch in der Chocolate Farm von Julie und Robert ( > www.greenacreschocolatefarm.com).

Der deutschstämmige Amerikaner Robert macht eine lehrreiche Führung durch sein „Eco-Rainforest-Resort“. Die vielen Kakaobäume gedeihen nämlich nur im Schatten der grossen tropischen Bäume. Er erklärt uns jeden einzelnen Baum. Zwei Highlights: Die wandernde Palme schafft dabei bis zu 30cm im Jahr, und zwar genau in die Richtung, wo sie freien Platz hat. Und wir essen echte Termiten. Sie schmecken wirklich gut.

In einem kleinen Nebenhaus produziert er mit einfachsten Mitteln und Maschinen hochwertige 100% Naturschokolade. Diese wird von befreundeten Kleinbetrieben weiterverarbeitet zu köstlichen Delikatessen, aber auch für den kosmetischen Einsatz. Schoggi gibt eine feine glatte Haut. Roberts Partnerin Julie ist das lebende Beispiel dafür.

Apropos Wald und Regen. Darum ist es ja in Panama so üppig grün. Die nächsten zwei Tage schüttet es fast ununterbrochen wie aus Kübeln. Wir „geniessen“ dieses Wetter unter unserem grossen Regenzeltdach, vertreiben uns die Zeit mit Jassen und Spielen. Und wir schauen fasziniert den Delfinen zu.

Pizza im Regenwald – von einem Österreicher

Als die Sonne wieder scheint, fahren wir eine Bucht weiter. Dort erwartet uns ein weiteres Highlight mitten in der einsamen Wildnis. Schön versteckt in der geschützten Bucht Rana Azul hat der österreichische Segler Josef ein einfaches Restaurant mit zwei Pizza-Steinöfen erstellt, mitsamt einem weitläufigen Palmengarten drumherum. Er hat nur zwei Tage offen, am Freitag und Sonntag. Das hat sich herumgesprochen und so ist Josefs Beiz zum beliebten Treffpunkt der Segler und der vielen Expats geworden, die sich hier angesiedelt haben, hauptsächlich Amerikaner und Kanadier.

Wir geniessen die tolle Atmosphäre, inklusiv Musik und Tanz, gleich zweimal. Am Freitag mit einer riesigen Pizza, und am Sonntag mit einer saftigen Filet-Steak-Platte.

Barracuda

Am Samstag machen wir noch einen Abstecher in die Crawl Cay Bay, ankern über türkisfarbenem Wasser, und wir sehen vom Pfahlbau Beach Restaurant aus einen grossen Barracuda vorbeischwimmen.

Hasta Luego Dario!

Montag, 14. Februar. Wir kehren zurück zur Marina Carenero, unterwegs machen wir noch einen kurzen Badestopp, springen ins warme aber trotzdem erfrischende Nass, denn an Deck haben wir sicher tropische 35 Grad im Schatten.

Wir laden Dario zum Abschiedsessen ein. Im stimmungsvollen Pfahlbau-Restaurant Bibi’s verspeisen wir drei gemeinsam einen grossen prächtigen Red Snapper-Fisch.

Am Mittwoch, 17.Februar, begleiten wir Dario zum kleinen “International Airport Bocas“. Bye bye, lieber Möd – vielen Dank für die schöne Zeit mit Dir. Und alles Gute für deinen neuen Job, den du am 1. März in Angriff nimmst.
Wir bleiben ziemlich traurig zurück, denn jetzt beginnt für uns eine eher „harte“ Zeit. Wir müssen die Riocaja schon wieder aus dem Wasser nehmen und dem Ruderschaden auf den Grund gehen.

Am 18. Februar segeln wir zur Bocas Boatyard Almirante. Das Schiff wird mit dem 60-Tonnen Travellift sorgfältig hochgehoben und an Land aufgebockt.

Die Analyse des Bootsingenieurs
Am 19. und 20. Februar kommt ein erfahrener Bootsingenieur. Frank Crane wohnt in Panama und nimmt sich extra Zeit für uns. Er hat seine Firma in den USA eben grad verkauft und arbeitet nur noch „zum Plausch“. Er inspiziert unser Problem genau (ständige Geräusche vom Ruder und zwei Wasserlecks im Skeg/Ruderbereich). Seine Diagnose: Das Ruder ist „schief“ , dh um einige wenige mm nicht achsgenau montiert, und drückt daher auf die Lager. Daher der Lärm. Und das Wasser drückt in die Ruderröhre und verursacht die zwei Lecks. Die Hülle aussen ist ok und der Skeg stabil. Es hat dort keinerlei Risse.

Das Gute: Der Schaden ist reparierbar. Zeitaufwand ca. 10 Arbeitstage. Die meisten Ersatzteile sind in Panama erhältlich. Und die Werft hier hat auch das Knowhow, um die Reparatur auszuführen.

Ein weiterer Schaden betrifft den Kielbereich, aber auch dieser ist gut reparierbar. Dazu haben wir selbst noch eine recht lange ToDo-Liste mit kleineren und grösseren Arbeiten.

Unsere Erfahrung in Sachen Reparaturen ist inzwischen recht gross, und so wissen wir, dass diese 10 Tage nicht realistisch sind. Wir rechnen mit drei bis vier Wochen.

Die erste Woche geht schon vorbei mit der Vorbereitung aller Arbeiten und der Auflistung und Bestellung aller Ersatzteile und Materialien. Das Ruder geht zur „Begradigung“ nach David in eine Spezialwerkstatt, die das lasergenau ausführen kann.

Die unsichtbaren Plaggeister

Das Leben auf Land in der Werft ist nicht sehr komfortabel. Aber es wäre gut auszuhalten, wenn da nicht die Chitras wären. Diese mikroskopisch kleinen Moskitos überfallen uns zigtausendfach,speziell am Morgen und in der Abenddämmerung. Sie sind fast unsichtbar und stechen zwar nicht richtig, aber es juckt einem überall am Körper wie wahnsinnig.

Wir könnten in ein kleines Hotel ausweichen. Aber abgesehen von den Kosten hats dort laute Klimaanlagen, die uns auch krank machen.

Segel-Urlaub bei Philippe und Diana

Für ein paar Tage können wir dem ausweichen: Wir dürfen zu Philippe und Diana auf ihre schöne Amel-Yacht. Da geniessen wir fünf wunderbare Tage, übernachten in verschiedenen Buchten. Wir werden von Diana göttlich gut bekocht. Speziell mit dem Vlaamse Stoofvlees – das flämische Nationalgericht schmeckt wunderbar. Es ist Geschnetzeltes Rindfleisch in belgischer Dunkelbiersauce, dazu gibts kleine feine Bratkartoffeln.

The Gap

Ein spezielles Highlight ist „The Gap“, ein enger Kanal zwischen unzähligen Mangroveninseln hindurch. Den geniessen wir bei schönstem Sonnenschein. Geführt werden wir von Otto auf seiner Yacht „Eisbär“. Er hat diese heikle Passage bereits einmal gesegelt. Und am Sonntag gehen wir zusammen mit Otto und mit den Urbayern Reinhard und Silvia (Yacht „Black Elise II“), wieder zu Josef zum Pizzaessen und zum gemütlichen Trinken und Plaudern.

Am Montag, den 1.März sind wir wieder zurück auf der Werft. Jetzt geht es los mit den vielen Reparaturarbeiten. Drückt uns die Daumen, dass alles klappt.