09.10.16 – 22.10.16  Marina Carenero – Starfish Bay – Crawl Cay Bay – Rana Azul – Red Frog Bay – Marina Carenero

Am 9. Oktober sind wir zurück in Bocas. Auf unserem Schiff ist soweit alles ok. Aber es gibt trotzdem einiges zu tun, um es möglichst schnell startklar zu machen. Denn bereits am 11. Oktober kommen unsere Freunde Monika und Markus zu Besuch. Sie helfen bei der Putzete als «Matrosen» gleich tatkräftig mit.

Am 14.Oktober heisst es dann für unsere Riocaja endlich wieder «Leinen los» – unsere letzte Segelfahrt (mit kaputten Motor) liegt mehr als vier Monate zurück!

Monika ist zum ersten Mal auf einem Segelboot und hat sich mit Stugeron gut darauf vorbereitet.  Da die Gewässer bei den Bocas Inseln gut geschützt sind, gibt es hier garantiert keine hohen Wellen. So gelingt ihr der Einstieg ins Segeln problemlos.  Bald kommt Wind auf. Wir hissen die weissen Segel und gleiten wunderbar dahin durchs flache Wasser. Wir geniessen das gute Wetter. Monika und Markus sind  abwechslungsweise am Steuer. Das geht tipptopp und wir machen gleich einige Wenden. Nach gut drei Stunden erreichen wir unser Ziel, die Starfish Bay. Der Anker fällt im kristallklaren Wasser. Vom Ufer her klingt karibische Musik zu uns. Wir schwimmen an Land und geniessen das echte «Karibik-Feeling» mit RumDrink und Caipi bei Marcus´ selbstgezimmerter Beachbar.

Wir werden mutiger und wagen uns tags darauf hinaus in die hohe See, die sich aber von ihrer guten Seite zeigt und uns mit nicht allzu hohen Wellen begrüsst. Der Wind kommt raumschots (dh seitlich von hinten.  So segeln wir nur mit der grossen Genua (Vorsegel, ca. 50m2) und speeden mit 6 – 7 Knoten (11 – 14kmh)  der Insel Bastimentos entlang.  Unser Ziel heisst Zapatilla, eine kleine wilde unbewohnte Koralleninsel. Monika ist es doch etwas mulmig geworden und der Ankerplatz ist eindeutig zu unruhig. So segeln wir kurzerhand weiter und steuern wieder eine gut geschützte Bucht an. Nach mehr als vier Stunden fällt der Anker bei Crawl Cay. Mit dem Beiboot, dem «Dinghy», setzen wir über zum Apéro im schönen BeachBarRestaurant, gebaut auf Pfählen über Türkiswasser. Zurück müssen wir rudern, denn der Aussenborder stellt im Leerlauf einfach ab. Da tut sich doch nicht etwa eine neue «Baustelle» auf? Auf der Riocaja kochen Doris und Monika ein Superdinner mit Thunfischfilets und Gemüseratatouille. Merci villmool – das war Spitze! Bei Fast-Vollmond quatschen und spielen wir uns mit «Brändi Dog» gemütlich in die helle Nacht hinein.

Tags darauf ist das Wetter ziemlich mies. Doch vorerst regnets noch nicht.  Und beim Ankerhochholen lernt Chef-Matrose Markus auch die Drecksarbeit auf einem Segelschiff kennen. Die Kette ist mit Schlamm behaftet. Sie muss Meter für Meter geputzt werden. So dauert das Manöver gute zwanzig Minuten, ehe wir losfahren können. Ohne Wind und bei schlechter Sicht müssen wir durch das «riffverseuchte» Gebiet motoren. Dank den GPS-Waypoints gelingt das tipptopp. Schon nach knapp zwei Stunden sind wir am Ziel in der Poras Bay. Mit dem Dinghy rudern wir zum  versteckt gelegenen Restaurant Rana Azul des Österreichers Josef. Dort , mitten in der Wildnis, herrscht schon Grossbetrieb und rege Stimmung. Hier treffen sich jeden Sonntag viele Segler und Expats. Wir finden noch einen freien Tisch, bestellen zwei riesige Pizzas und eine grosse Filetsteakplatte für zwei Personen. Alles schmeckt wunderbar. Mittlerweile regnet es in Strömen. Wir tauschen uns aus mit anderen Seglern und warten ab, bis wir bei einer Regenpause zurückrudern. Abends können wir endlich Jassen, Doris’ liebstem Spiel. Freundschaftlich gibt es je einen Triumph für Mo/Ha und Do/Ma.

Montag, der 17. Oktober, ist bereits der vorletzte Segeltag für Monika und Markus. Wir hoffen auf besseres Wetter, aber dem ist leider nicht so. Wieder gibt es Ankerkette-Drecksarbeit, ehe wir losfahren. Wir machen einen Zwischenstopp in der Dolphin Bay,  kommen aber bereits zu spät für eine Führung durch die Chocolate Farm. So fahren wir weiter. Können aber die Segel nur für eine gute Stunde setzen. Wir steuern die völlig einsame Mangrovenbucht Pigeon Creek an. Das ist Natur pur! Leider hält hier der Anker überhaupt nicht. Nach viermaligem Versuch geben wir auf. Es ist schon nach vier Uhr, wir müssen uns beeilen. Denn das neue Ziel heisst Red Frog Bay. Wir schaffen es mit Motorkraft in eineinhalb Stunden und ankern  (zwei Versuche) noch vor dem Eindunkeln in der schönen grossen Bucht. Den Sprung ins Meer traut sich keiner zu, es wimmelt von Quallen. Dafür kreist in der Nacht ein Katzenhai um unser Schiff herum. Markus brät uns wunderbare Hackis/Frikadellen mit Kartoffeln und Ratatouille. Merci villmool.

Der letzte Tag bricht an. Vor der Heimkehr in die Marina möchten wir noch einen Zwischenstopp im Blue Coconut Restaurant machen. Da Restaurants in der Seekarte und im Segelführer nicht eingezeichnet sind, stecke ich die Waypoints in einer engen Zufahrt ab,  wo ich das Blue Coconut vermute. Als wir zum Einfahrtswaypoint kommen, sehen wir sofort, dass meine Route nicht die richtige ist. Die ist etwas weiter südlich, aber noch enger zwischen den Riffen hindurch. So entschliessen wir uns zur Umkehr und  steuern den «Heimathafen» an. Doris steuert die Riocaja souverän «wie eine Eins» zwischen den Pfählen durch zum Steg. Wir machen alle Leinen fest und die Riocaja liegt sicher vertäut an ihrem vertrauten Liegeplatz. Wir haben noch Zeit zu einem ausgiebigen Schwumm in der Aqualounge. Dann geniessen wir noch einen letzten gemütlichen Bordabend. Mit Gin&Tonic und Balboa zum Apéro. Mit fantastischem Pasta-Salat mit Hackfleisch, Zwiebeln, Pepis…und…und… Dazu ein feiner Rotwein.

Trotz durchzogenem Wetter haben wir diese gemeinsame Segelwoche voll geniessen können. Merci villmool, Monika und Markus! Es ist ein Markstein für unserer langjährige Freundschaft. Und habt noch eine tolle Urlaubswoche im schönen Relax-Resort an Panamas Pazifikküste!

 

 

Juni (Doris), August (Hans) bis Oktober 2016: Heimaturlaub in der Schweiz

Zurück in der Heimat erleben wir Wunderschönes aber auch Trauriges. Meine Mutter Friedel hatte wohl noch auf meine Rückkehr gewartet. Doris und ich konnten nochmals mit ihr sprechen und Abschied nehmen. Sie durfte ihren jüngsten Urenkel Nico in die Arme nehmen und er zauberte nochmals ein Strahlen in ihr Gesicht. Am 6. September ist Friedel im Alter von 92 Jahren zuhause friedlich eingeschlafen – nach zweieinhalb Jahren liebevoller Pflege durch meine Geschwister, Spitex, Rotkreuz und einer privaten Pflegefrau.

Die Zeit in der Heimat ist ebenso intensiv wie schön. Familie und Freunde machen es uns leicht. Wir fühlen uns sofort wie zu Hause, so als wären wir gar nicht so lange weg gewesen. Dank glücklicher Fügung dürfen wir bei Remo Holzherr in Breitenbach eine schöne Dreizimmerwohnung beziehen und ein E-Auto benützen. Dafür nochmals vielen herzlichen Dank. Doris ist bei «ihrer» Tennisschule Haugraben herzlich willkommen und kann ihrem geliebten Beruf als Tennislehrerin nachgehen. Sie macht mit ihrer Freundin Barbara einige Tage Urlaub in Grindelwald inkl. eine ganztätige Mega-Wanderung rund ums Schwarzhorn. Und mit Freund Hendrik unternimmt Doris eine steile Klettertour in Engelberg. Ich kann mit den SC Binningen Oldies «quatschen» und den Tennisschläger .schwingen. Und mit meinem «Karli none Gool»-Trüppli drei FCB-Spiele besuchen. Wir treffen viele (aber leider längst nicht alle) Freunde und werden kulinarisch richtig verwöhnt. Wir feiern unseren Hochzeitstag mit unseren Kindern und Partnern bei schönstem Wetter im Schloss Bottmingen. Wir feiern die Geburtstage von Doris, Anja und Bianca. Wir verbringen ein grosses Familien-Wochenende mit allen Ramps und Küllings  in der Lenk. Wir sind an der Hochzeit von Doris’ Stiefschwester Nicole eingeladen und beim 50-Jahre Jubiläum des CCS Basel – beide auf dem Rhein.

Das allergrösste Glück ist natürlich unser Grosskind Nico. Endlich dürfen wir es in die Arme nehmen und viele schöne Stunden mit ihm verbringen. Der kleine Nico ist ein richtiger Sonnenschein und der grosse Stolz unserer ganzen Familie.

Es gäbe noch viel mehr zu erzählen. Aber der Abschied rückt näher und er fällt uns gar nicht leicht. So steigen wir am 8.Oktober mit einem lachenden und einem stark tränenden Auge in den Flieger nach Panama. Eines steht fest: Nächstes Jahr während der Hurrikansaison kommen wir wieder auf Heimatbesuch! Oder steuern wir vielleicht schon mit dem Schiff zurück nach Europa? Wer weiss!

5.6. – 8.10.16 Bocas del Toro – Schweiz – Bocas del Toro

Reparaturen = Zwangspause = Sommerpause = Hurrikanpause

Mein Pc ist Anfang Juli ausgestiegen. Deshalb konnte ich meinen Blog im Juli und August nicht weiterführen. Das ist weiter nicht schlimm, denn wir konnten wegen des Andauerns der Reparaturen auch keine Reisen unternehmen. Seit dem 10. August ist die Riocaja endlich wieder voll einsatzbereit. Wir machen aber „Pause“ wegen der Hurrikansaison und nutzen diese Zeit für einen Heimatbesuch zu Familie und Freunden und zu unserem ersten Grosskind Nico. Doris ist seit dem 1. Juni in der Schweiz. Hans ist seit dem 13. August in der Schweiz.

Am 8. Oktober kehren wir zurück nach Bocas del Toro und setzen unsere Reise fort.
Am 12. Oktober kommen unsere Freunde Monika und Markus Mayer zu Besuch.

 

 

 

26.4.16 – 10.6.16 Bocas del Toro – (Providencia) – Bocas del Toro

Zuallererst natürlich das wichtigste Ereignis in unserer Familie !

Nico ist am 23. April zur Welt gekommen, kerngesund und putzmunter. Unsere Tochter Bianca und ihr Partner David sind überglücklich. Und wir sind Grosseltern geworden. Was für ein wunderbares Gefühl! Am 27. April fliegt Doris nach Hause. Sie will ihr Enkelkind in die Arme nehmen. Sie bleibt 14 Tage bei ihren Lieben und kommt am 14. Mai zurück aufs Schiff.

Auf zu neuen Zielen!

Wir sind topmotiviert und voller Tatendrang. Denn nach fünf Monaten in Bocas del Toro möchten wir endlich wieder die Segel setzen und neue Trauminseln entdecken: Providencia, Guanaja, Roatan, Utila, Rio Dulce. Das sind die exotischen Ziele, die wir uns für die nächsten fünf Wochen gesteckt haben, als wir am 21. Mai aufbrechen. Adios Bocas!

Umkehren!

Doch unsere Glücksgefühle halten nicht lange an. Nach 20 Stunden und 100 Seemeilen (185km) Fahrt unter Motor in Richtung Nordnordwest nach Providencia, gegen Wind, Wellen und starke Strömung, stellt unser Motor einfach ab. Wir bringen ihn nicht mehr zum Laufen. Was tun? Providencia liegt noch 30 Stunden voraus und ist unter Segeln gar nicht zu erreichen. Es bleibt uns nichts anderes übrig…..als umzukehren.
Jetzt haben wir die Strömung mit uns und wir speeden mit vollen Segeln schnell über die Wellen. 50 Seemeilen geht das gut. Die halbe Strecke wäre geschafft. Doch dann schläft der Wind praktisch ein und wir kommen nur noch ganz langsam voran. Via Iridium Satphon rufen wir unseren Nachbarn und Freund Philippe an. Er organisiert Hilfe. Und es kommt alles gut.

Abschleppen!

16 Seemeilen vor Bocas kommen uns Philippe und ein Indio mit seinem kleinen offenen Motorboot entgegen und nehmen uns in Schlepp. Zum Glück herrscht ruhiges Wetter und es hat auch keine hohen Wellen. Das Motorboot zieht uns sicher durch die recht enge Einfahrt mit einigen Untiefen und Riffen. So kommen wir knapp drei Stunden später wohlbehalten an unserem „alten“ Liegeplatz in der Marina Carenero bei Bocas an.

Turboschaden!

Mechaniker Jeff kommt und schon nach kurzer Suche entdeckt er den Schaden. Das ganze Turbocharger-System ist total verstopft und verrusst. Es muss komplett ersetzt werden. Wie konnte das passieren? Wir haben den Motor sorgfältig gewartet und gepflegt. Er sieht blitzsauber aus.

Wir erzählen Jeff, dass wir im März, als wir das Rudersystem reparierten, auch den MaxProp Propeller neu eingestellt hatten. Bis dahin hatte der Motor nur bis 2100 Touren gedreht und das Schiff unter Motor maximal 6 Knoten Fahrt gemacht. Warum der Vorbesitzer das so wollte, bleibt ein Rätsel. Es ist aber ganz eindeutig der Grund für den Turboschaden. Er wurde gar nie richtig gebraucht, denn er wirkt erst ab ca. 2500 Touren und bringt dann auch eine Mehrleistung von gut 20PS. So hat sich im Laufe der Jahre die Verstopfung zwangsläufig angebahnt. Wir konnten das neue Gefühl mit der höheren Drehzahl nur noch 20 Stunden „geniessen“, dann war Ende Feuer! Der Motor hätte früher oder später auf jeden Fall abgestellt. So haben wir doch auch wieder etwas Glück im Unglück gehabt. Was wäre passiert, wenn der Motor mitten in einem Riffgebiet abgestorben wäre? Das hätte dramatische Folgen haben können!

Lieferfrist!

Für die Reparatur brauchen wir einen neuen Turbolader plus weitere acht Ersatzteile. In Panama ist da nichts zu holen. Aus den USA dauerts mindestens vier Wochen und der Turbolader ist gar nicht lieferbar (!!). Ich suche im Internet und werde in Deutschland fündig. Die Firma STK Turbotechnik hat den Originalturbolader am Lager und die weiteren Teile organisiert mir der nette Verkäufer auch noch bei Drittfirmen.. Und das ganze ist dann eh noch viel weniger teuer,als aus den USA, inkl. Lieferung. Ich eröffne ein Postfach bei Mailboxes etc. Und so sollte die Ware via Miami nach Bocas kommen. Lieferfrist ca. 15 Tage. Wegen eines fehlenden Teils verzögert sich dann das nochmals um ca. eine Woche. Jetzt ist der 9.Juni und wir hoffen, dass die Ware in den nächsten Tagen eintrifft.

Hurrikan-Saison

Die lange Reparaturzeit haben wir natürlich vorausgesehen. Wir müssen drastisch umplanen. Ende Juni beginnt die Hurrikansaison, die bis Ende Oktober dauert. Diese Zeit wollten wir im Rio Dulce/Guatemala verbringen, einem vor Hurrikans sicheren und wunderschönen Binnenwassergebiet. Im Guatemala-Reiseführer hatten wir schon abwechslungsreiche Touren herausgesucht. Das fällt jetzt flach. Hier in Panama sind wir zwar hurrikansicher, aber wir haben wirklich alles schon gesehen. Inklusiv Costa Rica. Was tun?

Sommerpause

Wir entscheiden uns: Das Schiff bleibt hier in Bocas. Doris fliegt am 31. Mai für viereinhalb Monate zurück in die Schweiz. Ich bleibe hier und schaue zum Schiff und den Reparaturen. Mitte/Ende August komme ich auch noch für ca. 6 Wochen in die Heimat. Im Oktober kehren wir zurück und setzen unsere Segelreise fort. Wohin es uns zieht, das werden wir im Herbst entscheiden.

Damit es mir allein auf dem Schiff nicht allzu langweilig wird, fängt ja jetzt gerade die Fussball-EM an. Da kann ich schon mal einen Monat in die Röhre gucken. In Bocas hats ein schönes gemütliches Pub mit grossen Screens.

Hopp Schwyyz! (Ich melde mich dann wieder, wenn wir Europameister sind….)

3.3. – 30.4.16 Bocas del Toro – Almirante – Bocas del Toro – Costa Rica – Bocas del Toro

Das schönste und wichtigste Ereignis vorweg!

Für alle, die es noch nicht wissen: Wir sind erstmals Grosseltern geworden. Unser Enkelkind Nico kam am 23. April zur Welt. Mutter Bianca und ihr Partner David sind stolz und glücklich über ihren gesunden und munteren Sohn. Damit sie ihr Grosskind selbst geniessen und in die Arme nehmen kann, fliegt Doris vom 27. April bis zum 13. Mai nach Hause.

Der Alltag in den „Ferien“

Das Leben auf dem Segelboot ist nicht einfach Ferien ohne Ende – es ist auch Alltag genau wie zuhause. Wir müssen putzen, einkaufen, reparieren, neue Ausrüstungs- und Ersatzteile beschaffen, uns mit den Immigrations- und Zollbehörden “herumschlagen“ etc. etc. Gerade hier in Panama ist es ganz schwierig, Ersatzteile zu bekommen. Obwohl jedes Jahr zig tausend Schiffe den Panamakanal durchqueren, hat es keinen einzigen grossen Ship-Chandler im ganzen Land! Das heisst, man muss alles in den USA bestellen. Das ist erstens sauteuer und die Lieferzeit beträgt mindestens drei bis vier Wochen. So geschehen bei uns z.B. mit einer neuen Toilette. Da wir eh wochenlang auf der Werft lagen, war die Lieferfrist kein Problem. Der Einbau ist auch kein grosses Problem. Die Montageschrauben am Boden passen genau in die vorhandenen Bohrlöcher. Aber als wir die zwei Schläuche für Zu- und Abwasser andocken wollen, passen beide….natürlich nicht. So heisst es, entweder passende Adapterstücke aus Kunststoff oder Messing zu finden oder neue passende Schlauchrohre zu beschaffen. Wir wandern von Ferreteria zu Ferreteria, in drei Städten. Aber nirgendwo gibt’s das eine und auch nicht das andere. Was jetzt? Zum Glück fliegt Doris am 27. April für 14 Tage in die Schweiz. Da kann sie die Adapterstücke (hoffentlich) beschaffen. So wird aus einer relativ einfachen Sache ein kleines Abenteuer für sich.

Die grosse lange Reparatur

Eine ganz harte Zeit machen wir vom 26.2. bis zum 22.3. auf der Werft in Almirante durch. Sie liegt total in der Mangrovenpampa. Das Dorf liegt zehn Motorbootminuten entfernt. Die mikroskopisch kleinen Chitras plagen uns jeden Morgen und Abend. Und die Reparaturarbeiten gehen nur langsam voran. Unser amerikanischer Ingenieur sagte bei der Auftragsbesprechung mit dem Werftmanager, dass die Arbeiten in 8 -10 Tagen ausgeführt werden können. Daraus wurden dann beinahe fünf Wochen. Aber wir waren darauf vorbereitet und machten uns keine falschen Hoffnungen. Hier geht die Arbeit nach Panamazeit voran, mit viel Warten und den Werftarbeitern hinterherrennen etc. Zum Glück kam uns unser Freund und Bootsbaumeister Holger aus Deutschland zu Hilfe. Er hat dann die meisten Arbeiten ausgeführt. Und die Antifoulingfarbe gegen den Muschel- und Algenbewuchs haben wir schliesslich auch selbst aufgetragen. Genauso wie die Politur, die unsere Riocaja wieder wie neu samtmattglänzend aussehen lässt.

Ende gut – fast alles gut!

Endlich sind wir fertig. Der Ruderschaft ist abgedichtet mit Epoxy. Kein Tropfen Wasser dringt mehr ein. Das riesige Ruder passt millimetergenau, dank einem neuen Lager gibt’s keine Rumpelgeräusche mehr. Der Skegbereich um den Ruderschaft wurde aussen und innen mit mehreren Glasfaserlagen verstärkt, ebenso der Kiel im vorderen Bereich. Der Rumpf der Riocaja ist damit stärker denn je.

Vorwärts? Rückwärts!

Wir lassen das Schiff ins Wasser absenken, prüfen die Dichtigkeit. Drehen am Ruder. Alles picobello! Die Traggurte werden gelöst. Wir können losfahren. Doris legt den Vorwärtsgang ein…und….das Schiff fährt rückwärts!! Doris reagiert blitzschnell und stoppt das Schiff sofort ab. Sonst wären wir in den Betonsteg gefahren.

Was ist passiert? Die Riocaja hat einen Max-Prop. Das ist ein sogenannter Verstell-Propeller. Der optimiert (bei richtiger Einstellung) den Wirkungsgrad der drei Flügel für die Vorwärts- und die Rückwärtsfahrt. Und beim Segeln in der Neutral-Stellung (Leerlauf) bieten diese keinen Widerstand gegen die Wasserdruck. Das bringt ein Plus an Geschwindigkeit (Im Seglerdeutsch heisst das „Fahrt durchs Wasser“) von etwa einem halben Knoten (je nach Windstärke etwa + 7 bis 10 Prozent).

Weil der Motor in Fahrt nur bis ca. 2100 Touren pro Minute und 6 Knoten Tempo kam, waren wohl die Flügel des Max-Prop falsch eingestellt. Ein Mechaniker kam und hat das korrigiert. Entsprechend der Tabelle auf der Bedienungsanleitung für (im Vorwärtsgang) Motoren mit rechtsdrehender Kurbelwelle. Dies hatte der Mech gar nicht geprüft, weil praktisch alle Segelyachten so ausgestattet sind. Unser Schiff ist aber eines der seltenen Exemplare mit linksdrehender Welle!

So heisst es also: Schiff wieder angurten, hochheben und einige Meter zurückfahren, bis der Propeller über festem Grund ist. Mechaniker Richard kommt mit seinem Motorboot angedüst, stellt die Flügel auf linksdrehend um, und nach einer guten Stunde sind wir zurück im Wasser. Und Vorwärts ist wieder Vorwärts. Wir verholen uns zu einer Ankerboje direkt vor der Marina. Die Testfahrt muss bis morgen warten.

Wir sind natürlich sehr gespannt auf die Leistungssteigerung unseres Motors. Und das Resultat ist sensationell: Der Motor dreht bis über 3500 Touren und wir speeden mit fast 8 Knoten Fahrt durchs Wasser! In der sogenannten Marschfahrt, (wirtschaftslichste Dauerfahrt ) bei 2800 – 3000 Touren sind es beachtliche 7 – 7,5 Knoten. Das ist eine Leistungsoptimierung von 15 – 20 Prozent. Notabene bei einer Korrektur des Stellwinkels von nur 2°. Fast ebenso wichtig: Der Schub bei Vor- und Rückwärtsfahrt ist ebenfalls markant direkter und besser wie vorher. Wir sind begeistert! So macht das Manövrieren unter Motor wieder richtig Spass.

Die Riocaja ist bereit – wir aber gar nicht

Die Riocaja ist jetzt wieder voll fahrtüchtig und eigentlich bereit für die nächste grössere Reise. Die muss aber warten, denn Doris fliegt ja zur Geburt unseres Enkelkinds nach Hause (27.4. – 13.5.).

So machen wir erst kleine Ausfahrten mit Holger, der noch einige Tage bei uns bleibt.

Es kommt aber keine Freude auf. Wir sind gar nicht gut drauf! Auch als uns Holger verlassen hat, wird es nicht besser. Im Gegenteil. Die harte Zeit in der Werft hat ihre Spuren hinterlassen. Den Spannungen und Missstimmungen auf dem kleinen Schiff kann man nicht einfach entfliehen. Wir sitzen ja mittlerweile fast zwei Jahre ununterbrochen „aufeinander“. Und wir sitzen jetzt schon fünf Monate in Bocas del Toro fest. Wir stecken in einer Sackgasse. Das macht alles nur noch schwieriger. Nach zermürbenden Disputen finden wir uns wieder. Auch mit Hilfe unserer Kinder. Wir halten Friedensrat und beschliessen, dass wir sofort Ferien benötigen – eine Auszeit von unserem engen Seglerleben. Ferien vom Alltag.

Ferien vom Segelalltag

So planen wir kurzerhand eine Reise ins Nachbarland Costa Rica. Unsere Riocaja liegt wohlbehütet in der Marina Carenero. Seglerfreunde empfehlen uns ein schönes Hotel. So fahren wir am 8. April mit dem Wassertaxi nach Almirante, weiter mit dem Minivantaxi bis zur Grenze bei Sixaola. Dann mit dem öffentlichen Bus bis San Jose, umsteigen nach Cartago, nochmals umsteigen bis Orosi. Nach gut elf Stunden sind wir am Ziel. Wir sind in einer wunderschönen Lodge (www.orosilodge.com) in einem wunderschönen Tal. Die ganze Last fällt von uns ab.

In der von einem deutschen Paar geführten Lodge schnappen wir uns in der Bibliothek einen deutschen Reiseführer und lassen uns auch von Hotelmanager Sebastian beraten. Wir sprechen mit anderen Hotelgästen aus der Schweiz und Deutschland. So entsteht innert zwei Tagen aus unserem Adhoc-Trip eine schöne und spannende 13-Tage-Reise durch Costa Rica.

13 Tage Costa Rica

Ja, von dieser Reise könnten wir stundenlang berichten. Aber ich möchte mich möglichst kurz halten und das Geschehene im Zeitraffer vorüberziehen lassen:

Mietwagen gebucht, 1600 Kilometer stressfrei abgespult, zumeist bei wenig Verkehr, vielfach auf unwegsamen steinigen Feldstrassen (ein 4×4 wäre die bessere Wahl gewesen). Aber immer angekommen, auch Flussdurchquerungen haben wir geschafft. Mehrere Nationalparks besucht. Einer so schön wie der andere. Vulkan-Tour auf 3500 müM. Mountain Bike Tour. Botanischer Garten mit tausend Orchideen. Birdwatching am frühen Morgen. Den seltenen Quetzal gesehen mit seinem langen Federschwanz. Die grossen blau roten Ara Papageien. Grossschnabelige Tukans, viele weitere Vögel (die Lieblingsmotive von Fotografin Doris). Spider-Monkeys, die wohl gelenkigsten Affen der Welt, turnen in den Bäumen herum. Eine Familiengruppe Kuatis (ähnlich einem Ameisenbär, aber zählt zu den Primaten) wühlt nach Krebsen, ihrer bevorzugten Nahrung. Riesige Krokodile. Kleine Kaimane, Leguane. Schlangen. Winzige Frösche (inkl. giftiger Red Frog) Schmetterlinge in allen Farben. Mit dem Sesselilift (Air-Tram) durch und über den Baumwipfeln des Regenwalds. Zip-Lining. Die längste Line war 1000 Meter. Senkrechtes Abseilen (80 Meter) neben einem Wasserfall. Und wieder hochsteigen an einer Himmelsleiter. Fantastisches River-Rafting im Rio Balsa. Ritt auf einem Wildwestpferd. Erdbeeren pflücken auf 2600müM. Indio Siedlungs-Ruinen im Dschungel…

PURA VIDA!

Costa Rica heisst ja auch die Schweiz Südamerikas. Das trifft in manchen Punkten wirklich zu. Das Land ist sehr sauber (Abfalltrennung), vielseitig und abwechslungsreich (Karibik, Pazifik, Regenwald, frühlingshaftesBergklima, gewisse Berg/Hügel-Landschaften sehen voralpmässig aus) und touristisch sehr gut entwickelt ( inkl. viele schöne und teure Eco-Lodges und Resorts), aber alles ist auch sehr teuer. Viel teurer wie in den den Nachbarländern (das kennen wir doch…?)

Aber: Es ist einfach atemberaubend und begeisternd. Natur pur. Getreu dem Landes- und Lebensmotto PURA VIDA.

NICO ist da!

Uns hat diese Reise quasi „gerettet“. Wir kehren voller Freude und Tatendrang auf die Riocaja zurück. Feiern Wiedersehen mit unseren belgischen Segelfreunden und Nachbarn in der Marina.

Unser nächstes Highlight steht kurz bevor: Am 23. April bringt unsere Tochter Bianca Nico zur Welt. Omi und Opi – was für ein schönes Gefühl! Grossmutter Doris steigt in den nächsten Flieger. Sie will ihren Enkel unbedingt in die Arme nehmen. Ich bleibe zurück, aber dank Intgernet und Whats App kann ich am grossen Glück auch teilhaben. Und im Sommer, während der Hurrikan-Saison, kommen wir dann gemeinsam auf Heimaturlaub.

Wie weiter?

Nach der Rückkehr von Doris (13.5.) wollen wir dann endlich wieder die Segel hissen und nordwärts reisen. Erstes Ziel wird die schöne kleine Insel Providencia sein. Es wird unsere erste grössere Reise nach fast einem halben Jahr Aufenthalt in Panama.