18.1.16 – 2.3.16 Bocas del Toro – Panama City – Volcàn/Cerro Punta – Finca La Suiza – Bocas del Toro – Red Frog Bay – Dolphin Bay – Porras Lagoon – Bocas del Toro – Almirante

Probleme? Probleme!

18.1.16. Der Besuch von Bianca und David, das waren für uns auch wunderbare Ferien. Wir konnten es in vollen Zügen geniessen. Aber jetzt ist wieder Alltag auf der Riocaja. Wir besprechen und begutachten die Probleme mit dem Ruder mit zwei erfahrenen Langzeit-Seglern, Philippe und Bryan. Beide raten uns dringend ab, mit dem Leck und dem unsichtbaren, aber gut hörbaren Ruderschaden weiterzusegeln. In schwerer See könnte das fatale Folgen haben. So entscheiden wir uns, weiter in Panama zu bleiben, und den Schaden in der nahe gelegenen Werft bei Almirante zu prüfen und zu beheben. Doch darüber berichte ich weiter unten in diesem Blog.

Ferien? Ferien!

Denn vorher machen wir gleich nochmals Urlaub! Sohn Dario kommt für drei Wochen zu Besuch. Am 26. Januar fliegen wir ihm nach Panama City entgegen, empfangen und umarmen ihn kurz nach Mitternacht im Hotel Hilton GardenInn. Wir verbringen zuerst zwei Tage in der City, besuchen die Ruinen von Panama Viejo, die Miraflores-Schleuse, die Altstadt und den Fischerhafen.

Klimawandel im Stundentakt

Dann steigen wir in den auf gefühlte 3 Grad gekühlten Nachtbus und düsen auf der Panamericana nach David. Wir steigen aus um 04 Uhr 30, bei tropisch-feuchten 28 Grad. Von dort geht’s gleich weiter mit dem nächsten Kühlschrankbus in die Berge. Kurz vor Sieben Uhr erreichen wir Cerro Punta auf 1600 Metern Höhe. Da laufen die Leute mit Schal, Pullover und Jacke herum. Es ist so frisch wie bei uns in der Schweiz. Als die Sonne kommt, wird es dann ein angenehmer Frühlingstag. Aber den Pullover ziehen wir nicht ab. Wir bestaunen und bewandern die fruchtbare Natur im ewigen Frühling der Panama-Berge. Hier werden sämtliche Gemüse angepflanzt, aber auch tropische Fruchtbäume gedeihen prächtig. Genauso hochwertiger Panama-Kaffee. Die Kühe weiden im saftiggrünen Gras. Es hat Bergflüsse mit kristallklarem Wasser.

Rennpferde aus Panama

Mitten in dieser Hochebene steht ein riesiges Pferdegestüt. Die hier gezüchteten Pferde zählen zu den besten Rennpferden, die für teures Geld nach Amerika verkauft werden und dort auf den Turfs für Furore sorgen. Leider können wir keine geführte Tour machen, weil die heutige Führung gerade eben vorbei ist.

Wir übernachten in einem kleinen Hotel, mit liebenswerten Gastgebern. Sie sprechen zwar kein einziges Wort Englisch, aber sie kochen für uns ein einfaches schmackhaftes Menü und am Morgen ein sehr gutes Frühstück, natürlich mit frischem Fruchtsaft.

Finca La Suiza!

Dann geht’s wieder mit dem öffentlichen Bus via David in die Berge zur kontinentalen Wasserscheide Atlantik/Pazifik. Wir besuchen für zwei Tage nochmals die herrliche Finca La Suiza auf 1300 müM, mit tollem Panorama-Blick in die Berge und bis zum Pazifik. Wir werden von Gastgeberin Monika herzlich begrüsst. Sie hat hier mit ihrem (leider verstorbenen) Mann ein einzigartiges Wandergebiet erschlossen. Die drei Gästezimmer sind wunderbar gepflegt und sauber. Zum Nachtessen und zum Frühstück sitzen alle Gäste am grossen massiven Familientisch. Man wird richtig verwöhnt mit wunderbarem Essen. Einmal mit einem saftigen Rindsfilet, am zweiten Abend mit Bergforelle. Zum Frühstück gibt’s verschiedene Früchte, Käse und die herrlich duftenden panamaischen „hogaldres“. Dieses fritierte Weizenbrot schmeckt frisch aus der Pfanne einfach wunderbar. Die vielen Kalorien wandern wir dann einfach weg auf den gut markierten Wanderwegen inmitten unberührter Bergnatur. Also, wenn Ihr mal nach Panama reist: Die Finca La Suiza ist ein Muss!  > www.fincalasuizapanama.com

Watertaxi = Speedtaxi

Nach den zwei erholsamen Tagen bei Monika, verlassen wir den Frühling wieder und steigen in den überfüllten Kleinbus. Der bringt uns in in knapp drei Stunden zurück in die Tropen, mit Regenwald und Feuchtigkeit. Wir steigen in Almirante um aufs Wassertaxi. Mit 50 kmh speeden wir übers flache Wasser zurück nach Bocas del Toro und zurück auf die Riocaja, die uns schon sehnsüchtig erwartet.

Mit Segeln ist vorerst auch noch nichts, es regnet mal wieder. Wir kaufen ein, machen es uns abends gemütlich und spielen mit unseren belgischen Freunden Philippe und Diana Brändy Dog, oder wir machen zu dritt den Coiffeur-Jass.

Red Frog Bay

Am 5. Februar stimmt dann das Wetter. Wir segeln los. Und schon nach eineinhalb Stunden fällt der Anker in der Red Frog Bay auf der Insel Bastimentos. Ein Zehn-Minuten Walk und schon sind wir an einem klassisch schönen Karibik-Strand mit goldgelbem Sand und schöner Brandung. Und einer gemütlichen Beach-Bar. Im Dschungel heulen einige Brüll-Affen. Die kleinen Red Frogs, die es nur hier gibt, bekommen wir leider nicht zu Gesicht. Hier gibt’s keine Autos, nur Elektro-Golf Caddies für die Gäste des Luxus-Eco-Resorts, das gut versteckt im Dschungel liegt.

Am nächsten Morgen kurz vor sieben Uhr gibt’s den schönsten Sonnenaufgang, seit wir unterwegs sind. Endlich wieder mal “Another Day in Paradise“.

Dolphin Bay

Der nächste Halt heisst Dolphin Bay. Das schaffen wir in knapp vier Stunden. Nach 17 Uhr merken wir, dass diese Bucht ihren Namen zurecht bekommen hat. Eine Schar Delfine tummelt sich während gut zwei Stunden in der Bucht. Sie gehen ganz ruhig und geschmeidig auf Fischfang.

Wandernde Palmen auf der Chocolate Farm

Am nächsten Morgen sind die Delfine schon wieder da. Wir lassen sie in Ruhe fischen und machen einen Besuch in der Chocolate Farm von Julie und Robert ( > www.greenacreschocolatefarm.com).

Der deutschstämmige Amerikaner Robert macht eine lehrreiche Führung durch sein „Eco-Rainforest-Resort“. Die vielen Kakaobäume gedeihen nämlich nur im Schatten der grossen tropischen Bäume. Er erklärt uns jeden einzelnen Baum. Zwei Highlights: Die wandernde Palme schafft dabei bis zu 30cm im Jahr, und zwar genau in die Richtung, wo sie freien Platz hat. Und wir essen echte Termiten. Sie schmecken wirklich gut.

In einem kleinen Nebenhaus produziert er mit einfachsten Mitteln und Maschinen hochwertige 100% Naturschokolade. Diese wird von befreundeten Kleinbetrieben weiterverarbeitet zu köstlichen Delikatessen, aber auch für den kosmetischen Einsatz. Schoggi gibt eine feine glatte Haut. Roberts Partnerin Julie ist das lebende Beispiel dafür.

Apropos Wald und Regen. Darum ist es ja in Panama so üppig grün. Die nächsten zwei Tage schüttet es fast ununterbrochen wie aus Kübeln. Wir „geniessen“ dieses Wetter unter unserem grossen Regenzeltdach, vertreiben uns die Zeit mit Jassen und Spielen. Und wir schauen fasziniert den Delfinen zu.

Pizza im Regenwald – von einem Österreicher

Als die Sonne wieder scheint, fahren wir eine Bucht weiter. Dort erwartet uns ein weiteres Highlight mitten in der einsamen Wildnis. Schön versteckt in der geschützten Bucht Rana Azul hat der österreichische Segler Josef ein einfaches Restaurant mit zwei Pizza-Steinöfen erstellt, mitsamt einem weitläufigen Palmengarten drumherum. Er hat nur zwei Tage offen, am Freitag und Sonntag. Das hat sich herumgesprochen und so ist Josefs Beiz zum beliebten Treffpunkt der Segler und der vielen Expats geworden, die sich hier angesiedelt haben, hauptsächlich Amerikaner und Kanadier.

Wir geniessen die tolle Atmosphäre, inklusiv Musik und Tanz, gleich zweimal. Am Freitag mit einer riesigen Pizza, und am Sonntag mit einer saftigen Filet-Steak-Platte.

Barracuda

Am Samstag machen wir noch einen Abstecher in die Crawl Cay Bay, ankern über türkisfarbenem Wasser, und wir sehen vom Pfahlbau Beach Restaurant aus einen grossen Barracuda vorbeischwimmen.

Hasta Luego Dario!

Montag, 14. Februar. Wir kehren zurück zur Marina Carenero, unterwegs machen wir noch einen kurzen Badestopp, springen ins warme aber trotzdem erfrischende Nass, denn an Deck haben wir sicher tropische 35 Grad im Schatten.

Wir laden Dario zum Abschiedsessen ein. Im stimmungsvollen Pfahlbau-Restaurant Bibi’s verspeisen wir drei gemeinsam einen grossen prächtigen Red Snapper-Fisch.

Am Mittwoch, 17.Februar, begleiten wir Dario zum kleinen “International Airport Bocas“. Bye bye, lieber Möd – vielen Dank für die schöne Zeit mit Dir. Und alles Gute für deinen neuen Job, den du am 1. März in Angriff nimmst.
Wir bleiben ziemlich traurig zurück, denn jetzt beginnt für uns eine eher „harte“ Zeit. Wir müssen die Riocaja schon wieder aus dem Wasser nehmen und dem Ruderschaden auf den Grund gehen.

Am 18. Februar segeln wir zur Bocas Boatyard Almirante. Das Schiff wird mit dem 60-Tonnen Travellift sorgfältig hochgehoben und an Land aufgebockt.

Die Analyse des Bootsingenieurs
Am 19. und 20. Februar kommt ein erfahrener Bootsingenieur. Frank Crane wohnt in Panama und nimmt sich extra Zeit für uns. Er hat seine Firma in den USA eben grad verkauft und arbeitet nur noch „zum Plausch“. Er inspiziert unser Problem genau (ständige Geräusche vom Ruder und zwei Wasserlecks im Skeg/Ruderbereich). Seine Diagnose: Das Ruder ist „schief“ , dh um einige wenige mm nicht achsgenau montiert, und drückt daher auf die Lager. Daher der Lärm. Und das Wasser drückt in die Ruderröhre und verursacht die zwei Lecks. Die Hülle aussen ist ok und der Skeg stabil. Es hat dort keinerlei Risse.

Das Gute: Der Schaden ist reparierbar. Zeitaufwand ca. 10 Arbeitstage. Die meisten Ersatzteile sind in Panama erhältlich. Und die Werft hier hat auch das Knowhow, um die Reparatur auszuführen.

Ein weiterer Schaden betrifft den Kielbereich, aber auch dieser ist gut reparierbar. Dazu haben wir selbst noch eine recht lange ToDo-Liste mit kleineren und grösseren Arbeiten.

Unsere Erfahrung in Sachen Reparaturen ist inzwischen recht gross, und so wissen wir, dass diese 10 Tage nicht realistisch sind. Wir rechnen mit drei bis vier Wochen.

Die erste Woche geht schon vorbei mit der Vorbereitung aller Arbeiten und der Auflistung und Bestellung aller Ersatzteile und Materialien. Das Ruder geht zur „Begradigung“ nach David in eine Spezialwerkstatt, die das lasergenau ausführen kann.

Die unsichtbaren Plaggeister

Das Leben auf Land in der Werft ist nicht sehr komfortabel. Aber es wäre gut auszuhalten, wenn da nicht die Chitras wären. Diese mikroskopisch kleinen Moskitos überfallen uns zigtausendfach,speziell am Morgen und in der Abenddämmerung. Sie sind fast unsichtbar und stechen zwar nicht richtig, aber es juckt einem überall am Körper wie wahnsinnig.

Wir könnten in ein kleines Hotel ausweichen. Aber abgesehen von den Kosten hats dort laute Klimaanlagen, die uns auch krank machen.

Segel-Urlaub bei Philippe und Diana

Für ein paar Tage können wir dem ausweichen: Wir dürfen zu Philippe und Diana auf ihre schöne Amel-Yacht. Da geniessen wir fünf wunderbare Tage, übernachten in verschiedenen Buchten. Wir werden von Diana göttlich gut bekocht. Speziell mit dem Vlaamse Stoofvlees – das flämische Nationalgericht schmeckt wunderbar. Es ist Geschnetzeltes Rindfleisch in belgischer Dunkelbiersauce, dazu gibts kleine feine Bratkartoffeln.

The Gap

Ein spezielles Highlight ist „The Gap“, ein enger Kanal zwischen unzähligen Mangroveninseln hindurch. Den geniessen wir bei schönstem Sonnenschein. Geführt werden wir von Otto auf seiner Yacht „Eisbär“. Er hat diese heikle Passage bereits einmal gesegelt. Und am Sonntag gehen wir zusammen mit Otto und mit den Urbayern Reinhard und Silvia (Yacht „Black Elise II“), wieder zu Josef zum Pizzaessen und zum gemütlichen Trinken und Plaudern.

Am Montag, den 1.März sind wir wieder zurück auf der Werft. Jetzt geht es los mit den vielen Reparaturarbeiten. Drückt uns die Daumen, dass alles klappt.

 

 

 

 

23.12.15 – 17.1.16 Bocas del Toro – Boquete – Playa Las Lajas/Pazifik – Finca Suiza – Bocas del Toro – Zapatilla – Bluefield Bay – Crawl Cay – Bocas del Toro

Welcome Bianca und David!

Darauf freuen wir uns ganz besonders: Unsere schwangere Tochter Bianca und Partner David verbringen Weihnachten und Neujahr mit uns in Panama. Bei ihrer Ankunft auf dem kleinen „International Airport Bocas del Toro“ scheint zum Glück die Sonne, was hier gar nicht Alltag ist, denn es regnet jeden Tag recht intensiv. Obwohl die Regenzeit seit Mitte Dezember vorbei sein sollte.

Road Trip in Panama
So planen wir zuerst einen mehrtägigen Landausflug bis zur Pazifikseite. Da soll das Wetter besser sein. Geplant, getan. Mit dem Wassertaxi geht’s ans Festland. Wir mieten ein Auto. David chauffiert uns fortan souverän über die mehr und weniger löchrigen Strassen Panamas.

Der „Klimawandel“
Zuerst geht’s in die Berge, hoch zur Wasserscheide Atlantik/Pazifik. Der Klimawechsel ist schon beeindruckend. Eben noch im intensiv grünen üppigen Regenwald, und dann schon im trockeneren Gebiet mit eher an die Schweiz erinnernden Tälern, Bergen, „Alpweiden“ und Wäldern.

Weihnachten à la Panama
Weihnachten „feiern“ wir im schönen Bergdorf Boquete. Das ist total anders hier: Ein riesiges Volksfest auf den Strassen, mit einem Umzug in Trachten und auch mit einigen Weihnachtsmännern und -frauen. Dazu gibt’s ein Feuerwerk. Wir lassen die Panamaer feiern, gehen in unser Hostal und bringen den Weihnachtsabend mit Jassen über die Runden. Es ist ja auch frühlingshaft schweizerisch kühl hier.

Tags darauf machen wir eine schöne Wanderung zu einem prächtigen Wasserfall. Alles wirkt wirklich sehr „schweizerisch“ hier. Panama ist ein wunderbar vielseitiges Land, wir sind beeindruckt und begeistert

Am Pazifik
Am Nachmittag düsen wir auf der Panamericana Richtung Pazifik. Am prächtigen kilometerlangen Strand Playa Las Lajas mit eher dunklem Sand planschen wir in den herrlichen Brandungswellen. Das Wasser muss 30° oder mehr sein. Gerade rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang finden wir zum Glück noch eine Unterkunft in der Casa Berlin, bei einem deutschen Auswandererpaar.

Am 27. Dezember geht’s wieder zurück Richtung Wasserscheide. Wir machen einen Zwischenhalt. Beim Rio Caldera springen wir in einer felsigen Schlucht aus gut 5 Metern ins frische Bergflusswasser. Auch das erinnert uns an die Schweiz, an Verzasca oder Maggia.

Finca la Suiza
Die Schweiz verfolgt uns. Auf dem Hinweg hatten wir auf der Passhöhe ein Schild entdeckt: FINCA LA SUIZA. Wir rufen an. Und tatsächlich nimmt eine Schweizerin ab. Monika lädt uns ein. Sie habe ein 4-Bett-Zimmer frei für diese Nacht. Auf einem abenteuerlichen Feldweg fahren wir hoch bis auf 1400müm. Und da steht ein schönes Berghaus, wie auf einer Alphöhe. Mit prächtigem Panoramablick bis zum mächtigen Berg Vulcano und hinunter zum Pazifik!

Monika begrüsst uns herzlich!. Sie wohnt schon seit vielen Jahren hier oben und hat in dieser tollen Berglandschaft (ein Naturschutzgebiet) ein vielseitiges Wanderwegnetz aufgebaut. Ihre Finca hat vier Gästezimmer. Am grossen Familientisch gibt’s ein wunderbar gutes Nachtessen für alle Gäste. Alles ist blitzsauber und gepflegt, wir geniessen diesen schweizerischen Komfort in vollen Zügen.

Leider reicht es uns nur für eine kurze Wanderung, denn wir müssen das Auto zurückbringen. David pilotiert uns durch alle Kurven und um all die vielen Löcher bis zum Karibikstrand. Das war ein toller Road-Trip!.

Segeln
Das Wetter in den Bocas del Toro Inseln ist weiterhin wechselhaft, aber wir wollen jetzt segeln. Das macht besonders Freude hier, weil es total geschützt ist vor der Atlantikbrandung. Auf flachem Wasser und bei leichten Winden gleiten wir dahin. Bianca und David gefällts prima.

Erster Halt ist eine grosse mangrovenumsäumte einsame Bucht. Der Anker hält auf dem schlammigen Untergrund erst nach mehreren Versuchen. Das ist eine richtige Drecksarbeit mit der langen Kette. Belohnt werden wir mit einer ruhigen Nacht mitten in der Natur.

Silvester? Silvester!
Tags darauf verlassen wir die geschützten Gewässer und gehen aufs offene Meer. Ziel sind die kleinen Zwillingsinseln Zapatilla 1 und 2. Bianca und David steuern die Riocaja durch die recht hohen Wellen und wir segeln mit gutem Tempo.

Nach gut fünf Stunden ankern wir vor Zapatilla 1. Der Anker hält beim ersten Mal, aber trotzdem kommt keine Freude auf. Denn es ist absolut ungemütlich hier. Wir sind zwar gut geschützt vor der Atlantikbrandung, aber von der Festlandseite her hat sich hier auch eine Brandung aufgebaut. Das Resultat: Wir schaukeln quer zu den Wellen mächtig hin und her. Bianca ist es gar nicht wohl. Aber zum Weitersegeln ist es zu spät. Wir müssen eine Nacht durchhalten und uns im Bett festhalten, damit wir nicht rauskippen. Das ist unsere ganz spezielle Silvesternacht.

Seekrank
Am Neujahrsmorgen ist es noch schlimmer. Bianca leidet. Das ewige Schaukeln war doch des guten zuviel. Sie ist jetzt stark seekrank.
So heben wir schnell den Anker und steuern eine gut geschützte Bucht an. Nach drei Stunden erreichen wir die Bluefield Bay (Blovelt war ein niederländischer Pirat, der hier im 18. Jahrhundert seine „Basis“ hatte). Was für ein schönes Gefühl! Die grosse weitläufige Bucht ist total geschützt und das Wasser ist wunderbar flach. Wir sind das einzige Segelschiff weit und breit. Bianca blüht förmlich auf, die Seekrankheit ist blitzartig verschwunden.

In der Seeräuber Bay
Die Cayo Azul (so heisst die Blufieldbay bei den Einheimischen) ist ein weltabgeschiedenes Naturparadies. Es gehört ganz und gar den hier angesiedelten Ngböe-Indios. Wir rufen ein Boot zu uns und vereinbaren für morgen einen Trip.

Ausflug im Indio-Boot
Eigentlich möchten wir schnorcheln. Aber es ist zu trüb und regnerisch. So führt uns der Indio Alonso mit seinen drei Kids zu einem in den Mangroven versteckten Fluss. Wir gleiten langsam und lautlos den Windungen nach in die Wildnis heinein, hören nur die Vögel. Als wir mit dem Boot nicht mehr voran kommen, geht’s zu Fuss weiter. Wir kommen zu einem Wasserfall, dann noch zu einem Pool. Wir kühlen uns ab im quellfrischen Flusswasser. Nach einer Stunde faszinierender Erkundung kehren wir um. Alonso lädt uns beim Schiff ab und will gleich wieder weg. Er wollte nicht mal ein Entgelt! Wir geben ihm trotzdem 20 Dollar.

Gefangen in der Brandung!
Wir geniessen die Ruhe und den Frieden in der alten Seeräuber-Bucht. Dann gibt uns ein erfahrener Yachtie einen Tipp. Mit dem Dinghy fahren wir ganz ans Ende der Bucht, in ein kleines Indiodorf. Nach 15 Minuten Fussmarsch sind wir auf der Atlantikseite an einem Karibik-Traumstrand mit feinstem goldgelben Sand, Palmen und toller Brandung. Voller Vorfreude stürzt sich David in die Wellen. Und wir hinterher. Vor lauter Begeisterung freuen wir uns, dass die Wellen immer grösser werden. Doch als wir wieder zurück an den Strand wollen, spüren wir, dass das kaum mehr geht. Die Gegenströmung wird zu stark. Man schwimmt und schwimmt und kommt kaum mehr voran! Nur keine Panik, denke ich. Wir sind auch nicht mehr zusammen, jeder muss für sich selber schauen. David und Bianca sind näher am Ufer und schaffen es schliesslich noch zurück. Sie rufen nach Hilfe, denn Doris und ich sind zu weit weg. Die Indios kommen sofort, je zwei paddeln auf Surfboards zu uns. Doris ist etwas näher am Ufer. Sie klammert sich ans Surfbrett (an dem eine Leine zum Ufer befestigt ist und wird dann herausgezogen. Ich klammere mich zwischen zwei Surfboards und zu dritt paddeln wir uns ganz langsam näher zum Ufer. Nach gut zwanzig Minuten sind wir so nah dran, dass ein weiter Surfer eine Leine bringt. An der kann ich mich schliesslich ans rettende Ufer ziehen, respektive werde von den Einheimischen gezogen. Puhh – das war wirklich happig und hätte schlimm enden können. Vielen vielen Dank – liebe Indios!!! Zwei von ihnen waren erst etwa 12 Jahre alt. Und das ganze Dorf hat zugeschaut – wir waren DAS Gesprächsthema dieses Tages.

Crawl Cay
Nach dem überstandenen Wellenabenteuer hissen wir wieder die Segel – zurück in die touristischeren Gebiete. In der Crawl Cay Bay finden wir ein solches Traumplätzchen. Wir gehen in das schöne Beach-Bar/Restaurant ( auf Pfählen über Türkiswasser gebaut), genehmigen uns exotische Drinks und ein Nachtessen.

Marina Carenero
Am 6. Januar heisst es dann back home in den „Heimathafen“ Marina Carenero, das liegt nur eine Wassertaximinute entfernt vom Hauptort Bocas del Toro. Die gemeinsame Zeit mit Bianca und David geht leider zu Ende. Aber es waren spannende und wunderschöne zwei Wochen. Wir haben viel gelacht, Brändy-Dog gespielt und gejasst.

Hasta Luego!
Mit dem pfeilschnellen Wassertaxi entschwinden sie unseren Tränenaugen, düsen ans Festland und von dort mit dem Nachtbus in zehn Stunden nach Panama City. Wenn wir sie das nächste Mal sehen, sind sie zu dritt!

Reparatur aufgeschoben
Wir bleiben zurück und kümmern uns um unsere Baustellen am Schiff. Die wichtigste ist das Leck im Heckbereich. Beim Segeln mit Bianca und David hatten wir zum Glück fast kein Wasser im Schiff. Es dringt also nur Wasser ein bei schwerem Seegang. Nach langem Diskutieren und Abwägen entscheiden wir uns, das Boot nicht sofort aus dem Wasser zu nehmen. Es hat nur eine einzige Werft, und die ist zwei Tage weit weg und erst noch in der falschen Richtung. Zudem warnen uns andere Segler, dass dort nicht alles zum besten steht und die Qualität der Arbeit ebenso.

Erfolgserlebnisse
Stattdessen können wir endlich den Generator (und damit auch den Wassermacher) wieder zum Laufen bringen. Der Mechaniker Gilbert findet die Ursache. Im Zylinderkopf kam zu wenig Diesel durch.

Für unser Selbstvertrauen ist es gut, dass wir weitere Sorgen selbst und ohne fremde Hilfe erfolgreich behandeln können. Zum Beispiel, dass die Ankerwinch wieder zuverlässig arbeitet und stark genug ist, auch einen “festgefahrenen“ Anker auszubrechen und hochzuziehen.

Oder einen Oelwechsel am 75PS-Volvomotor durchführen und einen neuen Ölfilter einsetzen. Oder den Dieselvorfilter/Wasserabscheider reinigen und den Dieselfilter wechseln. Und dann heisst es die Dieselzufuhr wieder zu starten durch Entlüften der Leitung. Wir brauchen sicher etwas länger wie die Profis, Aber es gelingt tipptopp.

The real Bocas del Toro-Feeling
Daneben geniessen wir auch die Annehmlichkeiten des Städtchens Bocas del Toro und der reizvollen Umgebung, verteilt auf mehrere Inseln. Wir gehen ab und zu auswärts essen. Es hat viele schöne Hostals, Bars und Strandrestaurants, zumeist aus Holz auf Pfählen gebaut. Das ganze sieht wirklich relaxed und stylish aus. Das Publikum hier ist multikulti- international, eher jünger, Backpacker und Surfer, viele aus den USA und Kanada. Aber wir lernen auch mehrere ausgewanderte Schweizerinnen kennen. Zum Beispiel Isabel Dickson-Cupif. Sie ist mit einem Panamaer verheiratet und lebt auf der Insel Bastimentos. Sie stammt aus Oberwil, und ihr Vater hatte mit mir bei JVC/Spitzer Electronic gearbeitet!

Planung mit Hurricanes und Schwangerschaft.
Die Schwangerschaft von Bianca bringt uns auf neue Ideen und Pläne. Doris will nach der Geburt unseres Grosskinds unbedingt dabei sein und helfen. Das heisst: Sie wird Ende April für ca. 2 Wochen heimkommen.

Di e Weltumseglung haben wir ja gestrichen. Wir bleiben in der Karibik und müssen mit der Hurrikan-Saison (Juni – November) leben und planen. Würden wir in Panama bleiben, wäre das überhaupt kein Problem, denn hier gibt es keine Tropenstürme. Dafür viel Regen und starke Gewitter. Und wir wollen ja auch neues sehen und entdecken.

Auf der anderen Seite möchten wir wegen des Lecks mehrtägige „happige“ Fahrten gegen den Wind und übers offene Meer vermeiden. So fallen zum Beispiel direkte Schläge nach Jamaika oder Kuba weg.

Wir planen etwa so: Wir bleiben jetzt noch ca. sechs Wochen in Panama. Dann hüpfen wir Step by Step der mittelamerikanischen Küste entlang nach Norden, bis Mexiko/Yucatan. Da liegen viele Inseln und reizvolle Küstenabschnitte am Weg. Das schaffen wir gut mit maximal Zweitagesfahrten.

Rio Dulce/ Guatemala
Für die Hurrikan-Saison wollen wir spätestens im Juni im Rio Dulce in Guatemala sein. Das ist ein grosses schönes Binnenwassergebiet und sogenanntes Hurricane-Hole. Hier sind wir hoffentlich gut geschützt vor den schweren Stürmen.
Es hat viele Werften, wo wir unser Schiff aus dem Wasser nehmen und das Leck/Ruder reparieren können.
Leckt die Riocaja jedoch vorher schon stärker, werden wir sofort zum Rio Dulce segeln.

Heimaturlaub
Im Sommer, während der Hurrikansaison, werden wir für drei Monate nach Hause kommen. Wir freuen uns riesig auf unser Grosskind und aufs Wiedersehen mit Familie und Freunden! Das sind für uns wirklich Ferien, denn wir leben und arbeiten ja auf unserem Schiff.

Welcome Dario
Doch jetzt freuen wir uns auf den nächsten Besuch: Am 26. Januar kommt unser Sohn Dario!

 

3.11. –22.12. Kolumbien/Santa Marta – San Blas/Kuna Yala – Panama/Portobelo – Panama/Shelter Bay – Panama/Bocas del Toro

Zuerst mal ein Sorry für die lange Pause seit dem letzten Bericht. Aber wir hatten in den letzten Wochen zum Teil keine oder auch keine stabilen Internet-Verbindungen. Nun, was ist geschehen in diesen sieben Wochen?

3.11. – 9.11.
Wir geniessen in Santa Marta noch eine Woche Erholung. Und wir machen einen kleinen 2-Tages Ausflug nach Paormina in ein nettes Bagpacker-Eco-Hostel am kilometerlangen Palmenstrand. Eigentlich wollten wir hier endlich auch den schneebedeckten höchsten Berggipfel Kolumbiens (5775müM) sichten. Er ist ja nur knapp 40 Kilometer von der Küste entfernt. Aber das ist auch von hier aus nicht möglich – er bleibt hinter Wolken versteckt.

Adios Colombia – Buenos Dìas Kuna Yala!
Am 10.11. ist das Wetter- und Windfenster optimal für den 320-Seemeilen-Schlag nach Panama. Adios Colombia – das war eine beeindruckend schöne Zeit in einem wunderbaren grossen Land mit netten Menschen. Wir sind frohen Mutes, denn eigentlich sollte auf unserem Schiff wieder alles funktionieren – inklusive Generator und Wassermacher. Aber wie schon so oft, kommt es anders. Doch zunächst geniessen wir das Segeln mit Wind von hinten und ausgebaumten Segeln (Schmetterling). Wir kommen flott voran und stellen frohgemut den Generator und den Wassermacher an. Doch schon nach 10 Minuten stellt er wieder ab. Es ist das alte Problem – er ist überhitzt. Die Kühlung funktioniert nicht mehr. Die Reparatur von Sönke hat nicht lange durchgehalten. Wir trösten uns damit, dass wir bald eine neue Seewasserpumpe bekommen.

Am Morgen des dritten Tages kommt dann der nächste Hammer – ein Supergau! Schon seit einigen Stunden „riecht“ unser Schiff ganz seltsam, wir werden nicht schlau. Doch Doris mit ihrer „Spürnase“ findet schliesslich die Ursache: Es kommt aus unserer Batteriebox unter dem Bett. Wir öffnen sie und es dampft gewaltig. Unsere (neue)Starterbatterie und eine der vier Servicebatterien sind völlig überhitzt. Die Kabel sind schon angebräunt. Wir sind geschockt. Was wäre jetzt, wenn der Motor nicht mehr gestartet werden kann? Wir beraten, was wir „Laien“ tun können.
Zuerst natürlich abkühlen lassen, das ist klar. Die zweite Massnahme (Ladung der Starterbatterie unterbrechen) fruchtet aber überhaupt nicht. Wir stellen Lichtmaschine und Keilriemen ausser Betrieb. Aber da läuft das ganze Kühlwasser aus (immerhin konnte der Motor problemlos wieder gestartet werden). So nehmen wir halt einfach das Ladekabel von der Starterbatterie weg. Und wir überwachen die Ladung der Servicebatterien halbstündlich. Wir können weitersegeln.

Durch die mehrstündige Verzögerung wird unsere Reise um eine Nacht verlängert. Wir haben jetzt aber zu viel Zeit, denn wir wollen und können erst bei Tageslicht in die „riffverseuchten“ San Blas-Inseln einfahren. Diese Zeit können wir gut nutzen, indem wir den sogenannten „Squalls“ ausweichen. Diese Gewitterherde sind rund um uns herum und ihre Zugbahn erkennt man auf dem Radar sehr gut. Das gelingt uns recht gut. Wir fahren kreuz und quer und ab und zu auch wieder „rückwärts“.

Besuch aus der Schweiz
So erreichen wir am Morgen des vierten Tags (es ist der 13. November) noch regenfrei unser Ziel, das Kuna Yala-Städtchen Nargana. Der Regen wird aber bald zu unserem ständigen Begleiter. Die Trockenzeit beginnt ja auch erst im Dezember. Doch zunächst warten wir auf unseren Gast für die nächsten vierzehn Tage. Unser Freund Kari (ein erfahrener Skipper mit 20000 Seemeilen auf dem Buckel) kommt zu Besuch. Er hatte uns im Juni 2014 schon vor dem Start unserer Reise in La Spezia eine Woche lang geschult  Wir begrüssen Kari m Morgen des 16.November in Nargana.

Die San Blas Inseln (Kuna Yala)
Das sind mehrere hundert Inseln vor der Küste Panamas. Sie gehören rechtlich zum Staat Panama, aber sie werden mehr oder weniger autonom von den Kuna Indios bewohnt und verwaltet. In ihren jahrhundertealten Traditionen und Regeln. Das Gebiet umfasst auch einen Teil des Festlandes. Mehr über dieses interessante indigene Volk findet ihr im Internet.

Für die Segler sind die San Blas ein Traumziel. Wie kleine grüne Farbtupfer verteilen sie sich auf über 50 Kilometern entlang der Küste. Sie sehen alle fast genau gleich aus: flach, mit Palmen und/oder Mangroven bewachsen. Zumeist sind sie unbewohnt. Das ganze Gebiet ist dank Riffen bestens vor der Meeresbrandung geschützt. Die Navigation ist sehr knifflig, da es überall von Korallenriffen wimmelt. Zudem sind die Papierkarten und die elektronischen GPS-Karten sehr ungenau (gemäss GPS hätten wir da mehrmals direkt auf einem Riff geankert) Eine grosse Hilfe ist der Segelführer von Eric Bauhaus. Er hat ganz Panama (auch die pazifische Küste) genau ausgemessen (mehrere Millionen Messdaten) und ganz präzise Karten, GPS-Wegpunkte und navigationstaugliche Satellitenfotos erstellt. Mit diesem Guide und natürlich auch mit Augapfel-Navigation findet man die Wege zu den schönsten Ankerplätzen.

Für uns ist San Blas leider nur teilweise ein Traumziel. Denn das Wetter meint es gar nicht gut mit uns. Wir haben praktisch ununterbrochen Wolken und Regen. Da bleibt von den leuchtenden Farben des Wassers nicht viel übrig. Wir lassen uns die Stimmung aber nicht vermiesen. Und unser Freund Kari weiss als erfahrener Segler, dass man das Wetter so nehmen muss wie es ist. Wir finden viele schöne Ankerplätze – und lernen so das sorgfältige Navigieren durch die Riffe.

Spannend sind die Begegnungen mit den Kuna. Sie sind sehr klein gewachsen, leben in ganz einfachen Verhältnissen. Sie sind freundlich und hilfsbreit. Sie besuchen uns mit ihren Einbaum-Kanus, bieten Bananen, Gemüse, Getränke, Lobsters, und die Frauen ihre berühmten in aufwendiger Handarbeit gestickten und genähten Molas. Einer bringt unseren Aussenborder wieder zum Laufen. In Nargana können wir eine Panama SimCard (3$) plus Telefonguthaben und Daten laden. Das Handy Netz funktioniert dann mal mehr oder mal weniger gut – aber immerhin!

Frisches Flusswasser für die Riocaja
Da wir ja kein Wasser machen können, müssen wir es uns beschaffen. Auch da sind die Kunas hilfsbereit. Wir suchen im Dorf und finden bald einen jungen kräftige Mann, der uns verspricht, 600 Liter Wasser zu bringen. Und tatsächlich sehen wir ihn bald darauf, wie er mit seinem Kanu zur Flussmündung paddelt und in den Mangroven verschwindet. Eine Stunde später legt er bei der Riocaja an. Mit drei grossen Kunststofffässern. Mit zwei Eimern füllen wir das Wasser Hand by Hand um, und eine weitere Stunde später sind unsere zwei Tanks mit sauberem frischem Flusswasser gefüllt. Vielen Dank für den prompten Service. Eine Woche später können wir im Dorf Rio Azucar sogar an einem kleinen Steg anlegen und Wasser direkt ab Schlauchleitung auffüllen.

Der erste Fisch
Unterwegs von den Coco Bandera Cays zu der einsamen Insel Esnasdup gelingt uns endlich den erste erfolgreiche Fischfang. Es ist ein prächtiger Tuna, 80cmlang. Obwohl ich beim Filetieren aus Versehen fast drei Viertel der Stücke zusammen mit blutigem Wasser ins Meer „schmeisse“, bleiben noch genug wunderbare Tunafilets für drei bis vier Mahlzeiten für uns drei. Glück gehabt!

Segeltipps von Kari
Wir nutzen die Zeit mit Skipper Kari auch zum üben von Segelmanövern. Auch wenn wir schon eineinhalb Jahre unterwegs sind, wir wissen noch längst nicht alles. Kari kann uns wichtige Tipps und Kniffe zeigen, wie wir zu zweit besser und sicherer mit dem Segeln und Ankern zurechtkommen. Vielen Dank!

Mensch-über-Bord – das darf einfach nicht passieren
Bei einem Adhoc-Mensch-über-Bord-Manöver (natürlich mit einer Fenderboje) wird uns wieder einmal klar vor Augen geführt, dass diese Notsituation bei einer Zweier-Crew einfach gar nie eintreffen darf. Das Überbordgehen bei Nacht und oder bei schwerem Seegang ist fast ein Todesurteil. Das Auffinden ist schon schwierig bis unmöglich. Aber das Ansteuern (ohne die Person zu überfahren), das Steuer zu verlassen (das Boot hüpft/treibt unkontrolliert auf und ab, hin und her), das Anbringen eines Hakens und einer Leine vom Boot aus und dann das Hochhieven mit einer Winsch, das ist für eine Person allein schlicht nicht machbar. Das schafft auch kein Superman.

Natürlich und zum Glück gibt es noch das weltweite Notfallsystem EPIRB (man wirft diesen Seenotsender einfach über Bord zum oder in die Nähe des Verunglückten), Der Sender löst automatisch eine sofortige Seenotrettung aus und zeigt 48 Stunden lang die genaue Position. Das ist auf jeden Fall erfolgversprechender als der eigene Rettungsversuch. Aber je weiter man von einer Küste weg ist, desto kleiner wird die Chance, das die Rettung rechtzeitig eintrifft.

Deshalb gilt für uns: Rettungsweste und Lifebelt, an der Sicherheitsleine eingepiekt, immer bei Nacht und auch tagsüber bei Arbeiten an Deck ab Windstärke 6.

Tropische Moskitostiche
Etwas hat unseren Aufenthalt in den San Blas auch verkürzt. Drei simple Moskitostiche, ein bisschen gekratzt, und schon hat man eine böse Infektion. So geschehen bei mir. Ich hab nicht sofort reagiert und gedacht, das geht schon wieder vorbei. Welch eine Fehleinschätzung! Die Wunden im Bein werden immer eitriger und schmerzhafter. Die Fernhilfe aus der Schweiz und der Griff zu Antibiotika aus unserer Notapotheke haben vorerst überhaupt keine Wirkung. Es wird immer schlimmer. Darum segeln wir ans Festland zum kleinen Ort Portobelo. Von dort mit dem Bus nach Colon in eine Klinik. Der Arzt spritzt ein ganz starkes Antiobiotika. Die weiteren Spritzen kann ich dann in der kleinen Medizinstation in Portobelo „fassen“. Dann gibt’s nochmals sieben Tage Antiobiotika Tabletten. Erst nach fast vier Wochen Leiden zeigt sich Besserung. Die Wunden sind zu und ich kann wieder ins Wasser springen.

Doris hat auch einen Stich abbekommen. Sie reagiert aber schneller und kann schon nach fünf Tagen Antiobiotika wieder aufatmen.

Wegen der Moskitosache verlässt uns Kari einige Tage früher als geplant. Er nutzt die Zeit bis zu seinem Rückflug für einige Ausflüge ab Panama City. Vielen Dank Kari, dass du uns besucht und begleitet hast im fernen Panama!

Carlos – der „Super-Mech“
Schon in den San Blas treffen wir auf Carlos, der uns sofortige Hilfe für unsere Batterie- und Generatorprobleme verspricht. Zugegeben – das Überhitzungs-Batterieproblem löst er gut. Das hatte uns ein anderer „Super-Elektriker“ in Curacao eingebrockt. Aber dann stürzt er sich auf den Generator – und macht alles noch viel schlimmer. Seine wilde Ursachenforschung endet in einem Totalausfall des elektrischen Control-Displays. Er weist natürlich alle Schuld von sich. Wir jagen ihn zum Teufel.

Auf dem Tiefpunkt
Die andauernden Probleme und Sorgen mit der Riocaja zehren gewaltig an den Nerven und an der Substanz. Vor allem Doris ist total demoralisiert. Wann können wir endlich wieder einmal sorgenfrei segeln? Es zeigt sich auch, dass wir als Nicht-Techniker schlechte Voraussetzungen für eine Weltumsegelung mitbringen. Um eine Yacht autark zu führen, da muss man nicht nur Segeln können. Nein, man muss schon Mechaniker, Elektroniker, Energie-Manager und weiss-nicht-was-noch-alles sein. Da ist die Tatsache, dass alle Segler immer irgendwelche Probleme und Reparaturen haben, nur ein schwacher Trost. Wir (vor allem Doris) haben zwar schon viel gelernt und können Ölwechseln, Entlüften und Winschen fetten, Filter wechseln, Dieselfilter reinigen, WC-Pumpen ausbauen etc. etc. Für die ernsteren Fälle sind wir aber angewiesen auf Support. Die bekommen wir von den Seglern. Diese gegenseitige Hilfe und der Austausch der Erfahrungen auf hoher See zeichnet die weltweite Seglergemeinschaft aus. Das ist wirklich schön und tut uns Seglern allen gut. Und es entstehen immer neue Kontakte und Freundschaften.

Hilfe naht
Auch in Portobelo bekommen wir Hilfe in der „Not“. Wir treffen wieder auf Sam und Margot, früher als geplant, denn sie sind auch wegen eines medizinischen Notfalls in Portobelo gelandet. Was für eine Freude auf beiden Seiten. Wir haben uns mehr als drei Monate nicht mehr gesehen. Sam ist ein wahrer Alleskönner. Maschinenbauer von Beruf mit eigenem Betrieb und mehreren hundert Angestellten. Und er hat schon gut 30 Jahre Erfahrung mit Motor- und Segelbooten. Er geht alle Probleme analytisch, ruhig und sachlich an. Geht der Sache auf den Grund und findet fast immer die Ursache für das Problem. Und dann auch die Lösung. Das macht er auf seinem Schiff, genauso auch bei uns. So kommen wir dem Generatorausfall endlich auf die Schliche: Es ist die Kühlwasserpumpe und nicht die Seewasserpumpe, wie ich irrtümlich angenommen hatte. Unser Crewmitglied Sönke hatte auch darauf hingewiesen, dass diese Pumpe die Ursache sei. Aber all die anderen“professionellen Supermechaniker“, die wir konsultiert hatten, haben gar nichts oder das falsche herausgefunden.

Für das Control-Display finden wir Hilfe beim Segler David, einem Elektroniker aus Irland.. Er spürt die defekte Sicherung (die Carlos zerstört hatte) in den Eingeweiden des komplexen Generators auf. Jetzt fehlt nur noch die neue Pumpe für unser Glück. Die bringt unsere Tochter Bianca am 23.12. mit. Die Hoffnung lebt, dass wir bald wieder 220V-Strom haben und Wassermachen können.

Mit dem Kajak in die Wildnis
Doris macht mit Guide Jason eine Kajaktour in die Flüsse bei Portobelo. Es ist zwar anstrengend und regnerisch. Aber der Lohn sind beeindruckende Erlebnisse im unberührten einsamen grünen Dschungelgebiet. das ganz exklusiv den vielen Tieren gehört. Jason lebt da selbst ganz abgeschieden allein in einer Hütte. Er kennt jede Pflanze und jedes Tier. Das speziellste ist „Jesus Christ“ – eine Iguanaechse, die übers Wasser laufen kann!

Auftrieb in Panama City
Wir müssen mal weg von unserem Schiff und von unseren Problemen. Ich lade Doris zu einem 4-Tages-Trip nach Panama City ein. Mit den farbenfrohen Bussen Panamas ist das eine interessante und lautstarke Fahrt von gut dreieinhalb Stunden. Kostenpunkt 2 Dollar fünfzig pro Person. Wir geniessen die Annehmlichkeiten eines modernen Hotels mit ausgiebigem Frühstück. Wir besichtigen die Miraflores-Schleuse, wo gerade zwei riesige Kreuzfahrtschiffe die letzte Schleuse vor dem Pazifik verlassen. Im Museum verfolgen wir die gewaltige technische Meisterleistung. Das „achte Weltwunder wurde anfang des 20.Jahrhunderts unter heute unvorstellbaren Bedingungen gebaut. Tausende von Arbeitern starben dabei an Gelbfieber, Malaria und anderen tropischen Krankheiten. Es war aber auch die Geburtsstunde des Multikultistaates Panamà. Denn die Arbeiter aus zig verschiedenen karibischen, afrikanischen und zentralamerikanischen Ländern blieben sesshaft, gründeten Familien etc.

Panama City ist eine chaotische Grossstadt mit vielen Wolkenkratzern, unzähligen Banken und natürlich auch mit armen Vierteln. In der Altstadt Casco Viejo pulsiert das vorweihnachtliche Leben mit Marktschreiern, ultralauter Musik und unzähligen Verkaufsläden. Es gibt aber auch ruhige Ecken mit schön renovierten spanischen Kolonialgebäuden. Und etwas ausserhalb steht die Albrook Mall, das grösste Einkaufszentrum Südamerikas.

Das alles gibt uns wieder Mumm für das Weitersegeln. In einem schönen Seekarten- und Büchergeschäft finden wir zwei tolle Segelhandbücher für die westliche Karibik. Auch wenn wir die Weltumsegelung gestrichen haben – jetzt können wir wieder planen für die nächsten Monate in der Karibik. Wir fahren guten Mutes zurück nach Portobelo.

Ein überraschendes Wiedersehen
Am 15. Dezember segeln wir in die Shelter Bay Marina vor dem Eingang zum Panama Kanal. Und dort gibt’s ein Wiedersehen der ganz besonderen Art: Wir sehen das Schweizer Schiff Manaia. Ich sehe die Frau an Bord – wir schauen uns an und whow! Das ist doch Rosetta Ruzza, eine Kollegin aus meinen Berufszeiten in Oberwil. Das ist gut 15 Jahre her. Und weder sie noch ich hatten eine Ahnung, dass wir beide das gleiche Seglerleben gewählt haben. Das ist einfach unglaublich. Wir geniessen einen schönen Abend, zusammen mit weiteren deutschsprachigen Seglern. Aber am nächsten Tag heisst es schon Abschied nehmen: Tomaso und Rosetta segeln zu den San Blas Inseln. Und wir in die Gegenrichtung – nach Bocas del Toro – eine kleine Inselgruppe vor der Küste Panamas.

Segeln wie in der Nordsee
Der 28-Stunden-Trip nach Bocas verläuft sehr unruhig – wir haben lange keinen Wind, nur viele Wellen und eine starke Gegenströmung. Dazu eine gehörige Portion Regen. Kurz – das karibische Meer sieht so nicht anders aus wie die Nordsee zwischen Norwegen und Schottland.

Zudem ereilt uns auch weiteres Unheil mit dem Schiff – wir haben mehrere Liter Wasser in der Motorbilge. Doris sucht – und findet im Heckbereich (beim sogenannten Skeg) ein Leck: Aus einem kleinen Riss im GFK dringt Wasser ein. Diesen Schock müssen wir erst einmal verdauen. Uns ist klar, wir müssen das Schiff möglichst bald wieder aus dem Wasser nehmen.

Bianca und David kommen zu Besuch
Auf Bocas del Toro freuen wir uns ganz besonders: Denn über Weihnachten und Neujahr kommen unsere Tochter Bianca und ihr Freund David auf die Riocaja. Das ist einfach grossartig – und wir hoffen sehnlichst auf besseres Wetter, denn der viele Regen in Panama geht uns schon ziemlich auf den Wecker.

Wir wünschen euch allen schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

21.10. – 2.11.15 Santa Marta – El Mamey – Ciudad Perdida – El Mamey – Santa Marta

Kohlestaub

Zurück von der Rundreise heisst es für uns einerseits Erholen von den Krankheiten, andererseits müssen wir auch das Boot komplett putzen. In unserer 14-tägigen Abwesenheit hat sich der Kohlestaub vom nahen Bergwerk überall auf unserem Schiff festgesetzt, auch innen. Die ganze Putzete schaffen wir in gut sechs Stunden.

Die Ciudad Perdida

Nach einer Woche fühlen wir uns einigermassen fit genug für den nächsten Trip. Und der hat es in sich. Wir wollen in die geheimnisvolle Ciudad Perdida, die „Verlorene Stadt“. Sie war einst das soziale und politische Zentrum der Tairona-Indios, der ersten Hochkultur der Neuen Welt, auf die die Spanier im Jahre 1499 stiessen. Wegen des Goldreichtums (hier entstand der Mythos vom El Dorado) kam es in der Folge zu erbitterten Kämpfen mit den spanischen Eroberern. Die Tairona wehrten sich vehement , wurden aber schliesslich nach 75 Jahren fast komplett ausgerottet. Die Überlebenden zogen sich noch weiter in die höher gelegenen Berge zurück. Die Spuren ihrer Häuser versanken im regenreichen gebirgigen Dschungel.

Die Ciudad Perdida wurde erst 1975 von Grabräubern gefunden. In der Folge wurde sie von Grabräubergangs fast leer geplündert. Was blieb, sind die vielen Grundmauern, Steinkonstrukte, und Treppen der fast 170 Terrassen, die die Tairona in das gebirgige Gebiet auf einer Höhe zwischen 800 und 1300 Metern über Meer angelegt und mit ihren runden Holzhäusern bebaut hatten. Man schätzt, dass es in diesem unzugänglichen Gebiet rund 300 Siedlungen gegeben hat. Die Ciudad Perdida war das Zentrum mit ca. 2000 Bewohnern.

40 Kilometer über Stock und Stein in 4 Tagen

Die Ciudad Perdida und der Weg dahin sind heute noch genauso geheimnisvoll und mystisch wie eh und je. Denn man kommt nur zu Fuss oder mit Pferden voran. Auf einem 40 km langen schmalen, steinigen Pfad, der immer steil auf oder ab geht. Man muss mehrfach kleinere und grössere Flüsse durchqueren. Und wenn es regnet,(das tut es fast jeden Tag) wird’s auch noch glitschig und matschig.

Wir machen die Wanderung in einer 17-köpfigen Gruppe. Die meisten Teilnehmer sind Bagpacker im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Sie kommen aus den USA, Kanada, England, Belgien und der Schweiz (eine junge Lausannerin). Wir sind die einzigen Oldies und Yachties. Der kolumbianische Guide heisst „Miller“. Er ist ein Supertyp, der seinen Job liebt und lebt.

Unser Trekking dauert 4 Tage. Das heisst jeden Tag rund 6 Stunden anstrengendes Hiken. Gegessen und übernachtet wird in einfachen offenen Palmhütten. Es ist bestens organisiert. Jeden Tag gibt’s drei sehr gute Mahlzeiten. Dazu auch noch Snacks und frische Früchte. Die Ware dahin wird von Pferden transportiert. Bei den Hütten oder auch unterwegs kann man im frischen Flusswasser baden. Eine willkommene Entspannung für die Beinmuskeln.

Tairona-Indios

Unterwegs begegnen wir auch noch einigen kleinen Tairona-Siedlungen. Hier leben noch wenige Indios fast genau gleich wie ihre Vorfahren. Im Einklang mit der wilden Natur und der Tradition ihrer Kultur.

Über den „reissenden“ Fluss 

Unbestrittener “Höhe- respektive Knackpunkt“ unserer Wanderung ist das Durchqueren des Rio Buritaca, kurz vor der letzten Lodge. Es hat seit gut einer Stunde kräftig geregnet und das dreckbraune Wasser fliesst statt kniehoch mindestens hüfthoch. Unsere Guides spannen ein Seil über den gut 20 Meter breiten Fluss. Es wird von drei Männern gehalten. So watet und hangelt sich dann jede/r einzeln hinüber ans rettende Ufer. Alles geht gut. Wir sind triefnass, Doris bis über Bauchhöhe. Aber wir sind ja fast am Ziel.

Die Mystik der verlorenen Stadt

Am darauffolgenden Tag heisst es erstmal 1260 steile von den Indios angelegte Treppenstufen hochsteigen. Für diese Leistung werden wir aber reichlich entschädigt. Wir geniessen während 3 Stunden die Mystik der verlorenen Stadt. Miller erklärt uns die Historie und die Bedeutung der Tairona-Kultur und Rituale in eindrücklichen Worten. Die Tairona hatten sogar ihren eigenen Naturpool, in dem wir uns auch kurz austoben können.

Das Leiden des Oldies

Dann heisst es aber schon wieder zurück, auf dem gleichen anstrengenden Weg. Der Fluss ist wieder auf Normalhöhe und-strömung und die Überquerung ist problemlos. Dafür beginnt dann die Leidenszeit des ältesten Teilnehmers mit seinem Arthrose-Knie. Während Doris ihre alte Stärke wiedergefunden hat und an der Front mit den jungen Bagpackern munter voraus marschiert, werden meine Schritte immer kürzer und wackliger. Aber schliesslich schaffe ich es mit einiger Verspätung auch immer an die Zwischenziele, und am letzten Tag „auf dem letzten Pfupf“ zum Dorf El Mamey, wo zwei Toyota Landcruisers auf uns warten. Sie bringen uns in einer 45-minütigen Offradfahrt zurück in die Zivilisation.

Thank you Joe

Ein grosser Dank gebührt hier Joe aus Miami, der fast die ganze Tour über meinen schweren Rucksack getragen hat, und ich seinen leichten. Ohne diese wirkliche „Erleichterung“ hätte ich es wohl kaum geschafft.

Was bleibt, ist ein (für mich auf jeden Fall) einmaliges unvergessliches und kolossales Erlebnis, die Begegnung mit der ausgestorbenen Hochkultur, eine grandiose Natur und das abenteuerliche Trekking in einer Wildnis, die heute noch genau so aussieht, wie vor hunderten von Jahren.

Wie weiter?

Am 30. Oktober sind wir wieder zurück auf unserer Riocaja. Da heisst es natürlich wieder waschen und Schiff putzen. Aber wir haben jetzt auch wieder schön Zeit für Erholung. Und am 31. Oktober werden wir von unseren amerikanisch-australischen Nachbarn Louis und Julie in das Feiern von Halloween eingeweiht.

Wir bleiben noch etwa eine Woche in Santa Marta, dann gehts weiter zu den San Blas Inseln vor Panama.

 

3.10. – 20.10.15 Santa Marta – Cartagena – Santa Marta – Bogotà – Armenia – Medellin – Santa Marta

Die Kolumbienrundreise mit Barbara und Alex Kummer steht an: Wir packen erstmals eine grosse Reisetasche voll, für 12 Tage. Trotz mehr als 20 Kilo Gepäck fehlt es uns an passenden Kleidern: Wir haben nämlich nur je einen Pulli und eine lange Hose an Bord. Wir sind ja eigentlich auf der Barfussroute…

Cartagena

Mit dem Bus fahren wir in vier Stunden nach Cartagena. Im Luxushotel Las Américas treffen wir unsere Freunde Barbara und Alex Kummer aus der Schweiz, sowie Natalie (ehemalige Austauschschülerin bei Kummers und Mitglied des kolumbianischen Nationalteams im Bogenschiessen) und ihren Freund Santiago. Mit ihnen reisen wir die erste Woche.

Zuerst besuchen wir an zwei Tagen die wunderbare historische Altstadt Cartagenas, ein Muss für jeden Kolumbienbesucher. Mit der Pferdekutsche machen wir eine stilvolle Tour durch die engen Gassen. In der Cevicheria gibt’s den besten rohen Fisch. Im berühmten Café del Mar auf den Stadtmauern geniessen wir den Sonnenuntergang, der hier in der Nähe des Aequators das ganze Jahr um 18 Uhr einsetzt. Dh um 18.15h ist es schon stockdunkel. Die Kolumbier kennen keine Jahreszeiten wie etwa in Europa.

Zweimal geht’s etwas bergauf: Zuerst auf 150müm, da steht das Kloster Convento de la Popa (Konvent des Hecks). Das heisst so, weil der Hügel einem Schiffsheck gleicht. Von hier hat man eine grandiose Aussicht auf Cartagena, mit seinen vielen Wolkenkratzern.

Auf einem nur 40m hohen Hügel steht die stärkste Festung, die die Spanier weltweit je gebaut haben: das Castillo de San Felipe de Barajas. Es wurde niemals eingenommen. Die grösste Schlacht war im Jahr 1741, als die Spanier mit 2500 Mann eine riesige englische Übermacht von 25000 Mann und 186 Schiffen zurückschlugen. Cartagena war in der Kolonialzeit die bedeutendste spanische Bastion in Übersee.

Polizeieskorte

Ein Erlebnis der besonderen Art: In Kolumbien darf man mit dem Auto in gewisse Viertel/Zentren nur fahren, wenn man eine Bewilligung dazu hat (eine Plaqueta). Santiago aus Medellin kennt die Vorschrift in Cartagena nicht genau und wird prompt angehalten. Nach längerem Diskutieren mit dem Cop steigt der Polizist plötzlich zu uns ins Auto und wir fahren mit ihm hinein ins Zentrum. Er steigt aus. Wir auch und gehen zum Mittagessen. Nach zwei Stunden werden wir von einer Töffpatrouille wieder aus dem Zentrum hinaus eskortiert!

Tayrona Nationalpark

Wir fahren nach Santa Marta, bringen die Ersatzteile für den Generator zu Soeren, Tags darauf besuchen wir den Tayrona-Nationalpark. Eine tolles Naturerlebnis zu Fuss und zu Pferd. Wir sehen wilde Küstenlandschaften, Dschungel mit kleinen qiucklebendigen Affen, Iguanas, Krokodile und vielen Vögeln. Im dichten Urwald hört man sie gut, bekommt sie aber selten zu Gesicht. Tayrona ist ein Gebiet, wo einst mehr als 4000 Tyroana-Indios lebten. Jetzt sind nur noch einige wenige hier. Und mit ihnen einige hundert Bagpacker.

Bogotà

Am Oktober verlassen wir unsere Gastgeber Nati und Santiago und die tropisch heisse karibische Küstenregion und fliegen in die Hauptstadt Bogotâ, auf 2400müM. Die Stadt hat total fast 8 Mio. Einwohner, sie erstreckt sich 60km in der Länge und 25km in der Breite, auf einer Hochebene, inmitten hügeligem bis bergigem Gebiet. Das Klima ist angenehm frühlingshaft. Wir logieren in einem wunderschönen kolonialen Hostal in der Altstadt. Doris und ich werden krank, Doris hat fast 40°Fieber. Ich eine starke Bronchitis. Während Barbara und Alex einen Leistungsspaziergang hoch zum ehemaligen Kloster Monserrate machen (die Seilbahn ist ausser Betrieb, die Zahnradbahn hoffnungslos überlastet), gehen Doris und Hans mit dem Reisebürochef Torsten in die Klinik. Wir warten total fast sieben Stunden, das ist aber echt kurzweilig, weil uns Torsten viel über seine zweite Heimat Kolumbien erzählt. Und wir ihm über unser Segler-Nomadenleben. Alles auf Schweizerdeutsch, denn Torsten stammt aus dem Klettgau, direkt an der Schweizer Grenze.

Dengue-Fieber?

Doris‘ Blutwerte sind tief im Keller. Verdacht auf Dengue-Fieber. In 72 Stunden muss sie nochmals antraben. In der Zwischenzeit heisst es für uns beide mind. 4 Liter Flüssigkeit einzunehmen. Dank einer starken Spritze wird sie wenigstens ihre massiven Gliederschmerzen los.

Feiertag – Vorfahrt für Velos

Ein besonderes Erlebnis in Bogotà: Die Kolumbianer haben nur 15 Ferientage im Jahr. Das wird etwas abgefedert durch die Tatsache, dass sie nicht weniger als 19 Feiertage haben. Und diese Feiertage gelten immer auch inklusive Montag. An diesen Montagen werden in der Hauptstadt viele Strassen gesperrt und für den Fahrradverkehr freigegeben. So tummeln sich an diesen Tagen Tausende von Velofahrern (und auch Joggern) mitten in der Grossstadt – eine Art friedliches Volksfest. Dazu muss man sagen, dass Velo nach dem Fussball der zweite Nationalsport ist. Kein Wunder, kommen aus Kolumbien die weltbesten Kletterspezialisten. Die haben hier ein natürliches Höhentraining: wo bei uns bei 2400 Metern die Passhöhe erreicht ist, geht es erst richtig los mit dem Bergfahren. Zur Bekämpfung von Smog gilt auch die Regel, dass im täglichen Wechsel immer nur Autos mit ungeraden resp. geraden Nummern in der Innerstadt fahren dürfen.

Salzkathedrale

Mit Reiseführer Caesar, Fahrer Hereida, in einem komfortablen Ssang Yong Minivan fahren wir aus Bogota raus, in nördlicher Richtung.In Zipaquirà besuchen wir eine riesige unterirdische Kathedrale, gebaut in einer stillgelegten Salzbergmine. Ein grosser Touristenmagnet. Doris und Barbara sind begeistert. Alex und Hans` Freude hält sich in Grenzen. Es ist schon sehr düster da drinnen. Ich bin froh, wieder an die frische Luft zu kommen. Kein Wunder, bei der Bronchitis.

Im 19. Jahrhundert?

Über Chiquiquirà und  das schöne Raquira erreichen wir Villa de Leyva. Mit seinem groben Kopfsteinpflaster ist es eines der schönsten Kolonialstädtchen überhaupt. Hier könnte man historische Filme drehen. Unsere Unterkunft ist gewaltig schön, eine Posada wie ein Musuem. Wir wähnen uns mehr als 100 Jahre zurückversetzt.

Tags darauf besichtigen wir das Städtchen, anschliessend das Terracotta-Haus eines berühmten Architekten. Dann fahren wir zurück auf den Flughafen von Bogotà. Vielen Dank an Caesar und Herreida für die angenehme Reiseführung!

Im Kaffeeland

Der Flug nach Armenia ist kurz. Die Fahrt zum abgelegenen Hotel ziemlich lang. Wir werden entschädigt mit einer schönen naturnahen Unterkunft im Ecohotel La Negrita mit Bambus-Konstruktion, Palmendach wunderschönem Garten, und zwei liebenswürdigen einheimischen Gastgeberinnen und Köchinnen. Hier übernachten wir dreimal und finden spät abends endlich auch Zeit zum Jassen!

60m hohe Palmen

Jetzt sind wir mitten im Kaffeeland Kolumbien. Zuerst geht’s aber in die Klinik in Armenia zur Kontrolle. Die Blutwerte sind zum Glück am Steigen. Wir sind aber noch immer schwach und zittrig auf den Beinen. Dann führt uns unsere kleine energische Reiseleiterin Isabel mit Fahrer Roberto ins Cocora-Tal. Das ist ein echter Hammer: total grün, gebirgig und überall stechen die riesigen Wachspalmen in den Himmel. Sie werden bis zu 60m hoch, überragen die üppige Natur und geben diesem Gebiet eine unverwechselbare kolassale optische Kulisse. Doris und ich machen eine Reitwanderung mit den kleinen starken Grioio Pferden. Alex und Barbara schaffen es zu Fuss. Zurück auf der Hazienda empfängt uns MarinaToro, ein mächtiger urwüchsiger Mann. Mit eindrücklichen Worten schwört er uns ein auf die überwältigende Natur und die Freundschaft von Kolumbianern und Schweizern. Zum Abschluss des Rituals pflanzen wir in der fruchtbaren Erde eine Wachspalme. Bis sie ihre wahre Grösse erreicht, werden schon dreissig bis vierzig Jahre vergehen.

Im nahen Dorf Salento pulsiert das kolumbianische Bergleben. Filmreife Wildwest Atmospähre aus Pancho Villas Zeiten. Die Cowboys heissen hier Bakeros. In der Dorkneipe spielt man Billard.

Den nächsten Tag widmen wir ganz dem Kaffee. Auf regenreichen 1400– 2000müm gedeihen hier (2x Ernte pro Jahr) die weltberühmten hochwertigen Arabica Bohnen. In der Hazienda Casa San Alberto wird uns der ganze aufwendige Prozess vom Pflegen, Pflücken, Verarbeiten bis zum Versenden der röstbereiten Bohnen eindrücklich demonstriert., Zum Schluss müssen wir noch eine kleine Prüfung der verschiedenen guten und schlechten Düfte machen. Zur Belohnung gibt’s dann ein Attest als Cafetero de Colombia!

Fruchtplantage in den Bergen

Am 16. Oktober nehmen wir Abschied von Isabel und Roberto. Besten Dank für die Reiseführung! Nach einer mehrstündigen Fahrt im Minivan Richtung Medellin treffen wir wieder Nati und Santiago. Sie entführen uns nochmals zwei Stunden weit in die Berge auf eine Fruchtplantage, die Santiagos Vater gehört. Eine kolossale Bergnatur umhüllt uns. Hier arbeiten rund 30 Personen und betreuen fast 7000 Mango- und 4000 Guanàbanabäume. Besonders eindrücklich ist die Guanabana-Pflanze. Aus einer zärtlichen kleinen Blüte (jede einzelne wird von einer Frau mit filigraner Handarbeit bestäubt) wachsen riesige stachelige Früchte, die bis zu 3 Kilo wiegen. In der Ernztezeit kommen viele Pflücker zum Einsatz.

Am Ende des langen Tags mit fast 12 Stunden Autofahrt fallen wir todmüde in die Betten des Hotels Royal in Medellin.

Medellin – weltoffen und modern

Die ehemalige Drogenhochburg unter der Schreckensherrschaft Pablo Escobars ist heute eine pulsierende weltoffene, grüne Grossstadt mitten in den Bergen. Es herrscht das ganze Jahr Frühling. Ein angenehmes Klima mit 18 – 24 Grad Lufttemperatur. Hier wohnen Natalie und Santiago.Wir machen eine Stadtrundfahrt im Hop/onHop Off Bus. Wir lernen ihre Familie kennen: Mutter Kristina, eine ganz feine Persönlichkeit, und die ebenso sympathische Schwester Lia.

Zum Abschluss unserer Reise essen wir in einem schönen offenen Holzhaus am Berghang, mit grandioser Aussicht auf das Lichtermeer der Stadt Medellin. Das Fleisch (Angusbeef) schmeckt einfach grossartig. Kein Wunder: Die Kühe, Rinder und Kälber haben hier ein paradiesisch schönes Leben auf den immergrünen saftigen Weiden.

Dann heisst es einmal mehr Abschied nehmen. Barbara und Alex fliegen nach Bogotà und dann nach Hause in die Schweiz. Wir fliegen nach Santa Marta und kehren zurück zu unserem Zuhause, der Riocaja. Was bleibt, sind unvergessliche Erinnerungen an ein unermesslich grosses weites grünes Land und liebenswürdige Menschen.

Zurück auf der Riocaja

18. Oktober – wir sind zurück auf der Riocaja: Soeren hat uns verlassen. Er besucht in Cartagena einen Spanischkurs. Aber vorher hat er noch das Ruder justiert (mit Herbert) und den Generator repariert. Es war nicht der Zylinderkopf, sondern die Wasserpumpe. Jetzt läuft er wieder flott, Ehre sei Gott!

Wir wollen und müssen uns jetzt noch einige Tage erholen und wieder komplett fit werden. Dann sind wir bereit für neue Taten und Erlebnisse. Wir möchten unbedingt noch den 4 Tages Hiking-Trip in die magische verlorene Stadt Ciudad Perdida machen

Unser nächster fixer Termin ist der 15. November. Dann kommt unser Segelfreund und Skipper Kari Freivogel an Bord. Und zwar in Panama. Das liegt rund 2 1/2 Segeltage entfernt.