Juli 2017 – Februar 2018 Schweiz – Rio Dulce – Belize – Mexico – Baja California – Barrancas del Cobre – Puerto Aventuras

Also jetzt stehe ich vor einem Problem. Wie bringe ich acht Monate unter einen Hut? Ich versuchs möglichst im Zeitrafferrhythmus und lass dann wieder die schönen Fotos von Doris sprechen.

Heimaturlaub Juli – November/Dezember
Vom Juli bis November (Hans) und Dezember (Doris) sind wir in der Schweiz bei unseren Lieben. Wir geniessen zunächst grosszügiges Gastrecht bei Remo Holzherr und Annekatrin Dreier in ihrem schönen Haus in Breitenbach. Von Oktober an hüten wir das Haus für Anja und Patrick. Sie gehen für zwei Monate auf Neuseelandtour.

Zurück auf dem Schiff – Warten auf Ersatzteile
Im November fliege ich zurück zum Schiff in Rio Dulce in Guatemala. Will die Reparatur- und Ausrüstungsarbeiten bis zur Rückkehr von Doris schnell erledigen. Das klappt natürlich überhaupt nicht. Hauptgrund sind Waren, die mehr als zwei Monate beim Guatemalazoll zurückgehalten werden. Niemand weiss warum. Mit uns leiden hunderte von Seglern.

Im Dezember kommt Doris. Bis Weihnachten werden wir fast fertig. Am 26. Dezember ist der letzte Handgriff getan. Wir sind startbereit. Wir «feiern» noch Silvester mit einem gemütlichen Essen in der wunderschönen Casa Perico, schön versteckt zmitts im Dschungel. Mit uns sind Claudia und Rolf von der Santa Gallina, vier Innerschweizer auf einem grossen Guatemala-Trip , sowie Roger und Isabelle aus Quebec (sage ja nicht Kanada), unsere Nachbarn in der  Marina.

Neujahr 2018 – Leinen los!
Am 1. Januar geht’s los. Unser Ziel heisst Mexiko, Karibikküste. Dort wollen und müssen wir vor Ende Januar ankommen. Auf dem Weg nordwärts liegen die vielen schönen Inseln von Belize, die wir ja schon im Mai und Juni besucht hatten.

Bise in der Karibik!
Zunächst haben wir noch zwei Tage einigermassen günstigen Ost-Wind und wir können viel segeln ohne zu Motoren. Wir machen Zwischenhalt in Placencia, da sind wir gut geschützt gegen den kommenden kalten Nordwind. Wir stellen fest: Es gibt tatsächlich auch Bise in der Karibik! Wir warten jetzt auf den Windwechsel. Aber der bleibt aus. Es bläst weiterhin kräftig aus Norden. Genau da wollen wir doch hin. Nach einigen Tagen müssen wir einsehen, dass der Gott des Windes unsere Gebete nicht erhört.

Am 7. Januar setzen wir ein nicht allzu weit entferntes Tagesziel und hissen die Segel. Bei flachem Wasser kommen wir hart am Wind gut voran, am Schluss ankern wir in einer einsamen Bucht. Auf direktem Weg wären es 23 Seemeilen gewesen. Mit Aufkreuzen haben wir 35 zurückgelegt. Aber es war herrliches Segeln im Riffgebiet von Belize.

Genau so kleine Etappen machen wir die folgenden Tage. Am 10. Januar ankern wir vor der Trauminsel Goffs Cay. Der Wind kommt immer noch ungünstig aus Nord Nordost.

Zwei Riesenbuchten für uns allein
Von jetzt an wird’s happig. Wir müssen vom geschützten Riffgebiet von Belize hinaus in den offenen Ozean. Das nächste Ziel ist 140 Seemeilen weit weg (=ca. 24 stunden) und gehört schon zu Mexico. Zu unserem Erstaunen haben wir endlich wieder mal Ostwind. So können wir den ganzen Tag und bis Mitternacht segeln. Dann geht’s noch sechs Stunden mit Motor weiter. Wir ankern in der riesigen Bucht Bahia Espiritu Santo. Sie reicht bis zum Horizont. Wir sind mutterseelenallein. Zum Glück gibt’s die Delfine, die friedlich um unser Schiff kreisen und auf Fischjagd sind.

Die nächste Bucht heisst Bahia de Ascension. Sie ist genauso riesig und menschenleer. Wir erreichen sie in einem Tagesritt, zumeist unter Motor. Es ist für karibische Verhältnisse bitterkalt. Um 18 Uhr sinds 20 Grad. Bei heftiger Nordbise sind das gefühlt nur etwa 13 Grad. Und die Wassertemperatur ist auch nur 23 Grad. Den Delfinen ist das völlig egal. Sie gehen wieder der Fischjagd nach.

Höllenritt durch die Nacht
Wir bleiben einen Tag und hoffen (natürlich vergeblich) auf bessere Windprognosen. So steht uns jetzt eine happige Nachtfahrt bevor. Wir starten noch bei Tageslicht. Zur Bucht hinaus können wir noch zwei Stunden segeln, dann ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Es weht immer heftiger, die Wellen werden höher und höher und wir müssen voll mit Motor gegenan knüppeln. Ein wilde Fahrt mit gewaltigen Schlägen und Belastungen für Schiff und Rigg.

Glück im Unglück
Tatsächlich bricht mitten in der Nacht die Edelstahl-Querstabilisatorstange unserer Dinghyaufhängung – an der genau gleichen Stelle wie fast genau vor einem Jahr im heftigen Sturm vor der Küste Honduras. Zum Glück halten die erst im Dezember neumontierten Solarpanelträger das ganze Stahlrohrgerüst noch einigermassen zusammen. Mit Hoffen, Bangen und Beten erreichen wir am Morgen das Ziel, die perfekt geschützte Marina Puerto Aventuras. Wir atmen durch. Das ist gerade nochmals gut gegangen. Es ist der 15. Januar morgens um 9 Uhr. Wir sind am Ziel. Viva Mexico!!

Puerto Aventuras (ca.30km südlich von Playa del Carmen)
Das ist nicht nur eine Marina für Segel- und Motoryachten, sondern eine riesige Feriensiedlung, mit Appartments, Hotels, Bars, Restaurants, Residenzen, Delfinarium (plus Seelöwen und Seekühe), Golfplatz etc. Zuerst fühlen wir uns hier nicht so wohl, aber wir lernen schnell die Vorzüge kennen. Wir liegen längsseits an einem «Hafenweg» und lernen schnell viele nette Leute kennen, die hier wohnen oder auch arbeiten. Zumeist sind es kanadische oder amerikanische Rentner.

Catamaya
Der netteste und für uns wichtigste ist ein Schweizer: Fabio betreibt nur 50 Meter von uns entfernt ein gutgehendes Business. Mit seinem RiesenKatamaran «Catamaya» entführt er jeden Tag 20 – 60 gut gelaunte Touris hinaus zu einem wunderschönen Riff zum Relaxen und oder Schnorcheln mit hunderten Fischen,  Mantas und Schildkröten. Zum Essen gibt’s saftige Steaks oder frischen Lobster vom Grill, Drinks nach Wunsch. Es ist wirklich grossartig – er hat uns zweimal eingeladen!

Viva Fabio
Fabio hilft uns einfach viel und grosszügig. Er freut sich auch riesig, dass er mal wieder schweizerdeutsch sprechen kann. (Hier hats fast ausschliesslich nur Amis und Kanadier und Mexicaner). Er vermittelt uns einen Schweisser, der unser Stahlgerüst so massiv verstärkt, dass wir diesmal überzeugt sind, dass es dauerhaft halten wird! Seine Marineros füllen unsere Gasflaschen nach, ein versierter Mechaniker behebt ein Leck bei der Kühlwasserpumpe des Motors.etc.etc.

Muchas Gracias, José
So fällt es uns überhaupt nicht schwer, das Schiff für unsere geplanten Reisetrips für längere Zeit zu verlassen. Denn Fabios Marinero José schaut jeden Tag nach und lässt den Entfeuchter laufen, so dass unsere Riocaja innen furztrocken bleibt !

Damit wären wir bei den Landtrips. Das werden absolute Highlights!

Roadtrip im Mayaland
Es fängt gemächlich an: Wir mieten ein Auto und klappern viele Maya-Stätten ab: Chitchen Itza, Uxmal, Tulum, Cobà. Dazu die schöne Stadt Campeche. In vier Tagen legen wir mehr als 2000km zurück. Das ist kein Problem, Es hat gute Highways mit nur ganz wenig Verkehr. Zudem ist die Halbinsel Yucatan fast vollkommen flach, Die höchsten Erhebungen sind eigentlich die Maya Pyramiden. Und die grössten Hindernisse sind die unzähligen Speedbumps, das sind Schwellen, die man nur im Schrittempo überwinden kann.

Cenote Aktun Chen – glasklares Wasser unter der Erde
Ein Tagesausflug führt uns in das faszinierende Höhlensystem Aktun Chen. Das unterirdische Schwimmen in der toll beleuchteten Cenote in wirklich glasklarem Wasser ist ein grossartiges Erlebnis!

 

Von der Karibik zum Pazifik in 5 Stunden
Am 3. Februar geht’s dann auf ganz grosse Reise: Mit Volaris (easy-jet auf zentralamerikanisch) fliegen wir von Cancun via Guadalajara nach La Paz, der Hauptstadt von Baja California an der Pazifikküste. Diese riesige Halbinsel ist ein Naturparadies und war schon immer ein Traumziel von mir.

Baja California – einfach kolossal
Wir schliessen uns einer kleinen deutschen Reisegruppe (total elf Personen plus Reiseführer und Chauffeur)an und sind elf Tage unterwegs. Was wir jetzt erleben, ist einfach kolossal und fast nicht zu beschreiben.

Baja California Sur ist riesig und fast zu Hundertprozent ein geschützter Nationalpark. Es ist nur ganz spärlich bevölkert und es hat nirgendwo Touristen und entsprechende Hotelburgen (ausser ganz am Südzipfel bei Cabo San Lucas). Wir fahren stundenlang einsam auf guten Highways durch faszinierende Kaktuswüsten, Gebirge, Canyons und Sanddünen. Es ist gewaltig.

Kaktus -600 Jahre alt
Unser Reiseführer Frederico erzählt spannende Geschichten aus der Geschichte dieser Halbinsel. Er kennt jede einzelne Pflanze und wir wissen jetzt auch,  dass es x unterschiedliche Kakteenarten gibt. Viele werden bis über 10 Meter hoch. Eine spezielle Art wächst nur 3cm pro Jahr, dh was wir da zum Teil sehen in den Himmel ragen, steht schon seit 300 – 700 Jahren da. Im Sierra San Francisco Gebirge sehen wir mehrere tausend Jahre alte Zeichnungen von Höhlenbewohnern. Überhaupt: Baja California sieht genauso aus wie schon vor tausend und mehr Jahren. Wo man hinschaut: Weit und breit kein Zeichen von Besiedelung. Nur eine Handvoll Orte in einem Gebiet viel grösser als die Schweiz.

Wichtige Meldung aus der Schweiz!

Am 8. Februar erreicht uns die seit zwei Tagen sehnlichst erwartete Nachricht aus der Schweiz: Unsere Tochter Bianca hat ihr zweites Kind geboren. Nico’s Schwester heisst Leya und ist kerngesund. Wir freuen uns riesig als Grosseltern aber noch viel mehr für die stolzen Eltern Bianca und David. Wir waren zwar weit weg, aber dank Whatsapp Video waren wir die Ersten, die Leya «live» bewundern durften.

Salzwüste
Auch grossartig: die Meersalz (durch natürliche Verdunstung) Gewinnungsanlage Guerrero Negro ist die zweitgrösste in der ganzen Welt. Faszinierende Weisse Wüste, so weit das Auge reicht.

Hautnahe Begegnung mit den Grauwalen
Auf drei Whale Watchingtouren in kleinen Motorbooten gehen wir auf Tuchfühlung mit den riesigen Grauwalen. Sie sind bis 15m und 30 Tonnen, bewegen sich aber sanft und geschmeidig. Blasen riesige Fontänen aus und springen fast mit der ganzen Körpermasse aus dem Wasser. Sie lassen sich von uns nicht stören und einige kommen tatsächlich zum Boot und wollen gestreichelt werden. Die könnten doch mit einem Schlag ihrer Schwanzflosse unser Boot umkippen. Was für ein Erlebnis mit einem Urtier der Erde!

Schnorcheln mit Seelöwen und Whalesharks
Wir schnorcheln mit Seelöwen bei einer windumtosten Felseninsel. Und zum Abschluss auch mit Whalesharks. Die sind trotz ihren 7 Metern Länge friedliche Vegetarier (Plankton). Bei trüber Sicht schaue ich ihm plötzlich direkt in sein riesiges breites Maul!

Nach der Gruppenreise bleiben wir Zwei noch einen Tag in La Paz und platzen mitten in den Carnaval-Umzug. Doch das nächste Abenteuer wartet schon!

Adios Baja – Bienvenidos El Chepe!

Mit dem Flugzeug hopsen wir in einer Stunde rüber zum Festland. El Fuerte ist der Ausgangspunkt für die Fahrt mit dem legendären El Chepe Zug in die atemberaubende Berglandschaft im wilden Nordwesten Mexicos. Die Strecke von Los Mochis nach Chihuahua (sprich Dschiwaua) misst 650km und führt von Meereshöhe bis auf 2400Meter mitten in die gewaltigen Barrancas del Cobre. 37 Brücken. 86 Tunnels. Bauzeit 60 Jahre. Eröffnung 1961.

Barrancas del Cobre – Gewaltige Berge und Canyons
Das Gebirge mit tiefsten Schluchten ist noch eindrücklicher und grösser als der berühmte Grand Canyon. Von Aussichtspunkten blickt man über 1000Meter hinunter zu Tälern und einigen Dörfern. Das berühmteste heisst Urique. Dort findet jedes Jahr ein Ultramarathon statt mit Teilnehmern aus der ganzen Welt (>google Ultra Caballo Blanco Urique).

Indianerland – Raramuri
Bewohnt ist dieses gewaltige Berg- und Canyongebiet nur ganz spärlich. Das Tarahumara Indiovolk heisst Raramuri, was so viel bedeutet wie «die leichten Läufer»). Sie leben noch genauso wie früher. Und sie sind wirklich extrem gute ausdauernde Läufer.

Adventure Park – der längste Ziprider der Welt
Wir machen drei Zwischenstopps mit Übernachtung. Am zweiten Stopp am höchsten Punkt über der tiefsten Schlucht hat es einen Parque de Aventura mit atemberaubenden «Tirolesas» (Zipline-Seilrutschen, gebaut von Schweizern/Garaventa). Mit dem Zip-Rider (man sitzt allein in einem Sesseli) rauscht man mit bis zu Tempo 135km/h 2,5km in die Tiefe, die Fahrt dauert 2 Minuten und 30 Sekunden. Es ist die längste der Welt.

7 Ziplines und 2 Hängebrücken
Wir entscheiden uns aber für die 2 ½ stündige Zipline-Tour.  Da wird der Adrenalinausstoss über den schwindelerregenden Schluchten gut verteilt auf 7 Etappen (total 4,2km, Höchsttempo 110 kmh) plus Querung von zwei ultraschmalen Hängebrücken. Am Schluss bringt uns eine Seilbahn von 1200m bequem wieder hinauf bis auf 2400Meter. Was für ein Erlebnis – inmitten dieser faszinierenden Bergwelt! (> www.ziprider.com)

Im Wilden Westen
Dann geht’s weiter mit dem EL Chepe, der sich durch Berge und Hochtäler schlängelt. In der kleinen Bergstadt Creel steigen wir aus und übernachten in einem grossen Best Western Hotel-Holzblockhaus. Wildwest-Atmosphäre wie einst zu Bonanza-Zeiten auf der Ponderosa-Ranch. An den Wänden Tierfelle und alte Fotos von Pancho Villa, dem grossen Mexikanischen Revolutionär.

Nach fast drei Wochen mit emsigem Reisen und intensivem Erleben gönnen wir uns jetzt einen Relax-Tag und eine Zusatznacht im Best Western. Die vielen unvergesslichen Eindrücke müssen wir erst einmal verarbeiten.

Welcome Back auf der Riocaja
Am 19. Februar (In Basel ist Morgestraich) geht’s per Bus nach Chihuahua und tags darauf mit dem Flieger via Mexico City zurück nach Cancun und zu unserem Schiff.

Fazit: Dieser Urlaub von unserem Segleralltag war eine Wucht und hat uns und unserer Partnerschaft enorm gut getan. Wir sind frisch motiviert für die nächsten Reisen mit der Riocaja.

Kuba ja oder nein?
Unser Wunschziel ist eigentlich Kuba. Aber das geht nur bei ganz günstigen Windbedingungen. Ansonsten steht wieder eine gewaltige Knüpplerei gegenan. Und das möchten wir auf keinen Fall mehr erleben. Hier in Mexico hat es auch noch ein paar schöne Inseln und Orte. Und südlich in Belize wartet noch ein besonders reizvolles Ziel auf unsere Entdeckung: das Lighthouse Reef mit dem weltberühmten Tauchspot, dem «Blue Hole».

Cancun oder Havanna?
So machen wir jetzt noch in aller Ruhe das Schiff klar, gönnen uns einige erholsame Tage in Puerto Aventuras – und freuen uns auf den Besuch von Sohn Dario, ca. Mitte März. Wir müssen ihm vorher aber noch mitteilen, wohin er fliegen soll: Cancun oder Havanna….