9.3. – 30.6.17 Rio Dulce – Livingston – Placencia – Belize City – Goffs Caye – Caye Caulker – Turneffe Reef – Glovers Reef – Tobacco Caye – M. Long Caye – Spanish Lookout Caye – Robinson Cays- – Belize City – Spanish Lookout Caye – Garbutt Cay – Placencia – Laughing Bird Caye – Rendezvous Cay – North Long Cocoa Caye – Ranguana Caye – Sapodilla North East Caye – Lime Caye – Livingston – Rio Dulce

Hoppla – jetzt sind doch schon fast vier Monate verstrichen seit unserem letzten Reisebericht. Höchste Zeit, wieder in die Tasten zu Tippen.

 

Von März bis Ende April, da könnte ich mich eigentlich kurz fassen. Wir haben repariert, renoviert, aber auch relaxt und es uns gut gehen lassen. Das Sundogcafe und das Shacks das sind die beliebten stimmungsvollen Treffpunkte der Segler aus aller Welt. Je einmal die Woche mit Live Music.

Eine Testfahrt die ist lustig
Ein Erlebnis möchte ich euch aber nicht vorenthalten. Am 26. März machen wir eine Testfahrt mit unserem neuen Vorsegel (in der Seglersprache eine Genua). Mit dabei sind der Sailmaker Luigi, sowie unsere Segelfreunde Gary und Sharon. Doch kaum haben wir das Segel ausgerollt – da gibt es einen Knall… und unsere neue Genua saust herunter. Der (alte) Edelstahlschäkel (mit dem das Segel zum Masttop hochgezogen wird) ist gebrochen! Der Schaden ist aber schnell behoben. Ich winche Gary den Mast hoch (18Meter über dem Wasserspiegel), er holt das Fall mit dem kaputten Schäkel runter. Und wir montieren einen neuen.

Kaum wieder unterwegs folgt der nächste Schreck. Plötzlich stoppt das Schiff. Wir sind auf eine Sandbank aufgelaufen. Alle Bemühungen, mit eigener Motorkraft wieder freizukommen, misslingen. Doch die Rettung naht. Ein Motorboot mit vier Hobbyfischern kommt vorbei und mit voller Kraft ziehen sie den «Karren» wieder aus dem Dreck. Besten Dank!

Kleiner istr besser
Dann endlich können wir segeln und wir haben eine riesige Freude mit dem neuen Segel! Die Riocaja spürt diese Freude auch und gleitet einfach wunderbar übers Wasser. Ein geiles Gefühl – auf allen Kursen (Hart am Wind, Halbwind und Raumschot). Wir sind (ausser bei leichtem Wind) genauso schnell oder gar schneller unterwegs wie mit der alten übergrossen Genua. Das schönste dabei:  Wir müssen nicht mehr reffen (Segelfläche verkleinern), wenn der Wind auffrischt. Bis Windstärke 7 (30Knoten) alles kein Problem!

Wasseralarm
Doch auf die Freude folgt doch gleich wieder ein Schock: Am nächsten Tag öffnet Doris eine Bodenplatte und kontrolliert die Bilge (der tiefste Punkt im Schiff, wo alles eindringende Wasser hinfliesst). Und was sieht sie – das dreckige Wasser steht fast bis Bodenhöhe! Das sind gut und gerne 150 Liter.

Gemeinsam mit Luigi und den Mechanikern forschen wir nach der Ursache. Ist ein Durchlassventil kaputt und/oder leckt? (Wir haben total 14 Throughhulls). Nein. Am Kiel kann auch nichts passiert sein beim sanften Auffahren am Vortag. Jetzt wo das Schiff am Steg liegt, fliesst nirgendwo Wasser rein…

Mechaniker Pex wird schliesslich fündig. Die Stopfbuchse (da wo die Kurbelwelle aus dem Schiff austritt) ist undicht. Das Wasser muss gestern beim Versuch, das Schiff im Rückwärtsgang frei zu motoren, eingedrungen sein!

Das Resultat: Ein neuer teurer Punkt auf der langen ToDo-Liste. Eine neue Dichtung muss aus den USA organisiert und montiert werden. Und dazu muss das Schiff aus dem Wasser genommen werden.

 

Leinen los – wir segeln nach Belize
Endlich: Am 28. April – fast vier Monate nach unserer Ankunft in Rio Dulce –  ist die Riocaja wieder startklar. Mit komplett revidiertem Motor und Generator. Mit neuem Vorsegel. Mit vielem mehr. Und mit neu motivierter Crew. Unser Ziel heisst Belize. Ein landflächig kleines Land – aber gesegnet mit dem zweitgrössten Riffgebiet der Welt, mit unzähligen kleinen Inseln. Ein Paradies für Segler, Taucher und Fischer. Und für alle Leute, die mal Abstand von Stress und Alltag suchen – auf einer abgelegenen Robinsoninsel.

Wermutstropfen
Beim Lossegeln begleiten uns auch wehmütige Gedanken. Denn eigentlich wollten wir ja schon vier Monate zuvor in Belize sein. Dort erwarteten uns unsere Tochter Anja und Freund Patrick. Sie wollten mit uns gemeinsam Weihnachten und Neujahr auf der Riocaja feiern. Leider kam es ja ganz anders. Wir mussten mit der arg lädierten Riocaja in schwerem Sturmwetter nach Rio Dulce ausweichen,  wo wir das Schiff reparieren mussten. Und Anja und Patrick mussten unverrichteter Dinge wieder heimreisen!

Belize – ein tückisches Revier
Auch wir wollen keinen Stress und planen nur in gut machbaren Tagesetappen. Gemütliches Inselhüpfen ist angesagt. Damit es uns aber nicht allzu gemütlich wird, dafür sorgen das flache Wasser (Wassertiefe im ganzen Gebiet nur 3 – 20 Meter)  , die vielen Riffe und die Untiefen… und die höchst ungenauen elektronischen Karten. Und auch der ausführliche und hilfreiche Cruising Guide (über 400 Seiten) hat seine Fehler, wie wir in der Folge da und dort feststellen werden. Augapfel-Navigation ist daher enorm wichtig. Aber auch die nützt nichts mehr, wenn die Sonne nicht hoch und in unserem Rücken steht…

Grundberührung
… aber immerhin: es ist uns gelungen, mehr oder weniger souverän zu navigieren. Mit unseren 2m Tiefgang sind wir nur zweimal sanft aufgelaufen. Vielfach hatten wir nur noch 10 – 30cm Wasser unter dem Kiel! Das war schon ein mulmiges Gefühl!
Wind und Wetter stimmen. Wir segeln nordwärts. Wir geniessen den tollen Speed mit dem neuen Vorsegel. Wir ankern in einsamen Buchten. Und wir freuen uns auf Dario. Unser Sohn kommt am 6. Mai zu Besuch.

Dario im Anglerglück
Mit Dario erleben wir zweieinhalb fantastische Wochen. Fast immer Sonne und guter Wind. Er findet vor allem auch Freude am Angeln. Zuerst repariert er die komplexe Shimano-Spule mit flinken Händen. Dann ist die Schleppangel draussen. Vorerst noch ohne Erfolg. Vielfach ist zwar etwas dran, aber das ist Sargasso-Algengras, das sich im Widerhaken verfängt. Mit Engelsgeduld macht er weiter. Und wird schliesslich auch belohnt. Auf dem Weg zum Turneffe-Reef beisst ein Fisch an. Und was für einer. Es ist ein 90cm langer Barracuda! Kaum ist er an Bord geholt und die Schleppangel wieder ausgespult, da «klingelts» grad nochmal:  wieder ein Barracuda – etwas kleiner.

So geniessen wir den Luxus, den kleineren Fisch einem einheimischen Guide und seinen drei Gästen zu schenken. Und den grösseren, von Doris perfekt filetiert, selbst zu verspeisen. Ein köstliches Dinner, an der schönsten Ecke der Welt!

Tobacco Cay – eine Trauminsel ganz real
Ganz speziell gefällt es Dario und uns auf Tobacco Cay. Hier auf diesem ca. 80x50m kleinen Flecken stimmt alles: Trauminsel-Ambiente, eine coole Bar mit schöner Aussicht, ein paar einheimische Tourguides und eine Handvoll junge Amerikaner, die zum Schnorcheln und Tauchen hier in der Lodge zu Gast sind. Dazu ein natürlicher türkiswasser«Pool», in dem sich schöne Eagle RayRochen und kleine Haie tummeln.

Bei der Inselbesichtigung  entdecken wir, gut versteckt im Palmenwald, einige einheimische Pfahlbau Häuser, und sogar eine zweite Lodge hat hier Platz gefunden. Vermutlich ist das die dichtbesiedelste Micro-Insel der Welt. Aber vom Schiff ausgesehen, siehst du davon gar nichts.

Von 0 auf 100 in einer Nacht
Ein weiteres Aha-Erlebnis haben wir auf Goffs Cay. Eine unbewohnte Insel mit feinstem weissen Korallensand. Als wir am Nachmittag ankommen, begrüssen uns nur zwei Park Ranger. Sonst sind wir allein. Doch am nächsten Morgen gegen Mittag ist es dann vorbei mit der Ruhe. Plötzlich tauchen drei Motorboote auf. Sie bringen ca. 80 Kreuzfahrtgäste zum Relaxen und Schnorcheln mit. Gegen 16 Uhr ist der «Spuk» dann wieder vorbei.

Mit Dario entdecken wir noch weitere Bilderbuch Orte und Riffe, wie Caye Caulker, oder Turneffe Reef und Glovers Reef. Riesige Riffgebiete mit winzigen Inseln und kristallklarem Wasser.

Ein Abschied der besonderen Art
Doch der Abschied naht. Und er wird ungewollt kurz und äusserst gefährlich. Vor Belize City hat es keine geschützten Ankerplätze. Der Wind weht heftig von Ost, es hat grosse Wellen und Brandung. Wir versuchen zu ankern. Das Boot schaukelt heftig auf und ab. Der Anker hält nicht. Wir werden aufs Land zugetrieben. So müssen wir das Dinghy und den Aussenborder im heftigen Wellengang zu Wasser lassen. Ein schnelles Tschüs. Doris und Dario steigen ein. Ich bleibe zurück und halte das Boot mit eingelegtem Vorwärtsgang einigermassen an Ort. Doris  bringt Dario an Land, wo das Taxi zum Flughafen wartet. Nochmal ein schnelles Umarmen. Dario fährt los und Doris kehrt sofort zur Riocaja zurück.

Dario, vielen Dank für diese wunderbaren zweieinhalb Wochen!

Jetzt bleiben uns noch gut zwei Wochen, bevor wir wieder zurück nach Rio Dulce wollen – in die hurrikanfreie Zone.

David gegen Goliath
Wir hüpfen von einer einsamen Insel zur nächsten. Die Riocaja (13m) speedet haarscharf am Kreuzfahrtriesen MSC Opera (320m) vorbei. Wir geniessen das Segeln über herrlich klares Wasser. Ankern zum Beispiel bei der Rendezvous Caye, die früher einmal dem Beatle Ringo Starr gehört hat. Sein Haus steht noch, ist aber mehr oder weniger verfallen. Genauso die anderen Gebäude – der jetzige Besitzer wollte ein Luxusresort erstellen, ist aber steckengeblieben – aus welchen Gründen auch immer. An dem in allen Farben leuchtenden Wasser und dem feinsten Sandstrand  kann es auf jeden Fall nicht liegen.

Monkey River Tour
Bei einem Einkaufszwischenstopp im schönen Örtchen Placencia buchen wir eine Tour mit einem Lancha (Motorboot) und bestaunen die wunderbar intakte Regenwaldnatur im Monkey River National Park. Unterwegs sehen wir auch einige Manatees (Seekühe).

Ranguana Cay – Trauminsel 2 – ganz real
Nach viel Einsamkeit freuen wir uns ganz besonders auf Ranguana Caye, wo wir wieder in bester Gesellschaft sind. Schon wieder sind wir mal an der «schönsten Ecke der Welt». Teilen dieses Paradies mit den wenigen Lodge-Gästen und den paar Tagestouristen, die mit dem Schnellboot angesaust kommen. Gemeinsam gehen wir mit einem Guide auf Schnorcheltour,  sehen dabei erstmals einen kleinen Nurse Shark. Im türkiswasser vor dem Sandstrand ziehen Eagle Ray-Rochen vorbei. An der Bar gibt’s coole Drinks und nette Gespräche. Und zum Abendessen zaubert der einheimische Koch ein fantastisches Fischmenü auf den Tisch.

Handarbeit
Damit wir vor lauter Südsee/Karibik-Romantik nicht übermütig werden, dafür sorgt die elektrische Ankerwinch, die plötzlich ihre wertvollen Dienste einstellt. Wir nehmen das sportlich und holen fortan den schweren Anker und die bis zu 60 Meter lange Kette mit Mannes- und Frauenkraft hoch.

Hasta luego Belize
Am 9. Juni sind wir bei Lime Cay, dem südöstlichen Ende der Belize-Inselwelt. Wir starten vor dem Sonnenuntergang zu unserer Nachtfahrt bis Rio Dulce. Im schönen Vorabendlicht gleiten wir ruhig dahin und bewundern ein letztes Mal das fantastisch klare Wasser – man sieht bis zum Boden auf 7 – 12 Meter Tiefe.

Bienvenidos Rio Dulce
In der Nacht überstehen wir ein heftiges Gewitter – natürlich mit Regen und Gegenwind. Um  08 Uhr 30 erwartet uns Hector mit seinem starken Fischerboot. Das Abschleppseil wird an der Mastspitze fixiert, die Riocaja (2m Tiefgang) wird ca. 45 Grad in Schräglage versetzt und dann über die nur ca. 1 Meter 70 tiefe Schlammsandbarre gezogen. Dann sind wir im Rio Dulce. Wir klarieren in Guatemala ein und fahren dann gemütlich den Fluss «hoch» und erreichen vier Stunden  später unseren Liegeplatz in der Luvis Marina.
Sommerpause – Hurrikansaison
Jetzt haben wir noch Zeit, um die anstehenden Reparaturen (inklusive Ankerwinch) auszuführen, Ersatzteile und Ausrüstungsmaterial zu bestellen und die Riocaja für die Sommerpause während der Hurrikansaison (Juli – November) vorzubereiten.

Heute ist der 30.Juni. Die  Riocaja liegt bestens geschützt gegen Sonne, Wind, Sturm und Regen. Wir sind heimreisefertig.
Aber bevor wir am 11. Juli in den Flieger nach Basel steigen, werden wir mit Bus und Mietwagen noch das wunderbar schöne Land Guatemala bereisen.

Die weiteren Reisepläne mit der Riocaja sind noch nicht fixiert. Fest steht aber, dass wir im November zurückkehren und noch mindestens eine Saison weitersegeln.

Jetzt freuen wir uns riesig auf unsere Lieben zuhause in der Schweiz, ganz speziell natürlich auf unser Grosskind, den eineinviertel-jährigen Nico!

 

 

Ein Gedanke zu “9.3. – 30.6.17 Rio Dulce – Livingston – Placencia – Belize City – Goffs Caye – Caye Caulker – Turneffe Reef – Glovers Reef – Tobacco Caye – M. Long Caye – Spanish Lookout Caye – Robinson Cays- – Belize City – Spanish Lookout Caye – Garbutt Cay – Placencia – Laughing Bird Caye – Rendezvous Cay – North Long Cocoa Caye – Ranguana Caye – Sapodilla North East Caye – Lime Caye – Livingston – Rio Dulce

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