3.3. – 30.4.16 Bocas del Toro – Almirante – Bocas del Toro – Costa Rica – Bocas del Toro

Das schönste und wichtigste Ereignis vorweg!

Für alle, die es noch nicht wissen: Wir sind erstmals Grosseltern geworden. Unser Enkelkind Nico kam am 23. April zur Welt. Mutter Bianca und ihr Partner David sind stolz und glücklich über ihren gesunden und munteren Sohn. Damit sie ihr Grosskind selbst geniessen und in die Arme nehmen kann, fliegt Doris vom 27. April bis zum 13. Mai nach Hause.

Der Alltag in den „Ferien“

Das Leben auf dem Segelboot ist nicht einfach Ferien ohne Ende – es ist auch Alltag genau wie zuhause. Wir müssen putzen, einkaufen, reparieren, neue Ausrüstungs- und Ersatzteile beschaffen, uns mit den Immigrations- und Zollbehörden “herumschlagen“ etc. etc. Gerade hier in Panama ist es ganz schwierig, Ersatzteile zu bekommen. Obwohl jedes Jahr zig tausend Schiffe den Panamakanal durchqueren, hat es keinen einzigen grossen Ship-Chandler im ganzen Land! Das heisst, man muss alles in den USA bestellen. Das ist erstens sauteuer und die Lieferzeit beträgt mindestens drei bis vier Wochen. So geschehen bei uns z.B. mit einer neuen Toilette. Da wir eh wochenlang auf der Werft lagen, war die Lieferfrist kein Problem. Der Einbau ist auch kein grosses Problem. Die Montageschrauben am Boden passen genau in die vorhandenen Bohrlöcher. Aber als wir die zwei Schläuche für Zu- und Abwasser andocken wollen, passen beide….natürlich nicht. So heisst es, entweder passende Adapterstücke aus Kunststoff oder Messing zu finden oder neue passende Schlauchrohre zu beschaffen. Wir wandern von Ferreteria zu Ferreteria, in drei Städten. Aber nirgendwo gibt’s das eine und auch nicht das andere. Was jetzt? Zum Glück fliegt Doris am 27. April für 14 Tage in die Schweiz. Da kann sie die Adapterstücke (hoffentlich) beschaffen. So wird aus einer relativ einfachen Sache ein kleines Abenteuer für sich.

Die grosse lange Reparatur

Eine ganz harte Zeit machen wir vom 26.2. bis zum 22.3. auf der Werft in Almirante durch. Sie liegt total in der Mangrovenpampa. Das Dorf liegt zehn Motorbootminuten entfernt. Die mikroskopisch kleinen Chitras plagen uns jeden Morgen und Abend. Und die Reparaturarbeiten gehen nur langsam voran. Unser amerikanischer Ingenieur sagte bei der Auftragsbesprechung mit dem Werftmanager, dass die Arbeiten in 8 -10 Tagen ausgeführt werden können. Daraus wurden dann beinahe fünf Wochen. Aber wir waren darauf vorbereitet und machten uns keine falschen Hoffnungen. Hier geht die Arbeit nach Panamazeit voran, mit viel Warten und den Werftarbeitern hinterherrennen etc. Zum Glück kam uns unser Freund und Bootsbaumeister Holger aus Deutschland zu Hilfe. Er hat dann die meisten Arbeiten ausgeführt. Und die Antifoulingfarbe gegen den Muschel- und Algenbewuchs haben wir schliesslich auch selbst aufgetragen. Genauso wie die Politur, die unsere Riocaja wieder wie neu samtmattglänzend aussehen lässt.

Ende gut – fast alles gut!

Endlich sind wir fertig. Der Ruderschaft ist abgedichtet mit Epoxy. Kein Tropfen Wasser dringt mehr ein. Das riesige Ruder passt millimetergenau, dank einem neuen Lager gibt’s keine Rumpelgeräusche mehr. Der Skegbereich um den Ruderschaft wurde aussen und innen mit mehreren Glasfaserlagen verstärkt, ebenso der Kiel im vorderen Bereich. Der Rumpf der Riocaja ist damit stärker denn je.

Vorwärts? Rückwärts!

Wir lassen das Schiff ins Wasser absenken, prüfen die Dichtigkeit. Drehen am Ruder. Alles picobello! Die Traggurte werden gelöst. Wir können losfahren. Doris legt den Vorwärtsgang ein…und….das Schiff fährt rückwärts!! Doris reagiert blitzschnell und stoppt das Schiff sofort ab. Sonst wären wir in den Betonsteg gefahren.

Was ist passiert? Die Riocaja hat einen Max-Prop. Das ist ein sogenannter Verstell-Propeller. Der optimiert (bei richtiger Einstellung) den Wirkungsgrad der drei Flügel für die Vorwärts- und die Rückwärtsfahrt. Und beim Segeln in der Neutral-Stellung (Leerlauf) bieten diese keinen Widerstand gegen die Wasserdruck. Das bringt ein Plus an Geschwindigkeit (Im Seglerdeutsch heisst das „Fahrt durchs Wasser“) von etwa einem halben Knoten (je nach Windstärke etwa + 7 bis 10 Prozent).

Weil der Motor in Fahrt nur bis ca. 2100 Touren pro Minute und 6 Knoten Tempo kam, waren wohl die Flügel des Max-Prop falsch eingestellt. Ein Mechaniker kam und hat das korrigiert. Entsprechend der Tabelle auf der Bedienungsanleitung für (im Vorwärtsgang) Motoren mit rechtsdrehender Kurbelwelle. Dies hatte der Mech gar nicht geprüft, weil praktisch alle Segelyachten so ausgestattet sind. Unser Schiff ist aber eines der seltenen Exemplare mit linksdrehender Welle!

So heisst es also: Schiff wieder angurten, hochheben und einige Meter zurückfahren, bis der Propeller über festem Grund ist. Mechaniker Richard kommt mit seinem Motorboot angedüst, stellt die Flügel auf linksdrehend um, und nach einer guten Stunde sind wir zurück im Wasser. Und Vorwärts ist wieder Vorwärts. Wir verholen uns zu einer Ankerboje direkt vor der Marina. Die Testfahrt muss bis morgen warten.

Wir sind natürlich sehr gespannt auf die Leistungssteigerung unseres Motors. Und das Resultat ist sensationell: Der Motor dreht bis über 3500 Touren und wir speeden mit fast 8 Knoten Fahrt durchs Wasser! In der sogenannten Marschfahrt, (wirtschaftslichste Dauerfahrt ) bei 2800 – 3000 Touren sind es beachtliche 7 – 7,5 Knoten. Das ist eine Leistungsoptimierung von 15 – 20 Prozent. Notabene bei einer Korrektur des Stellwinkels von nur 2°. Fast ebenso wichtig: Der Schub bei Vor- und Rückwärtsfahrt ist ebenfalls markant direkter und besser wie vorher. Wir sind begeistert! So macht das Manövrieren unter Motor wieder richtig Spass.

Die Riocaja ist bereit – wir aber gar nicht

Die Riocaja ist jetzt wieder voll fahrtüchtig und eigentlich bereit für die nächste grössere Reise. Die muss aber warten, denn Doris fliegt ja zur Geburt unseres Enkelkinds nach Hause (27.4. – 13.5.).

So machen wir erst kleine Ausfahrten mit Holger, der noch einige Tage bei uns bleibt.

Es kommt aber keine Freude auf. Wir sind gar nicht gut drauf! Auch als uns Holger verlassen hat, wird es nicht besser. Im Gegenteil. Die harte Zeit in der Werft hat ihre Spuren hinterlassen. Den Spannungen und Missstimmungen auf dem kleinen Schiff kann man nicht einfach entfliehen. Wir sitzen ja mittlerweile fast zwei Jahre ununterbrochen „aufeinander“. Und wir sitzen jetzt schon fünf Monate in Bocas del Toro fest. Wir stecken in einer Sackgasse. Das macht alles nur noch schwieriger. Nach zermürbenden Disputen finden wir uns wieder. Auch mit Hilfe unserer Kinder. Wir halten Friedensrat und beschliessen, dass wir sofort Ferien benötigen – eine Auszeit von unserem engen Seglerleben. Ferien vom Alltag.

Ferien vom Segelalltag

So planen wir kurzerhand eine Reise ins Nachbarland Costa Rica. Unsere Riocaja liegt wohlbehütet in der Marina Carenero. Seglerfreunde empfehlen uns ein schönes Hotel. So fahren wir am 8. April mit dem Wassertaxi nach Almirante, weiter mit dem Minivantaxi bis zur Grenze bei Sixaola. Dann mit dem öffentlichen Bus bis San Jose, umsteigen nach Cartago, nochmals umsteigen bis Orosi. Nach gut elf Stunden sind wir am Ziel. Wir sind in einer wunderschönen Lodge (www.orosilodge.com) in einem wunderschönen Tal. Die ganze Last fällt von uns ab.

In der von einem deutschen Paar geführten Lodge schnappen wir uns in der Bibliothek einen deutschen Reiseführer und lassen uns auch von Hotelmanager Sebastian beraten. Wir sprechen mit anderen Hotelgästen aus der Schweiz und Deutschland. So entsteht innert zwei Tagen aus unserem Adhoc-Trip eine schöne und spannende 13-Tage-Reise durch Costa Rica.

13 Tage Costa Rica

Ja, von dieser Reise könnten wir stundenlang berichten. Aber ich möchte mich möglichst kurz halten und das Geschehene im Zeitraffer vorüberziehen lassen:

Mietwagen gebucht, 1600 Kilometer stressfrei abgespult, zumeist bei wenig Verkehr, vielfach auf unwegsamen steinigen Feldstrassen (ein 4×4 wäre die bessere Wahl gewesen). Aber immer angekommen, auch Flussdurchquerungen haben wir geschafft. Mehrere Nationalparks besucht. Einer so schön wie der andere. Vulkan-Tour auf 3500 müM. Mountain Bike Tour. Botanischer Garten mit tausend Orchideen. Birdwatching am frühen Morgen. Den seltenen Quetzal gesehen mit seinem langen Federschwanz. Die grossen blau roten Ara Papageien. Grossschnabelige Tukans, viele weitere Vögel (die Lieblingsmotive von Fotografin Doris). Spider-Monkeys, die wohl gelenkigsten Affen der Welt, turnen in den Bäumen herum. Eine Familiengruppe Kuatis (ähnlich einem Ameisenbär, aber zählt zu den Primaten) wühlt nach Krebsen, ihrer bevorzugten Nahrung. Riesige Krokodile. Kleine Kaimane, Leguane. Schlangen. Winzige Frösche (inkl. giftiger Red Frog) Schmetterlinge in allen Farben. Mit dem Sesselilift (Air-Tram) durch und über den Baumwipfeln des Regenwalds. Zip-Lining. Die längste Line war 1000 Meter. Senkrechtes Abseilen (80 Meter) neben einem Wasserfall. Und wieder hochsteigen an einer Himmelsleiter. Fantastisches River-Rafting im Rio Balsa. Ritt auf einem Wildwestpferd. Erdbeeren pflücken auf 2600müM. Indio Siedlungs-Ruinen im Dschungel…

PURA VIDA!

Costa Rica heisst ja auch die Schweiz Südamerikas. Das trifft in manchen Punkten wirklich zu. Das Land ist sehr sauber (Abfalltrennung), vielseitig und abwechslungsreich (Karibik, Pazifik, Regenwald, frühlingshaftesBergklima, gewisse Berg/Hügel-Landschaften sehen voralpmässig aus) und touristisch sehr gut entwickelt ( inkl. viele schöne und teure Eco-Lodges und Resorts), aber alles ist auch sehr teuer. Viel teurer wie in den den Nachbarländern (das kennen wir doch…?)

Aber: Es ist einfach atemberaubend und begeisternd. Natur pur. Getreu dem Landes- und Lebensmotto PURA VIDA.

NICO ist da!

Uns hat diese Reise quasi „gerettet“. Wir kehren voller Freude und Tatendrang auf die Riocaja zurück. Feiern Wiedersehen mit unseren belgischen Segelfreunden und Nachbarn in der Marina.

Unser nächstes Highlight steht kurz bevor: Am 23. April bringt unsere Tochter Bianca Nico zur Welt. Omi und Opi – was für ein schönes Gefühl! Grossmutter Doris steigt in den nächsten Flieger. Sie will ihren Enkel unbedingt in die Arme nehmen. Ich bleibe zurück, aber dank Intgernet und Whats App kann ich am grossen Glück auch teilhaben. Und im Sommer, während der Hurrikan-Saison, kommen wir dann gemeinsam auf Heimaturlaub.

Wie weiter?

Nach der Rückkehr von Doris (13.5.) wollen wir dann endlich wieder die Segel hissen und nordwärts reisen. Erstes Ziel wird die schöne kleine Insel Providencia sein. Es wird unsere erste grössere Reise nach fast einem halben Jahr Aufenthalt in Panama.

 

 

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