21.10. – 2.11.15 Santa Marta – El Mamey – Ciudad Perdida – El Mamey – Santa Marta

Kohlestaub

Zurück von der Rundreise heisst es für uns einerseits Erholen von den Krankheiten, andererseits müssen wir auch das Boot komplett putzen. In unserer 14-tägigen Abwesenheit hat sich der Kohlestaub vom nahen Bergwerk überall auf unserem Schiff festgesetzt, auch innen. Die ganze Putzete schaffen wir in gut sechs Stunden.

Die Ciudad Perdida

Nach einer Woche fühlen wir uns einigermassen fit genug für den nächsten Trip. Und der hat es in sich. Wir wollen in die geheimnisvolle Ciudad Perdida, die „Verlorene Stadt“. Sie war einst das soziale und politische Zentrum der Tairona-Indios, der ersten Hochkultur der Neuen Welt, auf die die Spanier im Jahre 1499 stiessen. Wegen des Goldreichtums (hier entstand der Mythos vom El Dorado) kam es in der Folge zu erbitterten Kämpfen mit den spanischen Eroberern. Die Tairona wehrten sich vehement , wurden aber schliesslich nach 75 Jahren fast komplett ausgerottet. Die Überlebenden zogen sich noch weiter in die höher gelegenen Berge zurück. Die Spuren ihrer Häuser versanken im regenreichen gebirgigen Dschungel.

Die Ciudad Perdida wurde erst 1975 von Grabräubern gefunden. In der Folge wurde sie von Grabräubergangs fast leer geplündert. Was blieb, sind die vielen Grundmauern, Steinkonstrukte, und Treppen der fast 170 Terrassen, die die Tairona in das gebirgige Gebiet auf einer Höhe zwischen 800 und 1300 Metern über Meer angelegt und mit ihren runden Holzhäusern bebaut hatten. Man schätzt, dass es in diesem unzugänglichen Gebiet rund 300 Siedlungen gegeben hat. Die Ciudad Perdida war das Zentrum mit ca. 2000 Bewohnern.

40 Kilometer über Stock und Stein in 4 Tagen

Die Ciudad Perdida und der Weg dahin sind heute noch genauso geheimnisvoll und mystisch wie eh und je. Denn man kommt nur zu Fuss oder mit Pferden voran. Auf einem 40 km langen schmalen, steinigen Pfad, der immer steil auf oder ab geht. Man muss mehrfach kleinere und grössere Flüsse durchqueren. Und wenn es regnet,(das tut es fast jeden Tag) wird’s auch noch glitschig und matschig.

Wir machen die Wanderung in einer 17-köpfigen Gruppe. Die meisten Teilnehmer sind Bagpacker im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Sie kommen aus den USA, Kanada, England, Belgien und der Schweiz (eine junge Lausannerin). Wir sind die einzigen Oldies und Yachties. Der kolumbianische Guide heisst „Miller“. Er ist ein Supertyp, der seinen Job liebt und lebt.

Unser Trekking dauert 4 Tage. Das heisst jeden Tag rund 6 Stunden anstrengendes Hiken. Gegessen und übernachtet wird in einfachen offenen Palmhütten. Es ist bestens organisiert. Jeden Tag gibt’s drei sehr gute Mahlzeiten. Dazu auch noch Snacks und frische Früchte. Die Ware dahin wird von Pferden transportiert. Bei den Hütten oder auch unterwegs kann man im frischen Flusswasser baden. Eine willkommene Entspannung für die Beinmuskeln.

Tairona-Indios

Unterwegs begegnen wir auch noch einigen kleinen Tairona-Siedlungen. Hier leben noch wenige Indios fast genau gleich wie ihre Vorfahren. Im Einklang mit der wilden Natur und der Tradition ihrer Kultur.

Über den „reissenden“ Fluss 

Unbestrittener “Höhe- respektive Knackpunkt“ unserer Wanderung ist das Durchqueren des Rio Buritaca, kurz vor der letzten Lodge. Es hat seit gut einer Stunde kräftig geregnet und das dreckbraune Wasser fliesst statt kniehoch mindestens hüfthoch. Unsere Guides spannen ein Seil über den gut 20 Meter breiten Fluss. Es wird von drei Männern gehalten. So watet und hangelt sich dann jede/r einzeln hinüber ans rettende Ufer. Alles geht gut. Wir sind triefnass, Doris bis über Bauchhöhe. Aber wir sind ja fast am Ziel.

Die Mystik der verlorenen Stadt

Am darauffolgenden Tag heisst es erstmal 1260 steile von den Indios angelegte Treppenstufen hochsteigen. Für diese Leistung werden wir aber reichlich entschädigt. Wir geniessen während 3 Stunden die Mystik der verlorenen Stadt. Miller erklärt uns die Historie und die Bedeutung der Tairona-Kultur und Rituale in eindrücklichen Worten. Die Tairona hatten sogar ihren eigenen Naturpool, in dem wir uns auch kurz austoben können.

Das Leiden des Oldies

Dann heisst es aber schon wieder zurück, auf dem gleichen anstrengenden Weg. Der Fluss ist wieder auf Normalhöhe und-strömung und die Überquerung ist problemlos. Dafür beginnt dann die Leidenszeit des ältesten Teilnehmers mit seinem Arthrose-Knie. Während Doris ihre alte Stärke wiedergefunden hat und an der Front mit den jungen Bagpackern munter voraus marschiert, werden meine Schritte immer kürzer und wackliger. Aber schliesslich schaffe ich es mit einiger Verspätung auch immer an die Zwischenziele, und am letzten Tag „auf dem letzten Pfupf“ zum Dorf El Mamey, wo zwei Toyota Landcruisers auf uns warten. Sie bringen uns in einer 45-minütigen Offradfahrt zurück in die Zivilisation.

Thank you Joe

Ein grosser Dank gebührt hier Joe aus Miami, der fast die ganze Tour über meinen schweren Rucksack getragen hat, und ich seinen leichten. Ohne diese wirkliche „Erleichterung“ hätte ich es wohl kaum geschafft.

Was bleibt, ist ein (für mich auf jeden Fall) einmaliges unvergessliches und kolossales Erlebnis, die Begegnung mit der ausgestorbenen Hochkultur, eine grandiose Natur und das abenteuerliche Trekking in einer Wildnis, die heute noch genau so aussieht, wie vor hunderten von Jahren.

Wie weiter?

Am 30. Oktober sind wir wieder zurück auf unserer Riocaja. Da heisst es natürlich wieder waschen und Schiff putzen. Aber wir haben jetzt auch wieder schön Zeit für Erholung. Und am 31. Oktober werden wir von unseren amerikanisch-australischen Nachbarn Louis und Julie in das Feiern von Halloween eingeweiht.

Wir bleiben noch etwa eine Woche in Santa Marta, dann gehts weiter zu den San Blas Inseln vor Panama.