3.10. – 20.10.15 Santa Marta – Cartagena – Santa Marta – Bogotà – Armenia – Medellin – Santa Marta

Die Kolumbienrundreise mit Barbara und Alex Kummer steht an: Wir packen erstmals eine grosse Reisetasche voll, für 12 Tage. Trotz mehr als 20 Kilo Gepäck fehlt es uns an passenden Kleidern: Wir haben nämlich nur je einen Pulli und eine lange Hose an Bord. Wir sind ja eigentlich auf der Barfussroute…

Cartagena

Mit dem Bus fahren wir in vier Stunden nach Cartagena. Im Luxushotel Las Américas treffen wir unsere Freunde Barbara und Alex Kummer aus der Schweiz, sowie Natalie (ehemalige Austauschschülerin bei Kummers und Mitglied des kolumbianischen Nationalteams im Bogenschiessen) und ihren Freund Santiago. Mit ihnen reisen wir die erste Woche.

Zuerst besuchen wir an zwei Tagen die wunderbare historische Altstadt Cartagenas, ein Muss für jeden Kolumbienbesucher. Mit der Pferdekutsche machen wir eine stilvolle Tour durch die engen Gassen. In der Cevicheria gibt’s den besten rohen Fisch. Im berühmten Café del Mar auf den Stadtmauern geniessen wir den Sonnenuntergang, der hier in der Nähe des Aequators das ganze Jahr um 18 Uhr einsetzt. Dh um 18.15h ist es schon stockdunkel. Die Kolumbier kennen keine Jahreszeiten wie etwa in Europa.

Zweimal geht’s etwas bergauf: Zuerst auf 150müm, da steht das Kloster Convento de la Popa (Konvent des Hecks). Das heisst so, weil der Hügel einem Schiffsheck gleicht. Von hier hat man eine grandiose Aussicht auf Cartagena, mit seinen vielen Wolkenkratzern.

Auf einem nur 40m hohen Hügel steht die stärkste Festung, die die Spanier weltweit je gebaut haben: das Castillo de San Felipe de Barajas. Es wurde niemals eingenommen. Die grösste Schlacht war im Jahr 1741, als die Spanier mit 2500 Mann eine riesige englische Übermacht von 25000 Mann und 186 Schiffen zurückschlugen. Cartagena war in der Kolonialzeit die bedeutendste spanische Bastion in Übersee.

Polizeieskorte

Ein Erlebnis der besonderen Art: In Kolumbien darf man mit dem Auto in gewisse Viertel/Zentren nur fahren, wenn man eine Bewilligung dazu hat (eine Plaqueta). Santiago aus Medellin kennt die Vorschrift in Cartagena nicht genau und wird prompt angehalten. Nach längerem Diskutieren mit dem Cop steigt der Polizist plötzlich zu uns ins Auto und wir fahren mit ihm hinein ins Zentrum. Er steigt aus. Wir auch und gehen zum Mittagessen. Nach zwei Stunden werden wir von einer Töffpatrouille wieder aus dem Zentrum hinaus eskortiert!

Tayrona Nationalpark

Wir fahren nach Santa Marta, bringen die Ersatzteile für den Generator zu Soeren, Tags darauf besuchen wir den Tayrona-Nationalpark. Eine tolles Naturerlebnis zu Fuss und zu Pferd. Wir sehen wilde Küstenlandschaften, Dschungel mit kleinen qiucklebendigen Affen, Iguanas, Krokodile und vielen Vögeln. Im dichten Urwald hört man sie gut, bekommt sie aber selten zu Gesicht. Tayrona ist ein Gebiet, wo einst mehr als 4000 Tyroana-Indios lebten. Jetzt sind nur noch einige wenige hier. Und mit ihnen einige hundert Bagpacker.

Bogotà

Am Oktober verlassen wir unsere Gastgeber Nati und Santiago und die tropisch heisse karibische Küstenregion und fliegen in die Hauptstadt Bogotâ, auf 2400müM. Die Stadt hat total fast 8 Mio. Einwohner, sie erstreckt sich 60km in der Länge und 25km in der Breite, auf einer Hochebene, inmitten hügeligem bis bergigem Gebiet. Das Klima ist angenehm frühlingshaft. Wir logieren in einem wunderschönen kolonialen Hostal in der Altstadt. Doris und ich werden krank, Doris hat fast 40°Fieber. Ich eine starke Bronchitis. Während Barbara und Alex einen Leistungsspaziergang hoch zum ehemaligen Kloster Monserrate machen (die Seilbahn ist ausser Betrieb, die Zahnradbahn hoffnungslos überlastet), gehen Doris und Hans mit dem Reisebürochef Torsten in die Klinik. Wir warten total fast sieben Stunden, das ist aber echt kurzweilig, weil uns Torsten viel über seine zweite Heimat Kolumbien erzählt. Und wir ihm über unser Segler-Nomadenleben. Alles auf Schweizerdeutsch, denn Torsten stammt aus dem Klettgau, direkt an der Schweizer Grenze.

Dengue-Fieber?

Doris‘ Blutwerte sind tief im Keller. Verdacht auf Dengue-Fieber. In 72 Stunden muss sie nochmals antraben. In der Zwischenzeit heisst es für uns beide mind. 4 Liter Flüssigkeit einzunehmen. Dank einer starken Spritze wird sie wenigstens ihre massiven Gliederschmerzen los.

Feiertag – Vorfahrt für Velos

Ein besonderes Erlebnis in Bogotà: Die Kolumbianer haben nur 15 Ferientage im Jahr. Das wird etwas abgefedert durch die Tatsache, dass sie nicht weniger als 19 Feiertage haben. Und diese Feiertage gelten immer auch inklusive Montag. An diesen Montagen werden in der Hauptstadt viele Strassen gesperrt und für den Fahrradverkehr freigegeben. So tummeln sich an diesen Tagen Tausende von Velofahrern (und auch Joggern) mitten in der Grossstadt – eine Art friedliches Volksfest. Dazu muss man sagen, dass Velo nach dem Fussball der zweite Nationalsport ist. Kein Wunder, kommen aus Kolumbien die weltbesten Kletterspezialisten. Die haben hier ein natürliches Höhentraining: wo bei uns bei 2400 Metern die Passhöhe erreicht ist, geht es erst richtig los mit dem Bergfahren. Zur Bekämpfung von Smog gilt auch die Regel, dass im täglichen Wechsel immer nur Autos mit ungeraden resp. geraden Nummern in der Innerstadt fahren dürfen.

Salzkathedrale

Mit Reiseführer Caesar, Fahrer Hereida, in einem komfortablen Ssang Yong Minivan fahren wir aus Bogota raus, in nördlicher Richtung.In Zipaquirà besuchen wir eine riesige unterirdische Kathedrale, gebaut in einer stillgelegten Salzbergmine. Ein grosser Touristenmagnet. Doris und Barbara sind begeistert. Alex und Hans` Freude hält sich in Grenzen. Es ist schon sehr düster da drinnen. Ich bin froh, wieder an die frische Luft zu kommen. Kein Wunder, bei der Bronchitis.

Im 19. Jahrhundert?

Über Chiquiquirà und  das schöne Raquira erreichen wir Villa de Leyva. Mit seinem groben Kopfsteinpflaster ist es eines der schönsten Kolonialstädtchen überhaupt. Hier könnte man historische Filme drehen. Unsere Unterkunft ist gewaltig schön, eine Posada wie ein Musuem. Wir wähnen uns mehr als 100 Jahre zurückversetzt.

Tags darauf besichtigen wir das Städtchen, anschliessend das Terracotta-Haus eines berühmten Architekten. Dann fahren wir zurück auf den Flughafen von Bogotà. Vielen Dank an Caesar und Herreida für die angenehme Reiseführung!

Im Kaffeeland

Der Flug nach Armenia ist kurz. Die Fahrt zum abgelegenen Hotel ziemlich lang. Wir werden entschädigt mit einer schönen naturnahen Unterkunft im Ecohotel La Negrita mit Bambus-Konstruktion, Palmendach wunderschönem Garten, und zwei liebenswürdigen einheimischen Gastgeberinnen und Köchinnen. Hier übernachten wir dreimal und finden spät abends endlich auch Zeit zum Jassen!

60m hohe Palmen

Jetzt sind wir mitten im Kaffeeland Kolumbien. Zuerst geht’s aber in die Klinik in Armenia zur Kontrolle. Die Blutwerte sind zum Glück am Steigen. Wir sind aber noch immer schwach und zittrig auf den Beinen. Dann führt uns unsere kleine energische Reiseleiterin Isabel mit Fahrer Roberto ins Cocora-Tal. Das ist ein echter Hammer: total grün, gebirgig und überall stechen die riesigen Wachspalmen in den Himmel. Sie werden bis zu 60m hoch, überragen die üppige Natur und geben diesem Gebiet eine unverwechselbare kolassale optische Kulisse. Doris und ich machen eine Reitwanderung mit den kleinen starken Grioio Pferden. Alex und Barbara schaffen es zu Fuss. Zurück auf der Hazienda empfängt uns MarinaToro, ein mächtiger urwüchsiger Mann. Mit eindrücklichen Worten schwört er uns ein auf die überwältigende Natur und die Freundschaft von Kolumbianern und Schweizern. Zum Abschluss des Rituals pflanzen wir in der fruchtbaren Erde eine Wachspalme. Bis sie ihre wahre Grösse erreicht, werden schon dreissig bis vierzig Jahre vergehen.

Im nahen Dorf Salento pulsiert das kolumbianische Bergleben. Filmreife Wildwest Atmospähre aus Pancho Villas Zeiten. Die Cowboys heissen hier Bakeros. In der Dorkneipe spielt man Billard.

Den nächsten Tag widmen wir ganz dem Kaffee. Auf regenreichen 1400– 2000müm gedeihen hier (2x Ernte pro Jahr) die weltberühmten hochwertigen Arabica Bohnen. In der Hazienda Casa San Alberto wird uns der ganze aufwendige Prozess vom Pflegen, Pflücken, Verarbeiten bis zum Versenden der röstbereiten Bohnen eindrücklich demonstriert., Zum Schluss müssen wir noch eine kleine Prüfung der verschiedenen guten und schlechten Düfte machen. Zur Belohnung gibt’s dann ein Attest als Cafetero de Colombia!

Fruchtplantage in den Bergen

Am 16. Oktober nehmen wir Abschied von Isabel und Roberto. Besten Dank für die Reiseführung! Nach einer mehrstündigen Fahrt im Minivan Richtung Medellin treffen wir wieder Nati und Santiago. Sie entführen uns nochmals zwei Stunden weit in die Berge auf eine Fruchtplantage, die Santiagos Vater gehört. Eine kolossale Bergnatur umhüllt uns. Hier arbeiten rund 30 Personen und betreuen fast 7000 Mango- und 4000 Guanàbanabäume. Besonders eindrücklich ist die Guanabana-Pflanze. Aus einer zärtlichen kleinen Blüte (jede einzelne wird von einer Frau mit filigraner Handarbeit bestäubt) wachsen riesige stachelige Früchte, die bis zu 3 Kilo wiegen. In der Ernztezeit kommen viele Pflücker zum Einsatz.

Am Ende des langen Tags mit fast 12 Stunden Autofahrt fallen wir todmüde in die Betten des Hotels Royal in Medellin.

Medellin – weltoffen und modern

Die ehemalige Drogenhochburg unter der Schreckensherrschaft Pablo Escobars ist heute eine pulsierende weltoffene, grüne Grossstadt mitten in den Bergen. Es herrscht das ganze Jahr Frühling. Ein angenehmes Klima mit 18 – 24 Grad Lufttemperatur. Hier wohnen Natalie und Santiago.Wir machen eine Stadtrundfahrt im Hop/onHop Off Bus. Wir lernen ihre Familie kennen: Mutter Kristina, eine ganz feine Persönlichkeit, und die ebenso sympathische Schwester Lia.

Zum Abschluss unserer Reise essen wir in einem schönen offenen Holzhaus am Berghang, mit grandioser Aussicht auf das Lichtermeer der Stadt Medellin. Das Fleisch (Angusbeef) schmeckt einfach grossartig. Kein Wunder: Die Kühe, Rinder und Kälber haben hier ein paradiesisch schönes Leben auf den immergrünen saftigen Weiden.

Dann heisst es einmal mehr Abschied nehmen. Barbara und Alex fliegen nach Bogotà und dann nach Hause in die Schweiz. Wir fliegen nach Santa Marta und kehren zurück zu unserem Zuhause, der Riocaja. Was bleibt, sind unvergessliche Erinnerungen an ein unermesslich grosses weites grünes Land und liebenswürdige Menschen.

Zurück auf der Riocaja

18. Oktober – wir sind zurück auf der Riocaja: Soeren hat uns verlassen. Er besucht in Cartagena einen Spanischkurs. Aber vorher hat er noch das Ruder justiert (mit Herbert) und den Generator repariert. Es war nicht der Zylinderkopf, sondern die Wasserpumpe. Jetzt läuft er wieder flott, Ehre sei Gott!

Wir wollen und müssen uns jetzt noch einige Tage erholen und wieder komplett fit werden. Dann sind wir bereit für neue Taten und Erlebnisse. Wir möchten unbedingt noch den 4 Tages Hiking-Trip in die magische verlorene Stadt Ciudad Perdida machen

Unser nächster fixer Termin ist der 15. November. Dann kommt unser Segelfreund und Skipper Kari Freivogel an Bord. Und zwar in Panama. Das liegt rund 2 1/2 Segeltage entfernt.

10.8. – 22.9. Curacao 23.9. – 3.10. Curacao – Colombia

10.8. – 22.9. Der kurze Titel sagts schon klar und deutlich: Gereist sind wir in diesen 6 Wochen keine Seemeile. Stattdessen erleben wir eine dramatische und zum Teil auch tragische Geschichte. Und das kam so:

Zerstörung statt Reparatur

Wir entscheiden uns, das Schiff in Curacao aus dem Wasser zu nehmen. Am 18. August  ist es soweit. Der Travellift in der Royal Marina hebt die Riocaja hoch und bringt sie an den Standplatz. Wir rechnen mit 7 – 10 Tagen, bis alle Arbeiten erledigt sind. Daraus werden dann 30 schwierige Tage.

Das Drama nimmt seinen Anfang mit dem Mechaniker Jo, der uns mit seiner offenen und freundlichen Art Vertrauen einflösst. Ja, er könne alle unsere Probleme lösen.

Statt den Generator zu reparieren und die zwei klemmenden Seeventile zu kontrollieren, beginnt er aber gleich zu zerstören. Ehe wir uns versehen, hämmert er in einer Blitzaktion sämtliche 14 Borddurchlässe kaputt. Begründung: die seien ja 20 Jahre alt und müssen sowieso ersetzt werden. Nachdem er auch das Ruder (das ist wirklich defekt) mit viel Gewalt runtergeholt hat, schreien wir in unserer Verzweiflung Stopp! Wir jagen Jo von unserem Schiff. Er droht uns zuerst mit einem Anwalt. Ja, das würden wir sehr begrüssen. Dann zieht er den Schwanz ein und verschwindet.

14 Löcher im Rumpf – Harry hilft

Aber was jetzt? Wir haben 14 Löcher im Rumpf und ein defektes Rudersystem. Wir suchen und finden Hilfe in der Seglergemeinschaft. Harald ist ein deutscher Einhandsegler, der sein Holzboot Leonitis in jahrelanger Arbeit komplett restauriert hat. Jetzt ist es ein Bijou von einer kleinen schönen klassischen Segelyacht. Er lebt seit einiger Zeit in seinem Boot auf Curacao. Er ist ein toller, motivierender Mensch. Das gibt uns wieder Zuversicht. Wir engagieren ihn, machen einen Arbeitsplan und legen gleich los. Wir wollen und müssen jetzt alles in Eigenregie machen.

In knapp 10 Tagen werden alle Bordurchlässe, Seeventile und Rohranschlüsse neu gemacht. Was so einfach tönt, ist eine komplexe Arbeit mit Suchen, Kaufen, Umtauschen, Anpassen etc. Vor allem aber ist dann der Einbau und das komplett wasserdichte Anschliessen der Rohre und Schläuche ein Riesenkrampf an zumeist ziemlich unzugänglichen Orten und Ecken im inneren Schiffsrumpf. Das machen Doris und Harald mit unglaublicher Energie und sorgfältigem Arbeiten. Auch unser Schweizer Freund Andy gibt uns wertvolle Tipps und tatkräftige Unterstützung. Er schöpft aus zwanzigjähriger Segelerfahrung auf seinem Boot Andori. Unsere anderen Freunde geben uns viel moralische Unterstützung in dieser für uns belastenden Zeit. Beim gemütlichen Captain’s Dinner im Restaurant „The Pier“, bei einer Einladung bei Jios und Majo auf ihrer klassischen Yacht Jonathan, beim gemeinsamen Grillieren der deutschsprachigen Segler in der Marina. Und bei

Doris‘ Geburtstag: Am 23. August steigen wir in den Helikopter und machen einen Rundflug über Curacao. So sehen wir unser Schiff an Dock auch aus der Vogelperspektive. Ein tolles Erlebnis!

Ruder und Skeg

Jetzt sind Ruder und Skeg dran. Der Schaden ist massiv, wie uns der Experte Serge bestätigt. Er muss von einem harten Schlag sein, den uns der Vorbesitzer verheimlicht hatte. Von der Hallberg-Rassy Werft in Schweden bekommen wir eine genaue Anleitung übermittelt. Diese GFK-Arbeit kann nur von einer wirklichen Fachperson ausgeführt werden. Auf Curacao ist das einzig die Firma MRC, die aber ausschliesslich in der anderen Marina tätig ist.

Da hilft uns auch Harald. Sein Freund Holger kommt am 4.September für einige Wochen nach Curacao, wo er ein Häuschen besitzt. Holger ist Bootsbaumeister mit einem eigenen Kleinbetrieb in Husum in Norddeutschland. Am Samstag, 5.9. kommen Sie zur Begutachtung und Besprechung. Ja, das geht geht, das kann er machen. Am Montag soll es los gehen und bis Samstag erledigt sein.

Der Schock

Doch am Sonntagabend kommt eine Schreckensmeldung: Harald ist tot. Herzversagen. Sein Schiffsnachbar hat ihn leblos auf der Leonitis gefunden. Er hatte sich gewundert, dass trotz heftigen Regens alle Luken offen waren.

Wir sind geschockt und fassungslos. Er war ein so freundlicher, spontaner, hilsbereiter, kommunikativer und motivierender Mensch. In den zehn Tagen intensiver Zusammenarbeit war er zu einem lieben Freund geworden. Er wurde nur 56 Jahre alt. Ein Trost: Er hat dank seinem intensiven Berufs- und Seglerleben ungemein viel erlebt und schon einen Grossteil der Welt gesehen. Vor allem von seiner Zeit in Nigeria, in Südafrika und von seinem mehrmonatigen Segelbesuch in Namibia hat er uns viel erzählt.

Wir besprechen uns mit Holger. Im Sinne von Harald und zu seinem Gedenken will Holger die Reparatur wie geplant ausführen. Mit einigen Tagen Verspätung geht es los. Auch Holger ist ein toller kommunikativer Mensch. Mit ihm zusammen besprechen und planen wir auch alle weiteren Arbeiten am Schiff: Der von Grund auf komplett neue Unterwasseranstrich, das Abdichten einer grossen Luke, sowie das Beheben kleinerer Schäden an Hülle und Kiel mit Epoxy. Holger ist der „Chef“ und wir seine Assistenten. So können wir die Riocaja in gut zehn Arbeitstagen wieder voll seetauglich machen. Es ist eine harte, sehr lehrreiche, aber auch sehr befriedigende Arbeit. Denn man sieht ja die Erfolge. Wir sind motiviert und wieder zuversichtlich.

Saurer Regen

Eine Arbeit ist auch noch herauszuheben. In der „Royal“ Marina ist es gar nicht königlich, sonder ungemein dreckig, und von der nahegelegenen grossen Raffinerie kommt schwarzer und saurer Regen durch die Luft. Die Folge: Das Schiff ist aussen und innen total verdreckt und „versäuert“, z.B. mit vielen grünen Punkten auf allen Metall- und Kunststoffflächen. Das Reinigen erfolgt Centimeter für Centimter mit „Baking Soda“ und weissen „Wunderschwämmen“. Doris muss dazu auch in den Mast hochsteigen. Auch an ihrem Körper zeigen sich die Gift- und Umwelteinflüsse in Form von heftigen Hautausschlägen.

 

Doch am Freitag 18.9. strahlt unsere Riocaja blitzblank geputzt und aussen mit Teflonpaste poliert. Sie ist bereit zur Rückkehr ins Wasser. Die vierwöchige Arbeits- und Leidenszeit haben wir in einem siebenseitigen Logbuch dokumentiert. Darin sind auch die Kosten aufgelistet, die bei mehr als 12000 Dollar liegen!

In Memoriam an Harald haben wir auf dem Bronzeskeg, dem „Herzstück“ des Rudersystems, einen Gedenkspruch graviert und mit GFK laminiert: “Dear Harry, Your Spirit Goes Around The World“.

Wegen des rechtlich komplizierten Todesfalls (Harald hat eine kleine Tochter in Südafrika) gibt es auf Curacao keine Bestattung. Deshalb organisieren wir für den 20. September in Holgers Haus eine Abschiedsfeier mit seinen Freunden aus Deutschland und Curacao. Im Sinne von Harald ist die Feier auch sehr fröhlich. Wir lernen Harrys und Holgers Freunde kennen: Svenja, Sven, Soeren, Thilo, Thorsten und Frank. Sie sind hier zum Kitesurfen.

Die Abschiedsfeier hat Folgen für unsere Weiterreise. Wir bekommen ein neues Crewmitglied! Soeren Soeth, ein grosser sympathischer 25-Jähriger Mann will spontan mit uns bis Kolumbien mitsegeln. Wir freuen uns riesig. Er ist ein Supertyp. Mit grossem handwerklichen Geschick. Davon können wir schon bald profitieren….

 

23.9. – 2.10. Curacao – Kolumbien

Am Mittwoch 23.9. wollen wir die viertägige Reise nach Cartagena angehen. Wir verlassen die „Dreckschleuder-Marina“ und nehmen Abschied von Holger (tränenreich, nochmals vielen Dank für das „neue“ Rudersystem! ) und Soerens Freunden, die uns ins Meer hinaus „winken“.

Es klopft!

Kaum sind wir aus der Bucht raus und haben Kurs Nordwest aufgenommen, müssen wir feststellen, dass die Riocaja nicht „rund“ läuft. Ein unregelmässiges Klopfen (je nach Schiffsbewegung) beunruhigt uns stark. Wir denken ans Ruder. Von dort kommt es aber nicht. Dafür stellen wir fest, dass der Ruderschaft oben etwas „eiert“, dh die Achse nicht ganz stabil dreht. Wir kehren um und wollen eigentlich in die Curacaomarine. Doch Soeren studiert die technischen Zeichnungen der Ruderachse. Er ist überzeugt, den Fehler selbst beheben zu können. So gehen wir in die Piscaderabucht in ruhiges Gewässer. Und Sören schafft es tatsächlich!. Die Achse ist fest und stabil. Wir segeln wieder los und steuern die drei Stunden entfernte schöne Santa Krus Bay an. Was bleibt, ist das Klopfen. Wir können es einfach nicht genau orten. Es ist mal stärker, mal schwächer, unregelmässig. Als wir eine Kursänderung machen und auf Backbordbug segeln, ist es für eine Zeit plötzlich ganz weg, kommt dann wieder zurück.

Nach dem Ankern untersuchen wir mit Schnorchel und Taucherbrile den ganzen Unterwasserrumpf. Da ist aber nichts, alles picobello. Das Klopfen muss also innen sein.
Wir entscheiden uns trotzdem, weiterzusegeln. Der Wetterbericht ist günstig für uns. Es ist zwar Starkwind angesagt bis 7 Bft, die Wellenhöhe ist aber nie mehr als 2 Meter. Normalerweise hat es 4 bis 5 Meter um die berüchtigte Ecke von Aruba südwestlich nach Kolumbien.

Tatsächlich kommen wir mit Schmetterlingsbesegelung ultraschnell voran. Trotz stark verkleinerter Segelfläche schaffen wir bis zu 10 Knoten. Das ist Rekord für unsere Riocaja. Am Morgen des dritten Tags schläft dann aber der Wind ziemlich ein. Und es sind immer noch 24 Stunden bis Cartagena.

So lange wollen wir nicht motoren und wir entscheiden uns, nach Santa Marta zu fahren. Das sind noch 5 Stunden. Unterwegs beisst endlich wieder einmal ein Fisch an. Der Tuna ist aber so klein, dass wir ihn wieder in die Freiheit entlassen.

Holà Colombia

Am Samstag 26.9. um 17 Uhr sind wir da und legen in der schönen Marina an. Wir werden freundlich willkommen geheissen. Hier gefällt es uns. In Cartagena soll es viel dreckiger und unsicherer sein, sagen uns mehrere Segler nach der Ankunft. So beschliessen wir, die nächsten vier bis fünf Wochen hier zu bleiben und unsere Landausflüge von Santa Marta aus zu starten.

Sierra de Nevada de Santa Maria

Gleich in der Nähe liegt die Sierra Nevada de Santa Maria. Dahin starten wir eine zweitägige Tour. Schon die einstündige Hinfahrt im 4x4Taxi zum Bergort Minca ist ein kleines Abenteuer für sich. Die stark frequentierte Strasse ist grösstenteils ungeteert und vom vielen Regen durchfurcht. In Minca ist man dann schon mitten im Regenwald-Dschungel. Wir wandern zu einem Wasserfall. Dort spüren wir gleich, wieso es da so üppig grün ist. Ein gewaltiger Regenschauer überspült uns fast.

Die Übernachtung in einer Öko-Bambus-Lodge mit Palmendach ist beeindruckend.. Von hier aus hat man eine Panorama-Aussicht bis an die Küste nach Santa Marta.

Café de Colombia

Am zweiten Tag machen wir eine Offraod-Bergtour mit Fidel und seinem Toyota Landcruiser. Es ist ein kolossales Erlebnis. Zumeist im Geländegang und Schrittempo. Es geht bis über 1000müM. Dort sieht es aus wie auf einer Alphöhe. Leider hat es zu viele Wolken, so dass uns die Sicht in die schneebedeckten Berge (bis 5000müM) verborgen bleibt.

Höhepunkt ist der Besuch einer einsamen ökologischen Kaffeeproduktion., Hier wird der Kaffee noch genau gleich hergestellt wie seit der Gründung im Jahre 1892. Die Ernte erfolgt genossenschaftlich in mühsamer Handarbeit. Die Kaffeebäume sind wild verstreut im unwegsamen Berggebiet. Das deutsche Besitzerpaar rechnet uns die Ungerechtigkeit des Kaffeemarktes vor. Bei der mehrstufigen Verarbeitung müssen sie jede einzelne Bohne kontrollieren. Sie bekommen für ein Kilo Kaffeebohnen höchster Qualität 2 Dollar. Eine Nesprossokapsel mit 8 Gramm Kaffee kostet 50 Cents.

Tief beeindruckt von der kolossalen Natur kehren wir nach Santa Marta zurück.

Wie geht es weiter?

Samstag 3.10. / Wir warten jetzt auf Barbara und Alex und ihre kolumbianische Freundin Nati. Mit ihnen werden wir eine vierzehntägige Rundreise durch Kolumbien machen. Sie bringen uns auch dringend benötigte Ersatzteile mit. So kann unser Crewmitglied Soeren endlich den Generator wieder zum Laufen bringen.

Es wird das erste Mal sein, wo wir unser Schiff für längere Zeit „allein“ lassen. Aber in der Marina Santa Marta ist es bestens aufgehoben.

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