17.4. – 22.5.15 Martinique – Dominica – Les Saintes (Guadeloupe) – Dominica – Martinique

Nach dem grossen Einkaufen in Martinique ist unsere Riocaja wieder prall gefüllt mit Lebensmitteln und Getränken. Wir sind startklar zum Weiterreisen und segeln am 21. und 22. April in zwei je 6-stündigenTagesetappen zur nächsten Insel.

Dominica? DOMINICA!

Viele Segler haben von Dominica geschwärmt: „Da müsst ihr unbedingt hin“. So sind wir freudig gespannt, was auf uns zukommt. Um es vorwegzunehmen: Unsere Erwartungen wurden noch übertroffen. Wenn Adam und Eva in der Bibel im Garten Eden waren, so waren sie bestimmt auf Dominica. Tarzan und Jane ebenso. Dominica ist ein einziges und einzigartiges Natur-Paradies! Hier wächst einfach alles im Überfluss. Alle Früchte und Gemüse, die wir kennen, und noch viele mehr, die wir hier kennen lernen. Alle Baumarten. Regenwald, 365 Quellen und Flüsse, kalte und heisse. Zwei grosse Seen mit kochend heissem Wasser, Wasserfälle, Natur-Pools, undsoweiter. Kein Wunder, wurden hier viele Szenen für die Pirates oft he Caribbean-Filme gedreht.

Auf geführten und eigenen Touren entdecken wir dieses sattgrüne Naturparadies. Der „Dominica-Tarzan“ Guide Sea-Cat klettert mit uns über Stock und Stein mitten in den Urwald und zu den Wasserfällen. Doris spielt die Lianen-Jane. Wir besuchen eine Ureinwohner-Indianerfamilie, die noch nach den alten Traditionen lebt und arbeitet. Wir erkunden den sagenumwobenen Indian River. Aber was soll ich hier lang erzählen – lassen wir doch die Bilder sprechen. Bitte entschuldigt: Es sind diesmal besonders viele.

E-Bike? Tramp-Bike!

Insgesamt verbringen wir bei zwei Besuchen elf Tage auf Dominica. Dazwischen segeln wir zu der kleinen pittoresken Inselgruppe Ls Saintes bei Guadeloupe. Welch ein Gegensatz zu dem ursprünglichen und einfachen Leben auf Dominica. Hier ist alles schön touristisch erschlossen, in französischer Ambiance, alle Häuser frisch herausgeputzt. Mit Bistros, Baguettes, Cafés und Restaurants etc. Die meisten Einwohner sind französischer Abstammung. Ureinwohner sind hier in der krassen Minderzahl.

Man kann Elektro-Caddies, Scooter und Velos mieten. Angesichts der vielen Berge und Steigungen entscheiden wir uns für E-Bikes und wollen mit ihnen die Hauptinsel erkunden. Doch hoppla – schon bei der ersten Bergfahrt zum schönen Fort Napoléon müssen wir kräftig in die Pedale treten – die E-Unterstützung bleibt fast völlig aus. Wir lassen uns noch nicht entmutigen und nehmen den nächsten Berg in Angriff. Da ist es endgültig vorbei mit dem Spass. Doris versucht noch, das ultraschwere Vehikel hochzutrampen und dann hochzustossen. Aber da muss selbst sie mit ihrer unerschöpflichen Energie entmutigt aufgeben. Wir lassen die E-Bikes stehen und wandern zu Fuss hoch zum Gipfel. Dor werden wir mit einer phantastischen Panoramasicht für unsere Mühen belohnt.

Zurück im Dorf hat der Vermieter natürlich geschlossen. Wir finden ihn per Zufall später in einer Bar. Er ist sturzbetrunken und lallt mehr als er spricht. Eine vernünftige Diskussion ist nicht möglich. Schliesslich zupft er aus seinem Portemonnaie die letzte 10 Euro-Note als Entschädigung für die unterbliebene E-Unterstützung.

Wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen und geniessen in der ersten Maiwoche einige unbeschwerte Tage mit Wandern, Schnorcheln, Internetlen und Routenplanen. Nach reiflicher Diskussion entscheiden wir uns, nicht mehr weiter nach Norden segeln, sondern wieder „umzukehren“. So bleibt uns genügend Zeit, um a) Ende Mai zurück in Grenada zu sein (liegt ausserhalb der Hurrikanzone) und b) unterwegs Buchten/Inseln zu besuchen , an denen wir beim „Nordwärtsfahren“ vorbeigesegelt sind.

Highlight? “HIGHLIGHT x 2“ !!!

Am 7.Mai segeln wir wieder nach Dominica. Dort erleben wir neben den bereits beschriebenen Ausflügen/Touren noch ein Highlight: Auf Einladung der Tour- und Boat-Guides gibt es in Portsmouth ein grosses Beach-BBQ. Dort verbringen wir einen vergnüglichen Abend mit rund 30 Yachties aus aller Welt. Es wird geschwatzt, getanzt, gegessen und getrunken (natürlich Rum-Punch). Nach der Party geht die Feier auf unserer Riocaja weiter. Mit dabei: Christian und Tomas aus Norwegen, Johannes und Estrella (Deutschland/Spanien), Doris und Hans. Johannes und Estrella haben ihre Gitarren dabei. Sie spielen und singen wunderbar passende Lieder (…Me and Bobby McGee…Über den Wolken muss die Freiheit …..) und sorgen für eine herrliche Stimmung unter dem karibischen Sternenhimmel.

Aber auch die schönste Feier geht mal zu Ende. Unsere Gäste steigen in ihre Dinghy-Schlauchboote. Aber hallo – da fehlt doch eines! Der Schockmoment fährt uns drastisch in die Glieder. Unser schönes Dinghy ist nicht mehr da! Es ist stockdunkle Nacht, die Bucht ist gross und weit offen.. Johannes reagiert sofort. Mit einer Stirnlampe macht er sich auf seinem Dinghy auf die Suche. Einzige Anhaltspunkte sind der zum Glück nicht allzu starke Wind und die Strömungsrichtung. Und oha – nach bangen, unendlich langen 15 – 20 Minuten taucht er wieder auf. Im Schlepptau unsere TT RIOCAJA. Es geschehen noch Wunder! Das Boot war schon fast einen Kilometer abgetrieben, aber zum Glück nicht auf das weit offene Meer, sondern an einen Steg am Ende der Bucht. Tausend Dank an Johannes –Du hast mit deiner seemännischen Erfahrung und deinem Instinkt das fast unmögliche geschafft!

Nach diesem Riesen-Schreck erleben wir noch schöne Tage in Dominica, ehe wir am 13. Mai weiter nach Martinique segeln. Eine ziemlich rauhe Überfahrt hart am Wind, mit hohen Wellen und Windstärke Sechs = 40-50 kmh.

Wiedersehen? Wiederabschied!

Der schönste Moment beim Wiederbesuch von Martinique ist das Wiedersehen mit unseren australischen Freunden Gordon und Louise auf ihrem riesigen Katamaran THE LARRIKIN. Vor sieben Monaten (in Gibraltar) hatten sich unsere Wege getrennt – wir nahmen Abschied voneinander. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen war zwar da, aber sie stand auf schwachen Beinen, weil wir in der Karibik verschiedene Zeit- und Routenpläne hatten. Und jetzt treffen wir per Zufall fast am gleichen Tag in Martinique ein: wir auf dem Segelboot, sie per Flugzeug back von Downunder.

Wir haben nur zwei Tage Zeit, aber die nutzen wir für eine schöne Wiedersehensfeier, zuerst zum Vormittagsapéro auf der LARRIKIN, am Abend zum Nachtessen auf der RIOCAJA. Mit dabei sind Johannes und Estrella von der DORASY, die mit Gitarre und Gesang nochmals für eine unvergessliche Stimmung sorgen. Tags darauf, es ist der 19. Mai 2015, heisst es aber schon wieder Abschied nehmen auf unbestimmte Zeit: THE LARRIKIN segelt nordwärts zu den Bahamas und dann an die USA-Ostküste, die RIOCAJA und die DORASY in Richtung Süden nach Grenada, Trinidad und zu den ABC-Inseln.

Am Wind segeln? Hart am Wind segeln!

Seit Dominica segeln wir nicht nur gemeinsam mit Herbert, Asma & Kids auf der MAYA, sondern auch mit Johannes und Estrella auf der DORASY. Sie haben in etwa den gleichen Routenplan wie wir. Sie können nicht nur brillant Gitarre spielen und gut singen, sie sind auch ein perfekt harmonierendes Segelpaar. Johannes ist ein überaus erfahrener Seemann, mit Regatterfahrung auf verschiedensten Segelyachten. Wir fragen ihn um Rat bei unserem grössten Problem: Wir kommen mit der RIOCAJA einfach nicht gut hart an den Wind. Das Vorsegel flattert immer heftig und wir sind daher auch nicht schnell genug. Zwischen Dominica und Martinique überholt uns Johannes locker und ist gut eine Stunde vor uns am Ziel.

Abends gibt er uns einige wichtige Trimmtips, wie man das Schiff und vor allem das Vorsegel optimal auf den Kurs “ganz hart am Wind“ einstellt. Und siehe da: Schon am nächsten Tag schaffen wir den gleichen Winkel zum Wind und wir sind nahezu gleich schnell wie die DORASY. Vor lauter Freude kreuzen wir in der Bucht von Le Marin bei viel Wind und flachem Wasser noch zwei Stunden länger auf und ab.

In Le Marin können wir wieder unsere Vorratskammer füllen. Der Supermarkt „LEADER PRICE“ (vergleichbar mit Aldi in der Schweiz) liegt direkt am Ufer. Wir können mit unserem Dinghy quasi vor die Eingangstüre „parken“. Die Auswahl ist riesig und die Preise sind für karibische Verhältnisse extrem günstig.

Am 20. Mai verholen wir uns in die schöne Bucht St. Anne, wo wir wieder auf die MAYA treffen. Herbert und Asma helfen uns bei unseren Handy- und Internetproblemen. Mein vor vier Wochen repariertes Handy macht erneut keinen Wank mehr. Es lässt sich nicht mehr aufladen. Und wie es so ist, habe ich alle Daten, E-Mails etc.drauf. Zum Glück hat Doris noch ein Ersatzhandy, so dass wir die französische Sim-Card hier einsetzen können. Und die wichtigen Kontaktdaten sind auf einem Google-Konto. Die sollten wir auch wieder downbeamen können. Heute haben wir das aber noch nicht geschafft.

Jetzt ist der 23. Mai. Der Blogbeitrag ist nach vielen Internetproblemen endlich unter Dach und Fach. Die Riocaja ist mit Lebensmitteln und Getränken „vollgestopft“. Wir setzen am Pfingstsonntag gemeinsam mit DORASY die Segel. Nächstes Ziel auf unserer Südroute ist die Insel St.Lucia. Mal sehen, was uns da erwartet.