16.3. – 16.4.15 Grenada – Ronde Island – Carriacou – Frigate Island – Tobago Cays – Canouan – Bequia – Martinique

Segeln ohne Sorgen?!
Ja das wäre schön und ist auch unser nächstes Ziel. Dem stehen noch zwei letzte Reparaturen im Weg: Wir haben zwei grosse Lecks: Das vordere Dachluken-Fenster ist undicht. Und auch auf der linken Seite bei den Lüftungsschlitzen dringt Wasser fast bis zu unserem Elektropanel ein. Kein Problem – sagen die Spezialisten, wir lösen das. Die Lösung dauert dann natürlich alles in allem fast 10 Tage. Die Geschichte dazu möchte ich Euch ersparen.

Am 25. März um 15 Uhr (um 14 Uhr war das Dachluken-Fenster endlich absolut dicht) heisst es: Adieu Phare bleu! Wir freuen uns auf unbeschwertes Segeln und Bleiben. Gemeinsam mit der „Maya“ wollen wir in kleinen Etappen gemächlich nordwärts segeln und die Zeit geniessen.

Erstes Etappenziel ist die unbewohnte Insel Ronde Island, wo wir wie schon mit Dario drei Wochen zuvor Natur pur antreffen: Keine Menschenseele weit und breit, am Horizont ein schöner Sonnenuntergang, und ein Pelikan, der noch vor dem Eindunkeln ins Meer hinabsticht um einen letzten Fisch zu ergattern.

Kitesurfen – (nicht) ganz easy
Tags darauf übernachten wir in der Tyrrel Bay auf Carriacou. Die ist bei Yachties sehr beliebt, denn es liegen mehr als 50 Segelboote vor Anker. Wir essen im Slipway Restaurant und nach einer ruhigen Nacht setzen wir die Segel mit dem Ziel Union Island. Der Anker fällt bei Frigate Island. Eine grosse aber windige Bucht mit wunderschönem Türkiswasser. Ihr grosser Vorteil: das Wasser ist trotz viel Wind wunderbar flach. Deshalb sehen wir hier mehrere Kitesurfer mit Fullspeed hin- und herdüsen und jumpen. Das ist wirklich eine tolle Sache. Wir freunden uns am wilden Robinson – Strand mit zwei Kitesurf-Yachtie-Pärchen aus Frankreich an. Sie zeigen uns, wie das funktioniert, und sagen , dass es relativ einfach zu lernen ist. Einige Lessons bei einem guten Surflehrer genügen.

Doris und Asma sind so begeistert, dass sie für den nächsten Tag gleich einen Einsteigerkurs à 3 Stunden buchen. So ganz einfach ist es dann natürlich doch nicht.

In den nächsten zwei Tagen sind weitere Lessons angesagt. Resultat: Doris und Asma kommen schon recht gut aus dem Wasser. Doris mit ihrem eisernen Willen und Ehrgeiz schafft es schon zu einigen Speedfahrten. Aber von einer kontrollierten Fahrt und einer Wende sind sie noch etwas entfernt. Fazit: Es braucht noch einige Kursstunden.

Die werden aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach vier Tagen und einem letzten Robinson-Grillieren am Strand mit den den Französischen Kite-Yachties nehmen wir Abschied vin Frigate-Island.

Mayreau
Nächster Halt für die “Riocaja“ und die „Maya“ ist vor der Insel Mayreau. Das ist ein kurzer Schlag von eineinhalb Stunden. Der Anker fällt in der Saline Bay. Wir essen wunderbar in einem karibischen Lokal mit schöner Aussicht auf die umliegenden vielen kleinen Inseln.

Ostern à a Karibik
Dann geht es knapp vier Seemeilen weiter in die Tobago Cays – das Traumziel fast aller Karibiksegler. Dementsprechend viel Yachten tummeln sich auf dem türkisblauen, nur 3 Meter tiefen Wasser, im Schutz zwischen drei kleinen Inseln und dem grossen Horseshoe-Riff. Und es ist wirklich traumhaft: Beim Schnorcheln sehen wir unzählige farbige Fische, zwischen den Yachten sind die Seeschildkröten gemütlich am „Weiden“. Und am Ostersonntag auf der Miniinsel Baradel begegnen wir keinen Osterhasen, dafür vielen Iguanas. Das sind urzeitliche Leguane, die gut klettern können und sich von Baumblättern ernähren. Diese tollen Erlebnisse trösten uns gut über das nicht immer ganz karibiklike Wetter dieser Ostertage hinweg.

Canouan – ein Strand nur für uns allein
Nach drei Tagen hissen wir wieder die Segel – aber wiederum nur für eine gute Stunde. Schon sind wir eine Insel weiter. Sie heisst Canouan. Wir ankern in der South Glossy Bay. Riocaja und Maya sind völlig allein – das tut gut nach dem Trubel der Tobago Cays. Den feinen Sandstrand haben wir auch für uns allein – das Bungalow-Hotel – versteckt hinter den Palmenbäumen- ist nicht mehr in Betrieb. Man entdeckt nur noch die Ruinen und das verlassenen Beach-Restaurant. Vermutlich ein Opfer der Entwicklung – denn gleich dahinter ist die Start-Und Landepiste des kleinen Flughafens. Von den paar Flugzeugen lassen wir uns nicht stören und die zwei „Riocajas“ und die vier „Mayas“ geniessen einen schönen Nachmittag und Sonnenuntergang.

Bequia und die Walfangtradition
Nächster Etappenort ist Bequia, eine Insel mit grosser Schifffahrts- und Walfangtradition. Noch heute werden die typischen Holzsegelboote von Hand einzeln gebaut. Und die Wale dürfen auch noch nach der herkömmlichen Art mit Handlanzen gejagt werden. Allerdings ist die Anzahl pro Jahr auf vier Wale begrenzt. In der Realität gibt es aber manchmal nur einen Fang oder öfters auch gar keinen mehr.

Wir sehen bis zu unserer Ankunft in der schönen Admiralty Bay weder einen Wal noch Delfine. Dafür sehen wir, dass auch unser Freunde Johannes und Cati auf der Maverick Too hier sind. Direkt vor unserem Liegeplatz am Sandstrand hat es ein wunderschönes Restaurant. Gemeinsam mit Johannes, Cati, Herbert, Asma & Kids geniessen wir ein Nachtessen in karibischem Ambiente, inkl. Sonnenuntergang. Der findet in der Karibik ja praktisch immer zur selben Zeit statt (18.10 -18.20h).

Schatten im Paradies
Der Ort Port Elizabeth strahlt farbenfrohes karibisches Flair aus, dementsprechend beliebt ist es auch bei den Yachties. Da liegen sicher gut 100 Boote in der grossen Bucht. Doch leider gibt’s hier nicht nur Sonnenseiten – einem Segler aus Holland, Maurice, den wir von Ibiza her schon kennen, wird abends im Strassenrestaurant direkt vom Stuhl weg seine Tasche entwendet. Er hat alles wichtige darin: ipad, Fotokamera und Pass!.Der Dieb düst davon wie der Blitz. Die Polizei kann natürlich auch nichts tun. Was bleibt, ist ein Riesenfrust – vor allem über den Verlust aller Bilder aus zwei Jahren Segeln.

Wichtige Vorsichtsmassnahmen in der Karibik sind also mehr als gerechtfertigt. Wir schliessen das Boot vor jedem Landgang ab. Schlauchboot + Aussenbordmotor werden immer mit Kette und Drahtseil doppelt an den Steg, resp. nachts an die Riocaja „gekettet“. Fotos und Videos speichern wir jeweils immer auch auf einem USB-Stick.

Gemütlichkeit auf einer kleinen Yacht
Tags darauf bekommen wir eine überraschende Einladung zum Essen auf der Maverick. Überraschend deshalb, weil die Maverick eher ein kleines Boot ist, und wir Zweifel haben, dass es für sechs Erwachsene und zwei Kids genügend Platz bietet. Unsere Zweifel erweisen sich als völlig unbegründet. Wir verbringen einen ürgemütlichen Abend zusammen. Johannes und Cati haben ein vorzügliches Mahl hingezaubert. Sie zeigen uns eindrückliche Bilder von der Entstehung ihrer Yacht. Sie haben das Boot in einem desolaten Zustand günstig gekauft. Und dann in zweijähriger Arbeit innen und aussen komplett renoviert. Heute strahlt die Maverick Too fast schöner als neu. Und mit modernster LED-Lichttechnik können sie tolle dimmbare Lichteffekte hinzaubern – im Innenraum und unter Wasser. Das gibt’s sonst eigentlich nur bei Luxusyachten. Über Enstehung und Reise der Maverick Too wird übrigens im Deutschen Fernsehen (ARD) berichtet. Mehr Infos gibt’s auch auf www.zu-zweit-auf-See.de

Martinique – Das Einkaufsparadies
Nach Bequia trennen sich die Wege der Maya und der Riocaja für einige Tage. Herbert und Asma segeln nach St.Lucia. Unsere Vorratskammer dagegen ist leer, so dass wir die Inseln St.Vincent und St. Lucia „auslassen“ und in einer Tag- und-Nachtfahrt von 20 Stunden direkt in die Hauptstadt Martiniques reisen. Fort-de France strahlt mehr europäisches, denn karibisches Ambiente aus. Man wähnt sich beinahe in Frankreich. Für uns hat das einen riesigen Vorteil, denn hier „wimmelt“ es fast vor Supermärkten, von Carrefour über Leader Price bis Hyper U. Die Waren sind nicht teurer als in Frankreich – und fast noch wichtiger – hier hat es einfach alles. Endlich gibt’s wieder Käse und Salami, feine Yoghurts, saftige Äpfel, Salate, Gemüse, Wein etc. etc. Wir kaufen kräftig ein, so dass wir für die nächsten Wochen wieder „autark“ sind und kleine Inseln und einsame Buchten ansteuern können.

Doch vorher müssen wir auch noch einige Ausrüstungs- und Ersatzteile für das Schiff, den Motor und den Generator beschaffen – auch das gehört dazu, wenn man autark reisen will. Der beste Ort dazu ist die Baie de Marin – das Herz des Yachtcharter-Business in der Karibik.

Gegen Strömung und Wind
Wir segeln hin – auf dem Papier ein kurzer Schlag von 4 Stunden. In der Realität ein Wellen-Ritt hart am Wind und gegen die massive Strömung. Das heisst konkret: Unser Schiffsbug zielt auf die Einfahrt in die Bucht – auf dem Kompass sind das 35 ° – das Schiff fährt aber schräg seitlich in Richtung 5° – dh wir haben eine Abdrift durch Wind und Strömung von 30°! Da hilft auch bei einem Segelboot nur der Motor – mit fast voller Kraft schiebt er uns mit ca. 3,5kn Tempo voran. Hätten wir keine Strömung, wäre die Riocaja doppelt so schnell!

Endlich angekommen, staunen wir nicht schlecht: In der grossen, total geschützten Bucht sehen wir einen riesengrossen Mastenwald: Hier liegen sicher 800 Schiffe in den Marinas, an Bojen und vor Anker.

Die Suche nach den Ersatzteilen erweist sich (natürlich) als viel schwieriger wie erwartet (und versprochen). Wir bekommen nicht alles, was wir brauchen. Und die Lieferzeit beträgt etwa 10 Tage. Damit wir hier nicht darauf warten müssen, bestellen wir sie nach Grenada, wo wir gegen Ende Mai wieder sein wollen.

In Marin treffen wir wieder auf die „Maya“. Am 16. April planen wir gemeinsam die weitere Routenwahl. Die nächsten Ziele heissen Dominica und Guadeloupe. Darüber berichte ich im nächsten Blog.