8.2. – 22.2.15 Grenada – Le Phare Bleu – Hog Island – Rum Distillery – Cacao – Sammaltaxis

Die „Pirateninsel“ Hog Island
Sonntag 8. Februar: Dieter nimmt uns auf seiner Racing Yacht “Blanquilla“ mit zu einem echten Hotspot. Auf Hog Island, einer unbewohnten Insel, geht jeden Sonntag eine Beach-BBQ-Party für Yachties ab. Heute natürlich sogar mit Live-Music mit Dieter und seiner Band. Mehr als 70 Yachten liegen vor Anker. Etwa 120 Yachties aus aller Welt und viele Einheimische bringen eine tolle Stimmung auf diese Pirateninsel. Nach der Einsamkeit auf dem Atlantik saugen wir diese spezielle Ambiance ganz besonders ein. Man lernt neue Leute kennen, und jeder erzählt von seiner Lieblingsbucht. Wieder wird uns bewusst, dass es ein Privileg ist, was wir machen. Fernab von Alltagshektik, Euroärger und Stress geniessen wir ein unbeschwertes freies Leben, tauchen ein in die karibische Gelassenheit und freuen uns über die ansteckende Fröhlichkeit der Menschen. Sie lieben ihre kleine grüne Insel und möchten gar nicht woanders hin, denn sie wissen, nirgends ist man dem Paradies näher.

In der Marina Phare Bleu freunden wir uns mit Thomi an. Er ist ein Freund Dieters, der fast jedes Jahr für einige Wochen hierherkommt. Er ist ein überaus liebenswerter und fröhlicher Mensch. Wir verbringen einige unbeschwerte Tage mit ihm, und er ist auch ein Jasser, so dass wir auf unserer Riocaja fleissig einen Bieter nach dem anderen auf den Cockpittisch klopfen.

Grenada heisst GRENEYDA
Gemeinsam mieten wir ein Auto und machen eine Insel-Rundfahrt. Grenada (ganz wichtig: man spricht es so aus: “Greneyda“) ist eine total grüne und fruchtbare Insel, hat nur 110000 Einwohner, aber die sind alle stolz, freundlich und fröhlich. Im Norden lernen wir das ursprüngliche Grenada kennen. Kein Tourist und kein Hotel weit und breit. Die Fischer gehen ihrem Handwerk nach, genau so wie schon hunderte Jahre vorher. Eine stillgelegte jahrhunderte alte Rum Distillerie strömt eine fantastische Stimmung aus, fast schöner wie altrömische Ruinen. Im Ort Bel Estate werden Kakaobohnen geerntet. Auch die Verarbeitung und die Herstellung von Schokolade geht hier noch so vor sich, wie annodazumal. Alles Hand- und Fusswerk (siehe Foto von Doris).

In den Dörfern pulsiert das farbige fröhliche Leben. In einer der rund 3000 Rum-Shops-Bars läuft grad eine Fussball-Liveübertragung aus England. Fussball ist überaus beliebt, genau so wie Cricket. Aber der wahre Nationalheld Greneydas heisst Kirani James. Er ist Weltmeister und Olympiasieger über 400m.

Leider verlässt uns Thomi nach elf Tagen wieder Richtung Heimat. Lieber Thomi, vielen Dank für diese schöne, abwechslungsreiche Zeit. Wir bleiben in Kontakt!

Sammeltaxis
Eine Supersache auf Greneyda sind die vielen Sammeltaxis, japanische Kleinbusse. Sie stoppen überall auf Kommando und nehmen alle und jeden mit. Berührungs- und Platzangst ist dabei keine gute Voraussetzung. Man sitzt fast mehr über- statt nebeneinader. Und beim Fahren (Achtung Linksverkehr) macht man am besten die Augen zu: Die Fahrer fahren wie die Henker. Aber es gibt praktisch keine Unfälle, wie uns alle versichern. So haben wir überhaupt keine Probleme, in die Hauptstadt und zu den Schiffshändlern und Lebensmittelläden zu gelangen, obwohl die Marina Phare Bleu sehr schön, aber etwas abseits von den Hauptverkehrsströmen liegt.

Reparaturen
Nebst den unbeschwerten Tagen gehört aber das Reparieren auf Yachten ebenso zum Alltag. Es ist schon nicht alles Sonnenschein pur. Unsere Schweizer Freunde Matthias und Ursula auf ihrer Yacht Joy warten zum Beispiel auf einen neuen Motor. So arg ist es bei uns nicht. Aber wir müssen unsere zerrissenen Segel nähen lassen, haben Arbeiten am Generator, der Elektrik und am Motor. Dass die Mechaniker und Elektriker nicht zur vereinbarten Zeit erscheinen, daran haben wir uns längst gewöhnt. Und die (sündhaft teuren) Ersatzteile fliegen auch nicht im Expresstempo auf die Insel.

Gut, haben wir jetzt noch einige Tage Zeit, bis unser Sohn Dario und Freundin Annalea zu Besuch kommen. Mit ihnen werden wir dann hoffentlich wieder Segeln. Unsere Ziele heissen Carriacou, Union Island, Petit St.Vincent (PSV) und die Tobago Cays. Alles traumhaft schöne kleine Inseln.

 

 

 

 

 

 

 

12.1. – 7.2.15 Lanzarote – Grenada

Der zweimalige Start
Wegen eines Lecks im Service-Deckel des Dieseltanks müssen wir schon kurz nach dem Start am 10. Januar um 16 Uhr wieder umkehren. Wir werden das Pech einfach nicht los. Am 12. Januar ist aber alles ok und endlich geht’s definitiv auf die grosse Passage: 3000 Meilen bis Grenada. Doch wieder scheint uns das Glück nicht hold. Da hat es doch die letzten fünf Wochen stets starken Wind gehabt. Kaum haben wir aber den Hafen verlassen, schläft der Wind ein! So müssen wir die ersten 10 Stunden dem Wind mit Motorunterstützung nachhelfen. Dann aber wird’s richtig gut. Wir haben Starkwind 5 -7 Beaufort. So speeden wir die nächsten Tage mit 6-7 Knoten Tempo südwestwärts Richtung Kapverdische Inseln. Und wir haben die erste Woche auch häufig Besuch von Delfinen, die uns zum Teil stundenlang begleiten.

Ein genialer Wachplan
Wir sind ja zu Dritt und das ist gut so. Bald hat sich der von Anja und Patrick ausgetüftelte und perfekt ausgewogene Wachplan mit drei 4-Stunden-Wachen in der Nacht eingepegelt: 19 – 23 , 23 – 03, 03 – 07 Uhr. So hat jeder von uns nur eine Wache pro Nacht und jede Nacht eine andere. So kommt jeder auch zu genügend Schlaf. Das bewährt sich total und wir sind die ganzen drei Wochen meistens topfit und munter!

Das Krisenmanagement
Am 17. Januar feiere ich Geburtstag auf Position 21°58‘ N / 024° 10‘ W, das ist ca. 300 Seemeilen nordwestlich der Kapverdischen Inseln. Aber zu feiern gibt’s leider nicht viel. Denn was wäre eine Atlantikpassage ohne Pannen. Die erste ist zugleich auch die gravierendste: Unser Iridium-Stalliten Telefon und E-Mail fällt aus. Das heisst: kein Kontakt mehr zu unseren Angehörigen und keine Wetterprognosen mehr! Der Grund: Wir haben kein Geld mehr auf dem Account. Ich habe den „Verbrauch“ völlig unterschätzt und daher auch nie nachgeprüft. Beim Iridium tickt der Minutenzähler nämlich auch während es auf der Suche nach E-Mail-Verbindung ist. Und das dauert manchmal mehr als 10 Minuten.

Doch hier haben wir Glück im Unglück. In unserer Nähe ist noch eine andere Yacht (es wird die letzte sein bis Grenada!). Die “Harmonii“ hat über Iridium Kontakt zum Rest der Welt. Wir funken sie an. Der englische Skipper Mike Walton entpuppt sich als absoluter Segelprofi und vor allem auch Funkprofi. So organisiert Etienne über Funk mit dem Skipper Keith Walton den ganzen komplexen Aufladungsauftrag via unseren Freund Hendrik und Tochter Anja. Das klappt dann auch. Knapp 36 Stunden später ist unser Sat-Fon-Mail wieder in Betrieb. Tausend Dank an Etienne und an Keith, das war ein professionelles Trouble Shooting in the middle oft he ocean!!

Im Passat
Nach sieben Tagen erreichen wir die Passatwindzone. Das heisst Kurswechsel auf Westsüdwestkurs ca. 255-270 Grad. Da ist es aber auch mit dem Starkwind vorbei und es geht im Ostpassatwind gemächlicher voran. Vor uns liegen aber immer noch mehr als 2000 Meilen. Das ist der richtige Moment, um den Parasailor zu setzen, der uns auch bei Schwachwind zügig nach Westen ziehen soll. Und so bahnt sich unser nächstes Unglück an. Denn wir haben noch keine Erfahrung mit diesem mächtigen Ballonsegel (159 m2). Beim ersten Mal schaffen wir es, mit viel Glück und Dusel und in zwei Anläufen, das Segel zu hissen. Wir segeln ein paar Stunden und nehmen es für die Nacht wieder runter. Am folgenden Tag ist uns das Glück nicht mehr hold: Es kommt völlig verdreht nach oben und beim Wiedereinholen kommt ein Teil ins Wasser und schon ist ein Riss drin! Ausgeparasailert. Wir zahlen teures Lehrgeld. Unsere Stimmung ist fast auf dem Nullpunkt.

Die nächsten Tage lassen wir es ruhiger angehen, der Wind wird stärker und das Wetter besser. Unsere Stimmung steigt und wir sind neu motiviert. Wir wagen uns ans nächste Ziel: Den “Catch of the Day“. So lassen Etienne und Doris nach sorgfältiger Vorbereitung erstmals die Schleppangel raus. Auch wenn der Thunfisch am ersten Tag noch nicht anbeisst, wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen. Wer kann schon von sich sagen, dass er mitten auf dem Atlantik gejasst und gespielt hat? „RumiCube“, oder „Phase 10“, oder „Stadt Land Fluss“?

Der Wind nimmt wieder ab. So hissen wir unser nächstes Schwachwind-Segel, einen sogenannten Reacher. Das gelingt problemlos und wir kommen die nächsten Tage mit gutem Speed gut voran. Wir geniessen dieses Gefühl mit dem schönen farbigen Segel und den vielen schönen Sonnenuntergängen, exklusiv für uns drei! Denn nirgendwo lässt sich ein anderes Schiff blicken, wir sind völlig allein auf dieser grossen weiten Welt.

Plötzlich kommt aber stürmischer Wind auf, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wir müssen den Reacher runterholen! Das gelingt aber wieder nicht, er verdreht sich beim Einrollen total, ein Teil des Segels bläht sich wieder auf und plötzlich ist auch da ein Riss drin. Erneut zahlen wir teures Lehrgeld!

So segeln wir halt „nur“ mit unserem klassischen Vorsegel, der Genua, weiter. Und wir versuchen fast jeden Tag, den Catch oft he Day zu fangen. Aber leider „beisst“ meist nur die omnipräsente Sargossa-Seealge an und ein einziges mal ein echter Fisch. Den bekommen wir aber nicht zu Gesicht, denn er hat den schönen farbigen Kunststoff-Köderfisch zack entzwei gebissen! Unsere Stimmung lassen wir uns deswegen nicht verderben, denn es wird immer wärmer, man spürt die Karibik kommen…

Einige Highlights gibt’s noch zu berichten

Ein ganz spezielles Highlight: Das einzige Schiff, das wir während vierzehn Tagen gekreuzt (aber leider nicht gesehen, weil es Nacht war) haben, war ein ….Ruderboot! Zwei spanische Abenteurer, die mit ihrem 7-Meter-Boot “Cruz del Sur“ seit dem 15. Dezember von den Kanaren Richtung Martinique unterwegs sind. Völlig auf sich allein gestellt. Alle Achtung, das sind noch echte Abenteurer!

Ein ganz aussergewöhnliches Top-Highlight war auch das Essen, das uns Doris jeden Tag aus der Kombüse gezaubert hat, Je mehr es gewackelt und geschüttelt hat (und das hat es immer), desto mehr lief sie zur Hochform auf. Etienne und Hans waren ja schon beim Kaffeekochen gescheitert. Doris, du bist einfach die Beste und Seefesteste von allen!

Ein ganz anderes “Highlight“: Am 19. Januar mitten in der Nacht schwappt urplötzlich eine Riesenwelle von hinten über das Deck bis ins Cockpit. Das ist an und für sich sich überhaupt nicht schlimm, ich hatte Wache und sass im Ölzeug gut geschützt im Cockpit. Aber da war doch noch was! Ja, genau! Die grosse Fensterluke über unserem Schlafzimmer war weit offen! Resultat: Das Wasser spült bis ins Bett, bis in Doris‘ Kleider- und Schuhschrank. Ein Desaster, das ich wieder voll auf meine Kappe nehmen muss.
So kommt es, dass wir tags darauf bei glücklicherweise schönem Wetter unser Schiff zu einer grossen Wäschehänke umfunktionieren. Aber wer sonst kann schon von sich sagen, dass er mitten auf dem Atlantik mal Wäsche und Matratzen aufgehängt hat?

Ein Top-Highlight war der Wetterdienst von unserem Freund und Hobby-Meteorologen Hendrik. Er mailte uns regelmässig genaue Prognosen über die Grosswetterlage in der Passatwindzone, bis eine Woche im Voraus! So wussten wir immer, was uns erwartet. Vielen Dank, Hendrik, das war Spitze!

Land in Sicht!
Am 3. Februar morgens früh ist so weit: Land in Sicht! Vor uns liegt Grenada, das Ziel unserer Segelträume! Um 07.30h fällt der Anker vor der Marina Le Phare Bleu. Auf karibisch türkisblauem Wasser. Wir haben es geschafft! Ein nicht zu beschreibendes Hochgefühl! 3148 Seemeilen (5700 km), 22 Tage, Durchschnittstempo 6,0 kn (11 km/h).

Wichtig, damit nicht ein falscher Eindruck entsteht: Trotz der beschriebenen Pleiten, Pech und Pannen – wir waren nie in Gefahr, nicht eine einzige Sekunde! Wir haben nie den Mut und die Zuversicht verloren. Wir sind während vierzehn Tagen keinem Schiff, keiner Menschenseele begegnet. Dieses Gefühl, völlig allein auf der Welt zu sein, ist einmalig und nicht zu beschreiben. Wir konnten es fühlen, leben, geniessen.

Dieses Abenteuer ist ein Traum, den viele träumen, aber nur wenige realisieren. Auf den Spuren von Kolumbus, der genau auf dieser Route im Jahr 1492 die Neue Welt entdeckt hat. Das macht uns stolz. Doris, Etienne, Hans – yes we can!

3.2. – 7.2. Grenada

Im Boutique-Hotel & Marina Le Phare Bleu der Schweizer Besitzer Dieter Burkhalter und Jana Caniga fühlen wir uns von Anfang gut aufgehoben, nicht nur weil wir auch viel Schweizerdeutsch sprechen können.( > www.lepharebleu.com). Sie haben hier etwas wunderbar Schönes geschaffen!. Wir treffen andere Karibik- und Weltumsegler aus aller Welt und aus der Schweiz (Matthias und Ursi auf der „Joy“). Wir gönnen uns feine Rumdrinks und dinieren vor toller Palmenkulisse. Dazu gibt’s auch Live-Grenada-Blues-Musik mit Dieter und seiner Band mit den Sängerinnen Sabrina und Tamie: Einfach grossartig! Und wir lernen Thomi aus Wetzikon kennen, ein Freund von Dieter und ein ganz liebenswerter aufgestellter Mensch. Mit ihm können wir endlich wieder richtig Schieber Jassen, mit Obenabe, Undeuffe und Slalom. Das Leben ist doch schön, was wollen wir noch mehr?

So kann Etienne noch einige Tage Karibik-Lifestyle pur geniessen, bevor er am 7. Februar wieder heimfliegt. Der Abschied fällt uns ganz schwer. Aber diese gemeinsame Atlantik-Passage hält uns für “ewig“ zusammen. Lieber Etienne, vielen vielen Dank für alles!