9.1.15 Start zur Atlantiküberquerung

Am 3. Januar kommt unser Freund Etienne. Er ist ein erfahrener Segler und mit ihm zusammen machen wir die Atlantikpassage.
Leider hatten wir immer noch technische Probleme zu lösen, so dass sich der Start hinauszögert. Doch jetzt sind wir bereit. Wir legen ab (9.1.15/ 16 Uhr) Vor uns liegen 3030 Seemeilen. Die Route führt von den Kanarischen Inseln südwestlich bis ca. 250 Seemeilen nördlich von den Kapverden. Ab dann sind wir im Bereich des Ostpassatwinds, der uns in die Karibik wehen soll. Kurs West-Südwest, ca. 250-260°. Unser Ziel ist Grenada. Dort führt die ehemalige 10-vor-10-Moderatorin Jana Caniga die Marina Le Phare Bleu. Wir rechnen mit einer Segelzeit von 22 – 23 Tagen. Wir melden uns während der Überfahrt regelmässig via Iridium-Sat-Telefon/E-Mail bei unseren Angehörigen. Drückt uns die Daumen, dass alles gut geht!
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7.12. – 31.12.14 Lanzarote – Fuerteventura – Lanzarote

Der Wind und die Reparaturen

In der Marina Lanzarote in Arrecife fühlen wir uns gut aufgehoben. Das Wetter ist fortan sehr unbeständig und der ständige starke und kühle Wind lässt keine Barfuss- und Badestimmung aufkommen. Wir nutzen die Zeit für Arbeiten, Schiffputzete, Waschen, Einkäufe, Landausflüge und für gemeinsame Apéros und Nachtessen mit unseren alten und neuen Segelfreunden. Wir werden zu einer richtigen Segelfamilie auf Zeit.

Die Reparaturen an unserer Riocaja nehmen leider kein Ende. Das Sprayhood (Schutzhaube gegen Wind und Wasser) ist kaputt. Ein Segel muss genäht werden. Und der Autopilot (computergesteuerte elektromechansiche Steuerung) fällt bei starken Wellen ständig aus. Aber wir haben auch Glück im Unglück: der Hersteller Hallberg Rassy in Schweden hat noch ein neues Sprayhood an Lager (unser Schiff ist 20 Jahre alt!)! Es wird in die Schweiz geliefert und Anja und Patrick bringen es am 20. Dezember mit!

Für den Autopiloten finden wir einen Super-Elektronik-Fachmann: Mario Menozzi, ein Italiener. Die Diagnose ist ernüchternd: Das eingebaute Steuergerät ist zu schwach für unser schweres Schiff. Und es ist mechanisch defekt. Eine Reparatur lohnt sich gar nicht. Wir müssen ein neues, stärkeres Modell kaufen. Auch hier ist uns das Glück teilweise hold. Segelfreund Markku aus Finnland hat eine genau passende Computereinheit, die er uns zu einem wirklichen Freundschaftspreis überlässt. So müssen wir „nur“ das elektromechanische Gerät dazu kaufen. Für den Einbau muss wiederum unsere ganzer Schlafraum aus- und wieder eingebaut werden. Auf einer Testfahrt wird der Pilot kalibriert. Jatzt läuft er wieder absolut perfekt.

Die Katastrophe

Das nächste Problem ist dann leider eine von Hans selbstverschuldete richtige Katastrophe: Ich will unseren Wassertank auffüllen. In einem Anfall von geistiger Umnachtung stecke ich den Schlauch aber in das Dieseltank-Einfüllrohr. Die ganze Katastrophe zeigt sich erst, als der Tank voll ist und sich Diesel über unser schönes Teakdeck ergiesst. Ein Riesenschock. In unserem Tank sind jetzt ca. 240 Liter Wasser und 200Liter Diesel.!

Doch auch hier haben wir Glück im gewaltigen Desaster. Andreas, unser Nachbar am gleichen Steg, ist ein versierter Yacht-Fachmann. Er bereitet hier gerade fünf neue Yachten für den Charterbetrieb vor. Er weiss genau, was in diesem Fall zu tun ist, weil dies im Charterbetrieb auch schon einige Male passiert ist (Die Tanköffnungen sind nur durch die Beschrfitung zu unterscheiden).

Da sich das Wasser nicht mit dem Diesel verbindet, sondern im unteren Teil des Tanks (er befindet sich unter dem Salontisch im Fussboden) sammelt, führen wir ein ganz schmales Schlauchrohr bis an den Tankboden und pumpen das Wasser mit einer elektrischen Pumpe heraus in 20l-Kanister. Die ganze Prozedur dauert einen ganzen Tag und eine halbe Nacht. Am Schluss gibt’s ein gewaltiges Aufatmen aus der tiefsten Kellernacht. Wir starten den Motor und er läuft tipptopp – als wäre nichts geschehen. Tausend Dank an Andreas, er hat uns und unser ganzes Weltreiseprojekt gerettet!

Der Weihnachtsbesuch

Das Tank-Desaster bringt uns wieder in Zeitdruck. Aber es geht genau auf: Am 20. Dezember legen wir in Arrecife ab und segeln in vier Stunden nach Corralejo, ganz im Norden der Nachbarinsel Fuerteventura. Abends kommt unsere Tochter Anja mit Partner Patrick für zehn Tage zu Besuch. Wir freuen uns riesig über das Wiedersehen nach einem halben Jahr! Sie bringen das Sprayhood und weitere wichtige Dinge für uns und unser Schiff mit. Und auch einige Weihnachtsgeschenke – Freude herrscht!

Der starke Wind und das stürmische Wetter machen einen grossen Strich durch unsere Planung. Aus gemütlichem Segeln zu schönen Buchten wird vorerst gar nichts. Wir machen das Beste daraus und erkunden die Insel Fuertventura während drei Tagen mit dem Mietwagen. Wir „erobern“ die windumtosten riesigen Sanddünen, Leuchttürme, Buchten und Surf/Kitesurf-Strände vom Land her. Wir gehen auf Weihnachtseinkaufsbummel. Wir geniessen die gemeinsame Zeit und die Weihnachtstage, die hier “im ewigen Frühling“ eine ganz andere Stimmung verbreiten.

Endlich gibt es einen schönen sonnigen Tag – wir können segeln! Anja und Patrick sind total seefest und segelbegeistert. Sie wollen wissen, wie Segeln funktioniert, sie kurbeln die Winschen, sie packen bei allen Manövern kräftig an und sie steuern das Schiff souverän, schon fast wie Profis! Es macht riesig Freude, zu viert über die Wellen zu gleiten. Wir ankern bei steifem Wind auf türkisfarbenem Wasser, wir wandern auf der kleinen, weltentrückten Insel Isla de Lobos. Schliesslich gibt’s auch das erste Bad im Meer – bei 19° ein wahrlich erfrischendes Vergnügen!

Tags darauf wollen wir zurück nach Lanzarote. Zu unseren Freunden Herbert und Asma mit ihren zwei Kids Adam und Sam. Bei Sonne und starkem Nordostwind heisst das: hart am Wind aufkreuzen, in extremer Schräglage. Anja und Patrick freuen sich darüber und steuern die Riocaja soverän Richtung Norden. Nach viereinhalb Stunden erreichen wir Puerto Calero und legen an, direkt neben unseren Freunden auf ihrer Yacht „Maya“. Es gibt ein freudiges Wiedersehen.

Wieder gibt’s ungeplantes: Unser VHF-Funkgerät „funkt“ nicht mehr richtig. Wir lassen es vom Elektroniker Mario checken. Leider gibt’s wieder eine schlechte Diagnose. Das Gerät ist veraltet, die digitalen DSC-Funktionen sind zum Teil nicht mehr abrufbar. Die Verbindung zum Handfunkgerät an Deck ist kaputt. Wir bestellen ein neues professionellesTop-Gerät mit integriertem GPS-Empfänger. Das dauert natürlich wieder.

Der Abschied fällt besonders schwer

So können wir vorerst leider nicht mehr zurücksegeln nach Fuerteventura. Anja und Patrick müssen uns in aller Frühe am Morgen des 30. Dezember verlassen. Mit Taxi, Fähre und Bus geht’s zu ihrem Rückflug nach Hause.

Dieser Abschied fällt besonders schwer! Trotz der Umplanungen hatten wir eine wunderbare Zeit zusammen. Wann und wo werden wir uns wiedersehen? Wir wissen es noch nicht.

Nächstes „Traktandum“ ist jetzt die grosse Atlantiküberquerung, zusammen mit unserem Freund Etienne. Start am 5. oder 6. Januar. 2900 Seemeilen. Dauer zirka 22 Tage. Zielort: Grenada. Drückt uns die Daumen! Wir melden uns wieder.