8.11. – 6.12. Marokko – La Graciosa – Lanzarote

.8.11. – 20.11.  Marokko: Rabat – Meknès – Fes – Atlas – El Jadida – Safi

Mit Hendrik wollen wir eigentlich in zwei Etappen bis nach Agadir segeln und von dort aus ein mehrtägiges Trekking im Antiatlas machen. Daraus wird aber nichts, weil die Hafen-Ein/Ausfahrt von Rabat bei starkem Westwind und Brandung zu gefährlich ist und geschlossen bleibt. Und genau so ist es jetzt (und bleibt es dann auch für die nächsten 10 Tage!). So planen wir Ausflüge ab Rabat.

Der Handy-Schock
Zuerst geht’s aber in den Maroc-Telecom-Shop, damit wir mit unseren Handys für die nächsten drei Wochen günstige WiFi-Verbindung haben. Das klappt bei Hendrik und Hans tipptopp. Bei Doris aber gibt’s einen Super-Gau. Der Telecom-Boy will die Verbindung herstellen und schafft es nicht. Stattdessen löscht er beim Hantieren sämtliche Daten! Der Schock sitzt tief. Bei Doris kullern die Tränen. Mit einem Schlag wird ihr bewusst, welche Bedeutung die modernen Kommunikationsmittel für unser Leben haben. Je weiter man weg ist von Zuhause, desto wichtiger ist der Kontakt. Der darf einfach nicht abbrechen.

In rund zweitägiger Arbeit schafft es Hendrik, viele Daten und Verknüpfungen wiederherzustellen. Vor allem die Kontakte. Die werden jetzt auf dem Google-Cloud-Konto sicher gespeichert. Das Handy funktioniert aber nicht mehr mit SIM-Karte. Nur W-Lan ist möglich. Doris muss ein neues Handy kaufen.

Die 4-Tages-Tour
Wir erkunden zuerst die Medinas von Rabat und Sale. Dann mieten wir für vier Tage ein Auto. Wir besichtigen die Königsstadt Meknès, verirren uns im Labyrinth der Medina von Fés, übernachten zweimal in einem fast königlich ausgestatteten Riad-Hotel in Fés. Wir fahren in den mittleren Atlas, bis auf fast 2000 Meter über Meer, besuchen den im französischen Alpenstil gebauten Kurort Ifrane, nächtigen in der Bergstadt Azrou, wo es nachts bis fast zum Gefrierpunkt abkühlt. Wir überleben die Nacht im ungeheizten Hotelzimmer gut dank mehreren Schichten Wolldecken.

Den nachhaltigsten Eindruck unserer Marokko-Tour hinterlässt der Besuch einer Gerberei mitten in der Medina von Fés. Hier wird unter für uns unvorstellbaren Bedingungen noch so von Hand gearbeitet, wie im Mittelalter!

Weitere Highlights: Unterwegs in den Bergen treffen wir auf frei lebende Affen. Das heilige Bergdorf Moulay-Idriss. Oder die Ruinen von Volubilis – in dieser römischen Stadt wohnten einst 20000 Menschen!

Die Yacht-Karawane
Zurück in Rabat, müssen wir nochmals zwei Tage warten, bis die Hafenausfahrt freigegeben wird. So kommt es, dass am 17. November eine ganze Karawane von total neun Segelyachten ausläuft. Zuerst muss aber noch ausklariert werden, ein recht kompliziertes Prozedere mit sehr netten Beamten von Polizei und Grenzwache. Kurioser Höhepunkt ist die „Durchsuchung“ der Yacht mit einem „Drogenhund“. Der Schäferhund ist aber so ängstlich, dass er kaum auf das Schiff bugsiert werden kann. Und als er drin ist, will er nur eines: sofort wieder raus, ganz ohne Schnüffelei!

So kommt Hendrik doch noch zum Segeltörn. Wir fahren bei guten Bedingungen ohne hohe Wellen in knapp 20 Stunden nach El Jadida. Höhepunkt: Doris und Hendrik sehen einen riesigen Wal, der direkt neben unserer Yacht kurz auftaucht, Luft holt und wieder abtaucht!

Das Kreuz mit dem Kreuzfahrtschiff
Ein weiteres Nachterlebnis: Hinter uns nähert sich mit forschem Tempo die Costa Deliziosa, ein 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff. Dank dem genialen AIS-Identifikations- und Warnsystem erkennen wir rechtzeitig, dass es – bei gleichbleibendem Kurs beider Schiffe – genau auf uns auffahren würde! Als überholendes Schiff wäre die Costa ausweichpflichtig. Da sie aber auch zehn Minuten vor der „Kollision“ noch keine Kursänderung (es wären nur 1-2 Grad notwendig) vorgenommen hat, drehen wir rechtwinklig ab und fliehen mit Motorunterstützung schnellstmöglich aus der Gefahrenzone. Der hell erleuchtete 300-Meter Kreuzfahrtriese passiert unsere 13-Meter-Riocaja dann in einem Abstand von ca. 800 Metern. Das tönt nach viel, ist aber nachts verdammt nah, da die Distanzen auf dem offenen Meer im Dunkeln optisch „in sich zusammenfallen“ – da man in der Dunkelheit nur die Lichter der Schiffe sieht. Vergleichbar mit dem Zoomen mit dem Teleobjektiv der Fotokamera.

Das Leben im Fischerhafen
In El Jadida hat es keinen separaten Yachthafen. Wir müssen im geschäftigen Fischerhafen ankern – es riecht entsprechend. Mit uns ist eine zweite Yacht da – David, ein erfahrener Einhandsegler dh, er ist allein unterwegs. Eine beachtliche Leistung für den fast siebzigjährigen ehemaligen Anwalt.

Leider heisst es hier wieder mal Abschied nehmen. Vielen vielen Dank, Hendrik, für die schöne und spannende Zeit in Marokko. Es war zwar ganz anders geplant, aber wir haben gemeinsam das Beste daraus gemacht!

In El Jadida besuchen wir die Cité Portugaise, eine ehemalige Wasser-Burgfestung, die Anfang des 16. Jahrhunderts von den Portugiesen errichtet wurde. Sie ist noch gut erhalten und zählt seit 2004 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Das Beinahe-Grounding
Am 22. November, nach einem Nachtessen mit unserem Freund und Einhandsegler David, kommt nachts extrem starker Wind auf – Doris wacht zum Glück auf und stellt erschreckt fest, dass wir nicht mehr da liegen, wo wir geankert haben. Die kleinen Fischerboote sind uns verdammt nah! Das heisst – unser Boot treibt ab, weil der Anker nicht gehalten hat im schlammigen Hafengrund. Ich stelle das Echolot an –es zeigt nur noch 2,3 Meter Wassertiefe an – wir haben nur noch 20 cm Wasser unter unserem Kiel. Und die Tide ist am Fallen! Eine halbe Stunde später wären auf Grund „gesessen“. Im heulenden Wind und peitschendem Regen holen wir den Anker hoch, suchen tieferes Gewässer im Hafen, und nach drei Anläufen hält unser Anker endlich – bei 4 Meter Wassertiefe – das reicht! Nochmal Glück gehabt!

Wir möchten so schnell wie möglich aus diesem ungemütlichen Hafen weg – aber wieder müssen wir warten, weil die Brandung zu stark ist. Auch die Fischerboote können nicht auslaufen. Es vergehen nochmals zwei Tage, ehe wir den Absprung schaffen: David auf seiner Sahula und die Riocaja segeln bei guten Bedingungen weiter nach Süden.

Nächster Halt ist die Hafenstadt Safi. Auch dies ein ehemals portugiesischer Ort. Hier gibt es ein freudiges Wiedersehen mit zehnYachten, die wir von Gibraltar und Rabat her kennen. Wir liegen im Fischerhafen „im Päckchen“, je 5 resp. 6 Yachten Seite an Seite. Dh wenn man vom äussersten Boot an Land gehen will, muss man zuerst die drei/vier anderen überqueren. Wir alle warten jetzt sehnsüchtig auf das richtige Wetter- und Windfenster, das uns in die Kanaren wehen soll.

24.11. – 26.11. Von Marokko nach La Graciosa / Lanzarote

Der Ritt auf den Wellen
Am 24. November ist es soweit. Die bislang härteste Segeltour steht uns bevor. Die wahre Atlantikpremiere. 300 Seemeilen bis Lanzarote. Drei Tage und zwei Nächte nur Wasser und kein Land in Sicht.

Die Ausfahrt aus dem Hafen klappt gut, aber draussen empfängt uns das Meer von seiner rauhesten Seite: Sturm, Wind, Regen, Gischt und happige Wellen. Dick eingepackt in unserem Ölzeug kämpfen wir uns mit der Riocaja in starker Schräglage mühsam voran. So haben wir uns die Barfuss-Route nicht vorgestellt! Erst nach zwei Tagen wird es etwas besser: Der immer noch starke Wind kommt jetzt mehr von hinten. Wir werden schneller und schneller. Das kalte Wetter bleibt uns aber bis zum Schluss erhalten.

Wie als Entschädigung für diese garstigen Bedingungen taucht am dritten Tag vor Lanzarote zwischen Schaum und Wellen eine grosse Delfinschule auf. 20 -30 Delfine begleiten uns während mehr als einer Stunde. Sie springen und schwimmen kreuz und quer, neben und vor der Riocaja und sie gleiten synchron in unserer Bugwelle. Einfach grossartig!

Am 26. November legen wir im Hafen von Caleta del Sebo an, auf der direkt vor Lanzarote liegenden kleinen Insel La Graciosa. Gemeinsam mit der Schweizer Yacht „Maya“ und der „Margot“ aus Deutschland. Die Erleichterung ist gross. Wir haben es geschafft. Das feiern wir mit einem kräftigen Manöverschluck ( zum Glück hat Sam von der „Margot“ einen grossen Vorrat an edlem Zwetschgenwasser).

Da für die nächsten Tage wieder Sturmwind bis 40 Knoten angesagt ist, bleiben wir während 4 Tagen im sicheren Schutz der Marina und geniessen die weltentrückte Stimmung auf diesem kleinen Naturparadies. Die Insel ist nur per Fähre erreichbar, die Häuser der einzigen Ortschaft sind schön weiss getüncht, die Strassen sind schöner goldgelber Sand. Man kann hier Mountain Bike- und Offroad-Jeep-Touren machen.

Überraschung? Überraschung!
In der ersten Nacht erreicht uns ein E-Mail: „Wo seid Ihr? Wir sind seit zwei Tagen auf Lanzarote und haben noch nichts von Euch gehört!“. Die Überraschung ist gross, aber selbstverschuldet. Denn wir hatten den Besuch unserer Tennisfreunde Bruno und Pia erst für den 3.12. eingetragen – das ist aber der Rückflugtermin!

Jassen statt Segeln
Wir machen das Beste daraus – am nächsten Morgen kommen Pia und Bruno mit der ersten Fähre auf unser Schiff und wir starten unsere gemeinsame Ferienwoche halt etwas später und auf La Graciosa. Pia und Bruno werden jetzt zu Crewmitgliedern. Wir wettern den Sturmwind an Land ab – gemeinsam mit den Freunden von der Maya und der Margot wird uns nicht langweilig – dafür sorgt natürlich vor allem der redegewandte Gute-Stimmungs-Mensch Bruno. Wir lachen viel, gehen mal auswärts essen, oder kochen gemeinsam auf der „Maya“: Acht Erwachsene und 2 Kinder – es ist zwar eng, aber urgemütlich.

Da wir jetzt zu viert an Bord sind, aber nicht auslaufen können, kommen wir endlich wieder einmal zum Spielen und Jassen, natürlich Männer gegen Frauen. Bruno zählt und schreibt zwar schnell und gut – aber er verschläft das Bedanken und so verschenken wir Männer grosszügigerweise auch unseren einzigen Sieg an Pia und Doris. Beim „Brändi-Dog“ ist es etwas ausgeglichener. Und beim „Set“ muss Bruno erschüttert feststellen, dass dies wohl ein Spiel nur für Frauen ist. Hans wusste das natürlich schon und hat erst gar nicht mitgemacht.

Am Sonntag 30.11. sind Wind und Wetter für uns optimal. Wir setzen die Segel und speeden mit einem Supertempo Richtung Arrecife, der Hauptstadt Lanzarotes. Pia übernimmt das Steuer und macht es tipptopp. Bruno kann leider nicht mit – er kommt nur zu einer Fahrt mit der Fähre, und fährt dann mit dem Mietwagen nach Arrecife.

Autofahren statt segeln
Am letzten Ferientag ist das Wetter leider wieder ziemlich mies, sodass Bruno vorerst als „verhinderter Seefahrer“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Aber was nicht ist, kann immer noch werden – unsere Reise mit der Riocaja dauert ja noch einige Zeit.

Dafür steuert uns Bruno souverän durch die faszinierende Lava-Landschaft Lanzarotes. Höhepunkt: Wir besuchen die Cuevas de los Verdes – ein gewaltiges, mehrere Kilometer langes, Höhlensystem, das durch die Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert entstanden ist. Es hat sogar ein unterirdisches Auditorium mit toller Akustik, wo regelmässig Konzerte abgehalten werden. 300 Personen finden hier Platz!

Noch ein letzter Jass- und Spielabend – dann heisst es leider schon wieder Abschied nehmen. Vielen Dank Pia und Bruno! Das war eine verkürzte, aber umso intensivere und unterhaltsamere Woche mit Euch! Wer soll uns jetzt zum Lachen bringen?

Marina Lanzarote – Arrecife
Seit dem 1.12. sind wir in der ganz neuen Marina Lanzarote in Arrecife. Wir fühlen uns hier sehr wohl und gut aufgehoben. Service, Preis und Leistung stimmen. Unsere Freunde von der „Maya“ und der „Margot“ sind auch da. Dazu viele weitere Yachten, die auf ihrem Weg zur Atlantiküberquerung in Arrecife zwischengelandet sind.

Am 5.12.machen wir einen grossen Familienausflug im 9-Personenbus. Mit dabei: Herbert und Asma mit ihren zwei Kids Adam und Sämi (Yacht Maya), Sam und Margot (Margot), Hans und Doris (Riocaja). Es wird ein spannender Tag. Höhepunkt ist der Besuch des Nationalparks Timanfaya. Ein eindrückliches Erlebnis.

Die Zeit bis zum nächsten Besuch (Anja und Patrick 20.12. – 30.12.) nutzen wir für Reparaturen, Service-Arbeiten und Ausrüstungsergänzung. Bald ist die Riocaja fit für die grosse Atlantikpassage.

Hier gehts zur Bildergalerie. Bitte entschuldigt, es geht dabei chronologisch wild durcheinander. Klickt euch durch – es hat einige wunderbare Highlights!