7.10. – 6.11.14 Mallorca –Ibiza – Gibraltar – Marokko

7.10. – 13.10. Mallorca, Puerto Portals

Wir warten auf unsere neuen Sitzpolster und zwei Regendächer. Die Lieferung zögert sich Tag um Tag hinaus. Wir verkürzen uns die Wartezeit mit gegenseitigem Besuch bei unseren Freunden Gordon und Louise auf der Larrikin, die ebenfalls warten müssen – auf die Lieferung eines Ersatzteils für den Generator.

13.10. Welch eine Freude – völlig überraschend kündigt sich Besuch aus der Heimat an: Unsere Freunde Yvonne und Daniel aus Laufen haben kurzfristig Mallorca-Ferien gebucht und kommen mit ihren zwei Kids Gian und Baby Liv vorbei! Das Wetter meint es gut, und wir können eine zweistündige gemütliche Segeltour machen. Yvonne und Dani steuern unser Schiff souverän, machen Halsen und Wenden. Doris hält endlich wieder einmal ein Baby in ihren Armen und ist ganz happy!

14.10. Und gleich nochmal eine grosse Freude: Die Familie Sven und Simone mit ihren Kids Silvan und Sina – Tennisschüler bei Doris – haben ihre Mallorcaferien auch genutzt, um uns mit einem Besuch zu überraschen! Das Wetter ist leider nicht gut zum Segeln, aber wir zeigen ihnen unsere Riocaja vor Anker. Silvan springt übermütig auf und unter dem Deck herum und schaut unseren Segelplan fachkundig an – er hat mit seinem Dad gerade einen Segelkurs absolviert.
Ein ganz grosses Dankeschön für diese zwei Familien-Besuche – das hat uns riesig gefreut!

14.10. – 21.10. Mallorca – Ibiza – Gibraltar

Endlich sind unsere Polster und Segeldächer gekommen. So können wir am 14.Oktober aufbrechen zum grossen Schlag nach Gibralter. Zuerst geht’s 70 Seemeilen(130 km) nach Ibiza, wo wir in der schönen Bucht Cala Talamanca (smaragdgrünes kristallklares Wasser!) auf den richtigen Wind für die Weiterreise nach Gibraltar warten – gemeinsam mit Gordon und Louise auf ihrem riesigen Katamaran The Larrikin. Der kommt am 18. Oktober – vor uns liegen diesmal 400 Seemeilen = 4 Tage und 3 Nächte.

Wir haben die meiste Zeit tollen Wind und unsere Riocaja „speedet“ zeitweise mit 7 -8 Knoten südwestwärts. Wir sind so schnell, dass wir in der Nähe von Malaga noch einen fünfstündigen Zwischenhalt machen müssen, denn wir wollen nicht nachts in der mit wartenden Frachtern und Tankern üeberfüllten Einfahrt nach Gibraltar einlaufen.

Vier sehr unterschiedliche Episoden gibt’s von der Überfahrt noch zu berichten: zuerst sehen wir vier ganz dunkle Wale, die für einen Moment bei uns vorbeischauen. Sie sind ca 4 -5 Meter lang. In unserem Buch „Alle Wale und Delphine der Welt“ identifizieren wir sie anhand der Rückenflosse und der markanten Kopfform als eine Art der „indischen Grindwale“. Sie haben aber auch noch viele andere Namen – in Europa heissen sie z.B. Pilotwale.

Das zweite Ereignis – mitten in der Nacht – ist leider ein ganz unerfreuliches: Doris wird auf ihrer Nachtwache von einem Fischerboot verfolgt und quasi „attackiert“ – nur mit Motorkraft und einem sofortigen Ausweichmanöver können wir eine Kollision vermeiden. Das Boot zischt 20- 30 Meter an uns vorbei. Was hat die Fischer dazu getrieben? Wollten Sie uns verschrecken? Sind wir in ihre „heiligen“ Fischgründe eingedrungen? Wir wissen es nicht.Wir sind nur froh, diesen Schrecken überstanden zu haben.

Die dritte Episode verdanken wir der spanischen Kriegsmarine: Über Funk kündigen sie halbstündlich mit einer „All Ships – all Ships“ Meldung eine Nato-Kriegsübung mit Geschützfeuer an, man müsse ein bestimmtes Gebiet umfahren.

Auf der elektronischen Seekarte stecken wir die Koordinaten ab – und was sehen wir? Unser Kurs führt genau mitten durch dieses Gebiet – und in der Ferne hören wir schon ein erstes Geschützfeuer donnern. Wir sichten am Horizont mehrere Kriegschiffe. So heisst es für uns: Mitten auf dem Mittelmeer scharf rechts abbiegen und einen mehrstündigen Umweg zu fahren.

Das vierte Ereignis ist wieder erfreulicher: in der Nähe von Malaga besucht uns eine Delfinschule, die gut zehn Minuten mit uns mitschwimmt.

Am 21. Oktober vormittags erreichen wir die Südspitze Gibraltars – den Europa-Point. Und am Mittag legen wir in der spanischen Marina in La Linea direkt an der Grenze zu Gibraltar an. Die bisher längste Reise ist vollbracht. Wir sind recht stolz!

Und wir werden von Christine und Urs begrüsst. Ihre “So’ham“ liegt gleich neben uns. Sie kommen ebenfalls aus Basel. Mit ihnen wollen wir Anfang Januar gemeinsam die Atlantiküberquerung angehen. Neben Christine und Urs treffen wir hier noch viele weitere Segler an. Sie alle haben das gleiche Ziel wie wir: Von den Kanaren aus in die Karibik segeln. Das gibt viel Gesprächsstoff. Dabei freunden wir uns speziell mit Sam und Margot aus Bayern an. Mit ihnen verbringen wir gemütliche Stunden auf beiden Schiffen – und wir stossen mit selbstgebranntem Zwetschgenwasser mehr als einmal auf unsere gemeinsamen Ziele, unsere Schiffe und auf unsere Freundschaft an (unter Seglern heisst das Manöverschluck). Wir wollen schauen, dass wir uns fortan nicht aus den Augen verlieren und in der Karibik die Alantiküberquerung gebührend feiern können.

21.10. – 5.11. Marina Alceidesa, La Linea/Gibralta

Abschied
Am Donnerstag, den 23.10., gehen wir zu Fuss nach Gibraltar. Das ist schön und traurig zugleich: wir besuchen ein letztes Mal unsere australischen Freunde Louise und Gordon. Sie reisen bereits am nächsten Tag weiter nach Lanzarote und werden von dort aus am 16. November Richtung Karibik lossegeln und dort vorerst eine andere Route nehmen wie wir. Aber wir hoffen fest , dass wir uns in den nächsten Jahren nochmals treffen können. Bis dann bleiben wir in Kontakt via Facebook und Mail. Ihr seid ganz wunderbare Menschen!

Shit happens!

Unser Aufenthalt in La Linea verlängert sich dann aus ganz anderen, unerfreulichen Gründen. Doris hat in unserem Schiff in einem Fach unter dem Fussboden ihre Schuhe gelagert. Und die sind plötzlich feucht – Salzwasser! Aber woher kommt es? Wir können es uns nicht erklären, denn nirgendwo in diesem Teil hat es einen Ausgang/Durchbruch/Seeventil. Wir zeigen es Eric Oosterhuizen, einem südafrikanischen Marinetechniker, der seit zehn Jahren hier auf seiner Segelyacht lebt und seinen Lebensunterhalt mit seiner Einmannfirma GatewayNautic verdient. Wir verfolgen den Fluss des Salzwassers durch unser Schiff und werden beim Ruderschaft fündig: aus einem klitzekleinen Riss tuckert ganz wenig aber stetig Salzwasser. Eric denkt laut nach und verkündet uns die Diagnose und ihre Behebung: Das ganze Rudersystem muss ausgebaut werden: Das heisst konkret: das Schiff muss aus dem Wasser aufs Trockendock. Dauer der ganzen Prozedur und Reparatur: zwei bis fünf Tage. Ohne hundertprozentige Erfolgsgarantie.

Wir vertrauen in die Fähigkeiten von Eric und so wird die Riocaja am 27. Oktober aus dem Wasser gehoben und aufs Dock gestellt. Wir müssen für einige Tage ins Hotel. Die Arbeit ist komplex und aufwendig: Das Ruder (ist 1,5m hoch und wiegt ca. 200 kg) und die mächtige Ruderachse müssen weggenommen werden. Dazu muss auch unser ganzer Schlafraum im Heck „ausgebaut“ werden. (siehe Fotos).

Wir nutzen die Zeit auch und arbeiten auch kräftig mit: Wir reinigen die „Aussenhaut“ der Riocaja mit einem weissen Zauberschwamm. Dann wird sie – ebenfalls mit einem genialen Wundermittel (PTF-Teflon Polish) – poliert..

Der Propeller wird vom starken Muschelbewuchs befreit und mit spezieller Anti-Fouling-Farbe gestrichen. Dann versehen wir das ganze Unterwasserschiff mit einem neuen Antifouling-Anstrich gegen den Algen- und Muschelbewuchs. Alles Handarbeit. Die macht aber auch Freude, weil man das glänzende Resultat sehr gut sieht

Die Ruderreparatur gelingt schliesslich nch vier Tagen auch. Das Schiff kommt zurück ins Wasser und an den Liegeplatz. Die Schlafkabine wird wieder zusammengebaut. Der Innenraum komplett gereinigt. Als Krönung der ganzen Arbeit ersetzen wir auch unsere zwei schon ziemlich ausgeleierten Segel (zusammen über 100m2) durch die noch völlig neuwertigen Originalsegel, die der Vorbesitzer schön verpackt aufbewahrt hatte.

Das Resultat. Unsere 20-jährige Riocaja sieht einfach sensationell gut aus – fast schöner wie neu! So lassen sich die hohen Reparaturkosten etwas leichter verschmerzen. Und wir haben mit Eric durch die einwöchige gemeinsame intensive Arbeit Freundschaft geschlossen. Er hat uns auch lieb gewonnen, so dass er uns mit seinem Auto noch zu den notwendigen Einkäufen in Nauticshops und im Carrefour fährt. Und dabei auch in seinem Lieblingslokal Halt macht, mit uns ein Bier trinkt und wir auf eine erfolgreiche Weiterfahrt mit der „dichten“ Riocaja anstossen. Merci, Eric, wir bleiben in Kontakt.

6.11.2014 Atlantik – wir kommen!

Jetzt drängt die Zeit, denn am 4.11. ist bereits unser Freund Hendrik in Marokko eingetroffen. Mit ihm wollen wir Landausflüge machen. Aber wir können die Strasse von Gibraltar nur durchqueren, wenn die Windrichtung stimmt, wenn die Gegen-Strömung in der Strasse von Gibraltar nicht zu stark ist, wenn bei Tarifa der Wind nicht in Sturmstärke bläst, wenn die Atlantikwellen nicht zu hoch sind und wenn die Gezeit die richtige ist. Wir müssen abwarten, erst am Donnerstag, den 6.11., ist es soweit: um 04.00 Uhr, zwei Stunden nach Hochwasser, legen wir ab.

Wir kurven im Dunkeln zwischen den vor Anker liegenden Fracht- und Tankschiffen durch und biegen in die Strasse von Gibraltar ein – dort kommt die Riocaja zwar optisch ganz gut voran, Das mechanische Geschwindigkeitslog misst die Fahrt durchs Wasser und zeigt 5 Knoten an – in Tat und Wahrheit bleiben wir aber fast stehen, denn dasGPS zeigt genau an, dass wir nur noch mit 0,5 Knoten vorwärts kommen. Wir müssen den Motor auf Maximalleistung drehen, so dass wir schliesslich die massive Gegenströmung überwinden können.

In der Folge begrüsst uns der Atlantik mit seiner freundlichen Seite. Wir können bald die Segel setzen, die Wellen sind überhaupt nicht hoch und wir segeln mit schönem Speed der marokkanischen Küste entlang. Die Segel nehmen wir erst nach zwei Tagen und einer Nacht vor der Einfahrt in den Hafen von Rabat wieder runter.

Das schönste Erlebnis haben wir etwa 20 Meilen vor Rabat: Zwei grosse Delfinschulen besuchen uns und schwimmen mehr als eine halbe Stunde mit uns mit! Um unser Schiff wimmelt es von Rückenflossen. Die Delfine springen einzeln, paarweise oder zu dritt, kreuz und quer und begleiten uns geschickt in unserer Bugwelle. Und gleichzeitig sichten wir in etwa 150 Meter Abstand zwei grosse Wale. Ein gewaltiges Erlebnis.

Vor der kniffligen Einfahrt von Rabat werden wir von einem Lotsenboot abgeholt und sicher in die flussaufwärts liegende Marina Bouregreg geführt. Der Gezeitenunterschied beträgt hier fast vier Meter. Die Marineros sind extrem nett und helfen uns beim Festmachen. Wir müssen auf dem Schiff kurz warten, bis der Zollbeamte kommt und die Einklarierung vornimmt. Das umfasst Passkontrolle, Einreiseformulare ausfüllen, Schiffspapiere, Versicherungsnachweis und eine genaue Schiffsinspektion. Alkohol in normalen Mengen ist ok. Allfällige Waffen würden eingezogen, bei verdächtigen Schiffen wird mit Hunden nach Drogen gesucht. Das erspart uns der sympathische und höfliche Beamte natürlich und begrüsst uns in seinem schönen Land Marokkko. Man spürt, diese Menschen sind extrem stolz auf ihr grosses schönes Land.

6.11.14 Marokko – wir sind da! Wir fühlen uns sicher und gut aufgehoben, wir freuen uns auf Hendrik und auf unsere gemeinsamen Segel- und Landausflüge in den kommenden zehn Tagen.

 

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