1.9. – 18.9. (Fortsetzung) Ibiza – Mallorca – nach den schönen Momenten der grosse Schock.

(Achtung: Für alle, die den vorherigen Beitrag nicht gelesen haben: zuerst zurückschalten, sonst stimmt die Chronologie nicht mehr.)

Die Passage von Ibiza nach Mallorca verläuft unspektakulär: kein Wind, keine Wellen, kein Fisch, der an unserem attraktiven Köder anbeisst, und auch keine Delfine, die uns begleiten. Erst kurz vor Mallorca können wir die Segel hissen und mit schönem Speed den Punta Figuera passieren und in der schönen Bucht Cala de Portals Vells über türkis Wasser den Anker setzen.

Am 9.9. wollen wir nach Puerto Andratx zum Einkaufen (Food und Ersatzteile). Wir haben Zeit und tollen Wind. In schöner Schräglage segeln wir in die total geschützte und deswegen sehr beliebte Bucht, mit einem schönen Städtchen. Aber da es schon spät ist, verschieben wir den Einkaufstag auf morgen und ankern in der Cala d’Egos. Die entpuppt sich als ziemlich „schwellig-schaukelig“, aber wunderschön wild, mit toller Kulisse und klarem türkis-blauen Wasser. Nachts verziehen sich alle andern Yachten. Wir bleiben zurück, gemeinsam mit einer Yacht unter deutscher Flagge. Mit einer Flasche korsischem Rosé „gehen“ wir rüber und lernen drei gestandene herzliche Männer kennen. Wir verbringen zwei gemütliche Stunden mit der eingefleischten „schwäbischen“ Männercrew Jakob, Toni und Schorsch. Die drei im besten Alter machen jedes Jahr eine Segeltour auf Mallorca, verstehen unser Schweizerdeutsch bestens und geniessen ihr Leben. Und Toni hat (tief-)sinnige Weisheiten zum Leben und Arbeiten zu berichten. Davon können wir „zehren“. Wir haben ja wirklich ein schönes „einfaches Leben im Luxus“: Einfach ist unsere Unterkunft auf engem Raum. Einfach und langsam ist unsere Fortbewegung unter Segeln und zu Fuss zum Einkaufen und Heimschleppen. Luxuriös ist die Zeit, die Sonne, die Freiheit, die Natur, das Meer, die Weite, das wunderbare Essen an Bord (Tausend Dank an Doris!!!) und der Kühlschrank, der immer ein kühles Bier bereit hält!

Der nächste Tag hält ein weiteres, unerwartetes Top-Highlight parat für uns. Wir ankern vor der Insel Dragonera, einem ehemaligen Schmugglernest. Die Insel ist unbewohnt und steht unter Naturschutz – und sie ist ein kolossaler Naturpark. Wir wandern zum nördlichen Leuchtturm und sind ganz hingerissen von der Fauna, sehen fast zutrauliche Eidechsen, blicken hinab auf azurblaues Meer. Doris erspäht mit ihrer Kamera einen „Mittelmeer-Falken“. Den gibt es nur hier auf dieser Insel. Er ernährt sich von Zugvögeln, die zum Überwintern in den Süden ziehen. Und dann fliegt er selbst tausende Kilomter nach Madagaskar, um im Frühling wieder auf Dragonera zurückzukehren.

Wir kehren auch zurück von unserer Wanderung – und sehen, dass wir jetzt die einzigen Menschen auf der Insel sind. Das kleine Fährboot entschwindet gerade im letzten Abendlicht.

Tags darauf kehren wir zurück vor die Tore Palmas, ankern kostenlos vor dem schönen, teuren Hafen Puerto Portals, wo fast unzählig viele Millionenyachten in Reih und Glied versammelt sind.

Sohn Dario mit Freund Marco kommen zu Besuch. Zwar nur für drei Tage, denn am Dienstag 16.9., fliegen sie direkt zum Champions League-Kracher Real Madrid – FCB. Diese gemeinsamen Tage wollen wir aber voll geniessen und steuern erst mal die tolle, geschützte Bucht Cala de Portals Vells an, die über nicht weniger als drei feine kleine separate Sandstrände verfügt. Plus Felsen und Grotten und Klippen. Dementsprechend beliebt ist sie nicht nur bei den Badegästen, sondern auch bei den Yachties – viele Motor- und Segelboote liegen relativ eng beieinander.

Plötztlich ist die heile Welt Nebensache: Doris schwimmt zügig zurück zur Riocaja – ein lauter Schrei schreckt uns auf – sie wird von einem Motorboot überfahren! Unter dem Boot kann sie sich abstossen und abtauchen – wieder aufgetaucht hören wir nur noch ihr andauerndes lautes Schreien – dazwischen „ihr habt mich überfahren“. Sie ist in einem akuten Schockzustand. Wir rudern mit dem Dinghy dazu – ziehen sie an Bord  – sie legt sich ins Boot – ihr Körper krümmt sich zusammen – sie zittert und schüttelt sich. Uns aber fällt ein Stein vom Herzen: sie ist unverletzt – das hätte die ganz grosse Katastrophe sein können!

Nach dem Schreck- und Schockmoment geniessen wir die drei Tage mit Dario und Marco umso intensiver. Die zwei FCB-Cracks zeigen sich absolut seefest. Sie lassen sich von Schräglage ebensowenig beeindrucken, wie von schaukeligen Nächten. Sie beweisen sich als gute und ausdauernde Steuermänner, egal ob der Wind von hinten oder von vorne kommt. Am letzten Abend wird gejasst – und als sie uns früh am Morgen in Richtung Madrid verlassen, ist nicht nur der Bierkeller auf der Riocaja traurig und leer.

Zum Schluss noch ein kleines Jubiläum: Am 10. September haben wir die 1000-Seemeilen-Marke geknackt. Das heisst: Seit dem Start in La Spezia sind wir 1852 km gesegelt (und motort).

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1.9. – 18.9.: Ibiza – Mallorca: Schöne und überraschende Momente – und ein grosser Schock.

Nach dem Abschied von Bianca und David bleiben wir noch einige Tage auf Ibiza. Wir entdecken die liebliche, familiäre Bucht Cala Badella. Mit Felsen, Fischerhütten, netten Häusern und Naturstrassen, fast so wie im Wlden Westen. Wir essen in einem kleinen Restaurant. Wir gehen nach „Hause“ auf unsere Riocaja. Doch genau um Mitternacht weckt uns Musik – Technosound hallt in unser Schlafgemach. Wir können uns keinen Reim darauf machen. Und schlafen wieder ein. Techno in der Familienbucht – das passt doch nicht! Des Rätsels Lösung zeigt sich am Morgen: in einer Ecke der Aussenbucht steht einsam eine Steinhütte – und junge Menschen hüpfen hin und her und auf und ab. Vom Strand aus sieht und hört man rein gar nichts. Aber von unserem Ankerplatz haben wir Sicht- und Hörweite. Wir gewöhnen uns daran – denn die Technoparty geht rund um die Uhr weiter – ohne Pause, Ich hab schon was von 24-Stunden-Partys gehört. Diese aber dauert noch an, als wir die Bucht nach drei Tagen verlassen.

Wir kommen zur grossen weitläufigen Bucht Cala Basa. Sie hat einen grossen Hauptstrand mit riesigem Ferienclub-Betrieb. Wir entdecken aber eine kleine Nebenbucht, wo wir völlig allein sind – was sich aber beim Ankern als Irrtum herausstellt – im Wasser wimmelt es von grossen braungefärbten Quallen. Wir flüchten in die nächste Bucht, wo es zwei Luxus-Villas und keine Quallen hat. Dann fahren wir mit dem Dinghy zurück in die Quallenbucht – das interessiert uns doch sehr. Und was sehen wir: eine Schnorchelgruppe tummelt sich im Wasser. Der Tauchguide klärt uns auf: Die Spiegelei-Qualle heisst genau so wie sie aussieht, und sie ist völlig ungefährlich. Man kann sie locker anfassen. Doris taucht sofort ab und fasst an. Ich bewache in der Zwischenzeit das Dinghy…
Am nächsten Tag in der nächsten Bucht (Cala Es Torrent) sehen wir erstmals ein Boot mit Schweizer Flagge. Walter und Helma laden uns zu einem Drink auf ihrem riesigen Katamaran ein. Walter erzählt viel – und wir hören zu. Es ist eine spannende Lebensgeschichte vom misshandelten, hungernden Waisenkind (in einem Innerschweizer Heim), vom einfachen Taxihalter zum grössten Taxiunternehmer der Stadt Zürich. Und nebenbei hat er noch weitere Firmen aufgebaut. Er hat das Flugkapitän-Brevet, ist mit dem eigenen Flugzeug geflogen. Er hat den Hochseeschein und wollte um die Welt segeln wie wir. Doch diesen Traum konnte er sich nicht erfüllen. Es kam anders. Aber er hat enorme Segel-Erfahrung und gibt uns viele wertvolle Tipps. Und er hütet einen grossen Schatz zuhause, den er uns vielleicht weitergeben kann: er hat in den 90er Jahren bereits alle Seekarten für seine Weltumseglung gekauft! Er verspricht uns, eine Inventarliste zu erstellen und uns zu informieren. Da er nur eine Tagesreise von Ibiza entfernt in Spanien wohnt, könnten wir die Karten auf unserem Weg in die Kanaren direkt bei ihm abholen.
In San Antonio legen wir zwei Einkaufs- und Reparaturtage ein – unser Stromgenerator lädt die Batterien mehr und liefert keinen 230V-Wechselstrom mehr. So kann auch unser Watermaker kein Wasser mehr produzieren. Schuld ist dann nicht der Generator, sondern der Boiler, resp. sein Heizstab… aber wie soll man das als Technikbanause verstehen? Warmes Wasser haben wir aber trotzdem noch, weil die Wasserkühlung des Motors durch eine Spirale im Boiler läuft.
An der Nordostküste erleben wir zwei weitere Highlights auf Ibiza: Wir ankern als einzige Yacht beim Punta Grossa unter einem alten Leuchtturm, in einer völlig einsamen wilden Küste. Nachts sehen wir im Mondlicht in der weiten Bucht nur dunkel: kein Licht von Häusern oder anderen Schiffen. Gewaltig!
Das zweite Highlight ist die kleine Insel Tagomago…..Die liegt auch im Nordosten, ist wunderschön, und da liegen wir zuerst auch fast allein…aber da rauschen doch schon fast im Minutentakt luxuriöse Motoryachten heran. Der Grund ist gut zu erkennen: Am Ufer steht ein Pfahlbau, in mattweissgetünchtem Holz stilvoll gebaut, mit weitem Ausblick aufs Meer und die Küste Ibizas. An den edel gedeckten Tischen herrscht reger Betrieb, die Motoryacht-Schickeria diniert in einem feinen Restaurant. Der Gastgeber und Inselbesitzer (!) geht von Tisch zu Tisch und parliert mit der Kundschaft. Wir setzen uns in die Freiluft-Lounge, schauen dem Treiben zu, studieren die Menükarte (pro Gang ab 40€) und einen Hochglanzprospekt, der auf jeder Seite ein noch teureres Anwesen auf Ibiza/Formentera in gesalbten Worten und wunderschönen Bildern anpreist. Irgendwann werden wir auch bemerkt und können unsere Bestellung aufgeben. Zugegeben: Der Orangensaft wird vom Barkeeper für Doris frisch gepresst und der Caipirinha ist nicht nur der teuerste, sondern auch wirklich der der schönste und beste, den ich je getrunken habe.
(Übrigens: Die Insel kann man mieten > www.tagomago-island.com)
Nachts sind alle Motoryachten verschwunden und wir übernachten allein. Es wird allerdings sehr ungemütlich, Wind und Schwell nehmen zu. Wir schaukeln mächtig, an Schlaf ist kaum mehr zu denken. So starten wir bereits vor 5 Uhr zum grossen Schlag zurück nach Mallorca.
Darüber, den Besuch von Dario und Marco, und über den grossen Schock- und Schreckmoment berichte ich im nächsten Blog, jetzt ist es Mitternacht. ich brauche Schlaf…
Hier noch die Bildergalerie zum Text
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